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Wirtschaft Regional Mit dem Prädikat Frachtdrehkreuz setzt Leipziger Airport auf Zuwachs
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22:13 19.03.2018
DHL nutzt den Flughafen Leipzig/Halle als Luftfrachtdrehkreuz. Quelle: dpa
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Schkeuditz

Rückenwind für den Flughafen Leipzig/Halle: Weil die neue Bundesregierung den Airport in Schkeuditz zum zentralen Frachtdrehkreuz ausbauen will, rechnet der Flughafen jetzt mit einem kräftigen Schub. Flughafenchef Johannes Jähn hofft, dass sich nun weitere Frachtairlines ansiedeln – und nach dem Vorbild von DHL vielleicht sogar eigene Logistikzentren bauen. „Der Flughafen Leipzig/Halle hat einen großen Vorteil gegenüber all seinen Konkurrenten: die noch verfügbaren Entwicklungsflächen“, sagte Jähn, der bisher zum Thema auffallend geschwiegen hatte, jetzt dem Radiosender MDR Aktuell. „Das ist natürlich ein großer Wettbewerbsvorteil.“

Der erste Interessent steht längst in den Startlöchern: Der Frachtriese SF Express aus China hatte im November angekündigt, Leipzig/Halle zu seinem Europa-Drehkreuz machen zu wollen. Die Absichtserklärung ist unterschrieben. Was noch fehlt, sind die Landerechte. Dabei könnten nun die Pläne der neuen Bundesregierung helfen. Denn im Koalitionsvertrag haben CDU/CSU und SPD vereinbart, in Schkeuditz die Frachtfluglanderechte zu erweitern: Der Airport soll künftig in internationalen Luftverkehrsabkommen generell als Landepunkt ausgewiesen werden.

Für den Airport, dank DHL schon jetzt der zweitwichtigste Frachtflughafen in Deutschland, hätte das gewaltige Konsequenzen. Denn die genannten Luftverkehrsabkommen, die es mit fast allen Ländern der Welt gibt, regeln penibel, wo ausländische Maschinen in Deutschland landen dürfen. Wenn Leipzig/Halle hier generell als Landepunkt für Frachtmaschinen genannt wird, wäre das ein gewaltiger Vorteil. Der Airport würde zum zentralen Frachtflughafen Deutschlands.

Anwohner befürchten mehr Lärm

„Dann könnten vermehrt auch ausländische Frachtfluggesellschaften Leipzig/Halle anfliegen“, erklärte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. „Insgesamt würden diese Maßnahmen den Luftverkehrs- und damit den Wirtschaftsstandort Sachsen stärken.“ Grund für den Zuschlag: Anders als in Frankfurt und Köln/Bonn gibt es in Leipzig/Halle noch freie Kapazitäten. Zudem kann der Airport mit Flügen rund um die Uhr punkten. Und daran soll sich auch nichts ändern. „An der 24-Stunden-Betriebserlaubnis wird nicht gerüttelt“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Brangs dem MDR. „Die steht nicht zur Disposition.“

Fast genauso wichtig für den Flughafen ist eine zweite Regelung des Koalitionsvertrags: Die Genehmigung von kurzfristigen Frachtflügen – sogenannte Adhoc-Charter – soll deutlich beschleunigt werden. Auch davon würde vor allem Leipzig/Halle profieren. Denn bisher dauert eine solche Genehmigung in Deutschland bis zu fünf Tage. In Belgien dagegen sind es nur wenige Stunden. Folge: Viele Anbieter schicken eilige Sendungen – Ersatzteile etwa – daher lieber gleich über Brüssel, heißt es am Flughafen. Selbst mit Lkw-Anlieferung nach Belgien gehe das schneller, als in Deutschland auf die Genehmigung zu warten.

In Schkeuditz regt sich bereits Widerstand gegen die Pläne: „Wir sprechen beim Flughafen Leipzig/Halle schon jetzt von der lautesten stadtnahen nächtlichen Lärmquelle“, schimpfte Matthias Zimmermann vom „Netzwerk gegen Fluglärm“. Das würde sich mit dem Ausbau noch verschlimmern. Anfang März gab es dazu sogar schon ein Treffen mit Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Konkrete Ergebnisse gab es bei dem einstündigen Treffen laut Zimmermann aber nicht.

Anders als bei Passagierflügen hat Leipzig/Halle bei der Fracht den Sprung zum internationalen Drehkreuz längst geschafft: „Wir haben mehr als 40 Fracht-Airlines, die Leipzig/Halle regelmäßig anfliegen“, berichtet Flughafen-Sprecher Uwe Schuhart. Mehr als 200 Ziele weltweit werden angesteuert. Im vorigen Jahr gab es noch einmal ein Plus von acht Prozent auf 1,14 Millionen Tonnen. Und das setzt sich weiter fort: Im Januar und Februar wurde erneut ein Zuwachs von
14,5 Prozent bei der Fracht erreicht, berichtet Schuhart. „Damit wachsen wir jetzt schon das 14. Jahr in Folge.“

Frank Johannson

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