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Wirtschaft Regional Neue Halberg Guss: Belegschaft stimmt für Streik
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23:35 13.06.2018
Warnstreik bei Halberg Guss am 8. Juni 2018. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

SaarbrückenDer Kampf bei Halberg Guss geht in die nächste Runde. Die Gewerkschaft hat gestern das Scheitern der Gespräche über den von ihr geforderten Sozialtarifvertrag verkündet. „Das, was uns die Arbeitgeber vorgelegt haben, ist schlichtweg inakzeptabel“, schimpfte Leipzigs IG-Metall-Chef Bernd Kruppa. Daher sei bereits am frühen Nachmittag an den beiden Standorten von Halberg Guss in Leipzig und Saarbrücken die Urabstimmung eingeleitet worden. Als letztes stimmte die jeweilige Nachtschicht über einen Arbeitskampf ab. Dieser Urnengang ging bis gegen 22.15 Uhr, danach wurde gezählt.

Hohe Beteiligung

Wenn sich mindestens 75 Prozent der  in der IG Metall organisierten Beschäftigten für einen Arbeitskampf aussprechen, „kann es im Nachgang unmittelbar zu Streiks kommen“, erklärte die Gewerkschaft im Vorfeld. Kruppa gab sich zuversichtlich, dass die 75-Prozent-Quote erreicht werde. „Die Beteiligung an der Urabstimmung war hoch“, erklärte der Gewerkschafter am späten gestrigen Abend auf LVZ-Anfrage. Auch hätten viele Beschäftigte bereits im Vorfeld ihre Zustimmung zum Streik geäußert. „Wir verschärfen jetzt die Gangart.“ Und so sahen es auch die Mitarbeiter: Mit 98,4 Prozent stimmten die Gewerkschaftsmitglieder beider Standorte für den Arbeitskampf. „Es hat keine Gegenstimme gegeben“, sagte Kruppa. Die fehlenden knapp zwei Prozent sei praktisch durchweg mit Urlaubern und kranken Mitarbeitern zu erklären. 

Dennoch sei die IG Metall weiter gesprächsbereit. „Selbstverständlich, das sind wir immer. Es ist nur eine Frage, auf welcher Grundlage“, betonte der Gewerkschafter. Das, was die Arbeitgeber in den Verhandlungen zum Sozialtarifvertrag geboten hätten, reiche bei Weitem nicht aus. Die Beschäftigten verlangen eine Qualifizierungsgesellschaft und einen arbeitgeberfinanzierten Treuhandfonds, aus dem Abfindungen oder Maßnahmen zur Vermittlung in neue Jobs bezahlt werden sollen.

Streit schwelt schon länger

Hintergrund der Auseinandersetzung ist ein seit Längerem währender Streit zwischen dem Eigentümer der Halberg Guss, der Prevent-Gruppe, hinter der die bosnische Familie Hastor steht, und dem VW-Konzern. Die Wolfsburger sind einer der Hauptabnehmer von Halberg-Guss-Erzeugnissen. So kam es Mitte April zwei Tage lang zu ersten Lieferverzögerungen. Prevent hatte damals auf unbezahlte Rechnungen verwiesen. Inzwischen setze Halberg Guss VW „mit Preiserhöhungen für seine Lieferungen auf das mehr als Zehnfache unter Druck“, sagte Kruppa. Der Autobauer, für dessen Ableger Scania und MAN Gussteile aus Leipzig geliefert werden, sei auf diese angewiesen, und zahle nun „zig Millionen an Prevent. In der Zwischenzeit ist VW dabei, eine entsprechende eigene Guss-Produktion auf die Beine zu stellen“. Mit der Folge, dass das Leipziger Halberg-Guss-Werk „voraussichtlich bis Ende 2019“ dichtgemacht werden soll, wie die Geschäftsleitung vorige Woche verkündete. Hier sind nach IG-Metall-Angaben 610 Stammbeschäftigte und 90 Leiharbeiter angestellt. In Saarbrücken stehen 300 der 1700 Stellen vor dem Aus. Die Geschäftsleitung von Halberg Guss bewertete die Gespräche mit der Gewerkschaft dagegen positiv, appellierte aber zugleich an das Verantwortungsbewusstsein aller Beteiligten. Es könne nur eine Zukunftsperspektive für das Unternehmen geschaffen werden, wenn es sich jetzt als zuverlässiger Partner seiner Kunden bewähre.

Gericht stoppt Management

Das Management war am späten gestrigen Vormittag mit seinem Antrag auf Einstweilige Verfügung vor dem Arbeitsgericht in Leipzig gescheitert. Damit wollte Halberg Guss weitere Warnstreiks und die Urabstimmung verhindern. Kruppa: „Prevent und Volkswagen bekommen jetzt die Auseinandersetzung, die sie verdienen.“

Von Ulrich Langer

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