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Wirtschaft Regional Möglicher Investor für Görlitzer Siemens-Werk: Leipzig liegt nicht in unserem Fokus
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22:02 25.04.2018
Vom Mediziner zum Mikroskopie-Unternehmer: Winfried Stöcker beschäftigt bei Euroimmun weltweit knapp 3000 Menschen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Hoffnung für die etwa 720 vom Job-Aus bedrohten Siemens-Werker in Görlitz: Der Lübecker Unternehmer Winfried Stöcke plant, aus dem Turbinenwerk eine Produktionsstätte für Medizintechnik zu machen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre könne er sich vorstellen, Gelände, Hallen und Mitarbeiter komplett zu übernehmen, erklärte der Euroimmun-Firmenchef, der selbst aus Rennersdorf in der Oberlausitz stammt. Der studierte Mediziner gründete 1987 Euroimmun - ein Unternehmen für Labordiagnostik. 2017 verkaufte er die Firma an das US-Unternehmen PerkinElmer; der 71-Jährige führt aber weiterhin die Geschäfte.

Wie viele Mitarbeiter von Siemens wollen Sie zu welchem Zeitpunkt übernehmen?

Wir sind in Gesprächen über eine schrittweise Übernahme von Gebäuden und Personal, die sich über mehrere Jahre erstrecken könnten. Wir wollen erst einmal ein oder zwei Hallen und 100 bis 200 Mitarbeiter übernehmen und zwei Jahre lang in Görlitz Wurzeln schlagen. In dieser Zeit kann Siemens noch mehrere Projekte abwickeln oder ein eingeschränktes Produktspektrum weiter von Görlitz aus betreuen. Danach könnte Zug um Zug der Rest in unsere Hände übergehen.

Sie bauen ja keine Turbinen, sondern Medizintechnik. Passt das von der Qualifikation der Mitarbeiter?

Die Analysegeräte von Euroimmun und PerkinElmer sind nicht so riesig wie Stromgeneratoren von Siemens, aber wir setzen gleichartige Fachleute ein. Wir bauen unter anderem vollautomatische Mikroskope und Analyseautomaten in hoher Fertigungstiefe, Millionen Teile werden gefräst oder im Spritzguss hergestellt. Bei uns arbeiten Ingenieure verschiedener Richtungen (Konstruktion, Elektronik, Informationstechnologie) und Mechaniker und so weiter. Zur Zeit herrscht eine große internationale Nachfrage, wir müssen einen großen Expansionsschub organisieren.

Die IG Metall besteht darauf, dass die bestehenden Tarifverträge der Siemensianer übernommen werden. Sind Sie dazu bereit?

Wir sprechen mit jedem, wenn es an der Zeit ist. Die Tarifverträge werden wir gerne ansehen, die Höhe der Gehälter bei Euroimmun und PerkinElmer wird bestimmt nicht unter dem Siemens-Niveau liegen.

Welche Reaktionen gibt es aus Görlitz?

Von mehreren Seiten wird uns Unterstützung zugesichert, die Betriebsleitung bei Siemens Görlitz findet unsere Vorschläge interessant. Ansonsten sind ja unsere Vorschläge neu und wir müssen sie erst noch bekannt machen.

Was reizt Sie besonders an dem Standort?

Ich bin in der Oberlausitz geboren und habe aus der Flachs-Spinnerei meines Vaters eine moderne Produktionsstätte für medizinische Labor-Reagenzien gemacht. In Bernstadt, wo ich zur Schule gegangen bin, haben wir ein gleiches Werk errichtet. Zusammen sind wir dort 200 Kollegen. Außerdem arbeiten wir daran, das Görlitzer Kaufhaus wieder in Gang zu setzen, ich habe also in der Gegend eine Menge zu tun.

Haben Sie auch Interesse an einer Übernahme weiterer Siemens-Standorte, etwa in Leipzig?

Leipzig liegt im Augenblick nicht in unserem Fokus, wir wollen uns heute mehr auf die Oberlausitz konzentrieren.

Haben die Pläne von Euroimmun in Görlitz Auswirkungen auf den Standort Lübeck?

In unserem Lübecker Revier sind wir in der Expansion eingeschränkt und werden bei unseren Baumaßnahmen durch die Behörden über Gebühr behindert. Deshalb sind wir schon auf zwei Standorte in Mecklenburg-Vorpommern ausgewichen. Was wir in Lübeck etabliert haben, bleibt bestehen.

Von Jan Sternberg und Frank Johannsen

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