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Wirtschaft Regional Mit dem BMW-Werk in Leipzig begann vor zehn Jahren der regionale Aufschwung
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22:02 20.03.2015
Milan Nedeljkovic (BMW Werksleiter Leipzig), Stanislaw Tillich (Ministerpräsident Sachsen), Harald Krueger (BMW Produktionsvorstand), Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (l-r) beim Festakt zu 10 Jahre BMW Group Werk in Leipzig. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Erst recht, weil die inzwischen 4700 direkten Arbeitsplätze dafür sorgten, "dass es hier in der Region vorangeht".

Dabei erwähnte der Premier noch nicht einmal, dass gegenwärtig noch 2300 Zeitarbeitskräfte oben drauf kommen. Dafür hob der Christdemokrat hervor, dass für jeden BMW-Beschäftigten "drei weitere Arbeitsplätze in der Region" entstanden seien, unter anderem bei Zulieferbetrieben.

Leipzigs SPD-Oberbürgermeister Burkhard Jung bekräftigte Tillichs Einschätzung. "Mit der 2001 getroffenen Entscheidung von BMW, hier ein Werk zu bauen, begann der wirtschaftliche Aufschwung in Stadt und Region." Inzwischen, nach mehreren Ausbaustufen, "geht es uns wirtschaftlich so gut wie noch nie zuvor. Leipzig boomt." Die Region könne also optimistisch in die Zukunft schauen.

Leipzig gewinnt gegen 250 andere Bewerber

Eine Entwicklung, mit der zumindest einer gerechnet hatte: Peter Claussen. "Ich habe das so erwartet", sagte der heute 64-jährige erste Werkleiter, der die Fabrik bis 2008 lenkte. "Leute, ihr schafft das hier", habe er den Mitarbeitern anlässlich seines Ausscheidens zugerufen. Claussen berichtete, dass einer der Punkte, der für Leipzig im Kampf um den Zuschlag für das Werk - europaweit hatten sich 250 Kommunen beworben - den Ausschlag gegeben habe, das Fachkräftepotenzial gewesen sei.

Von den 2000 Beschäftigten zum Start seien vorher 40 Prozent langzeitarbeitslos gewesen. "Wir haben gezeigt, dass Deutschland ein unglaublich attraktiver Industriestandort ist", sagte Claussen am Rande der vom Chor der Grundschule des Forum Thomanum und Amacord umrahmten und von gut 300 Gästen besuchten Feierstunde im Werk.

Was aber nichts daran ändert, dass die BMW-Entscheidung über den Zuschlag damals auf des Messers Schneide stand. Zum Schluss ging es um Leipzig oder die tschechische Stadt Kolin. Einer der maßgeblichen Streiter für Sachsen war Manfred Schoch. Der Konzernbetriebsratschef einigte sich mit dem Vorstand auf die Arbeitsbedingungen, stimmte unter anderem einer flexiblen Wochenarbeitszeit von 60 bis 140 Stunden zu. "Ohne diese Verständigung hätte Kolin den Zuschlag bekommen", sagte Schoch. Dadurch sei es gelungen, den Lohnkostenvorteil der Tschechen von gut 15 Prozent wettzumachen. "Ich bin schon sehr stolz darauf, dass wir als Betriebsrat die Arbeitsplätze hier in Leipzig mitgeschaffen haben."

2014 mehr als 200.000 Autos hergestellt

Das erste Auto, das im März 2005 vom Band rollte, war ein 3er. Käufer war Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg, der den Wagen vier Jahre fuhr und der Marke treu geblieben ist. "Ich habe nicht geglaubt, dass sich das Werk so entwickeln wird", staunte der Kunstmäzen. Seinen 320i verkaufte er 2009, das Fahrzeug wurde nach Griechenland geschickt, nach Pyrgos, einem kleinen Dorf auf der Halbinsel Peleponnes. Dort, zwischen Antike und Meer, verlieren sich die Spuren des ersten Leipziger BMW.

Das Werk nahm einen nahezu ungebremsten Aufschwung. "Inzwischen fahren über 1,6 Millionen BMWs aus Sachsen durch die Welt", berichtete Produktionsvorstand Harald Krüger. Im vorigen Jahr wurden 211.400 flotte Flitzer hergestellt. Das sind der 1er Fünftürer, aus der 2er-Reihe Coupé, Cabrio und Active Tourer sowie der BMW X1.

Und: Das Leipziger Werk ist das Zentrum der Elektromobilität von BMW, hier werden der Stromer i3 und der Hybrid-Supersportwagen i8 gefertigt. Neben den 750 konventionellen Autos sind das aktuell täglich 100 Stück vom i3 und 20 vom i8. "Wir sind Vorreiter in Sachen Elektromobilität und innovativem Leichtbau", strich Werkleiter Milan Nedeljkovic heraus. Diese Position gelte es zu behaupten.

"Unsere Standortentscheidung für Leipzig war richtig. Bis heute haben wir sie nicht eine Sekunde bereut", sagte Krüger. Tillich und Jung kommentierten das nicht. Mussten sie auch nicht. Denn sie sehen das genauso.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21. März.

Ulrich Milde

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