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Wirtschaft Regional Neuer Eigner will Halberg Guss zügig wieder hochfahren
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20:20 03.12.2018
Einfahrt von Halberg Guss in Leipzig, Quelle: Andreas Döring
Leipzig

Endlich wieder gute Nachrichten bei Halberg Guss: Nach dem Verkauf der Gießerei am vergangenen Donnerstag kehren nun auch die von Prevent verschreckten Abnehmer zurück. „Wir haben von den Kunden klare Abnahmezusagen, mit unterschiedlichen Volumina“, sagte der Chef des neuen Investors One Square Advisors, Frank Günther, am Montag der LVZ. „Die großen Kunden sind alle mit an Bord. Wir haben da breite Unterstützung, die für so eine Transaktion notwendig ist.“

Möglichst zügig möchte Günther die Belieferung wieder aufnehmen. Noch muss er aber warten. Zwar wurde der Kaufvertrag am Donnerstag unterzeichnet, vollzogen ist er aber noch nicht. „Wir warten auf die Eintragung im Grundbuch“, sagte Günther. Erst danach werde der Betrieb übergeben.

„Jetzt kommt es darauf an, dass das Grundbuchamt die Eintragungen zügig vornimmt. Dann geht es weiter. Wir stehen Gewehr bei Fuß.“ Allerdings: „Zu lange darf das aber nicht dauern. Die Kunden warten darauf, endlich wieder beliefert zu werden.“ Hier gehe es um jeden Tag. „Jeder Tag, den es länger dauert, gefährdet den Deal.“

Betrieb in Leipzig ruht

Derzeit werde nur noch in Saarbrücken produziert, in Leipzig stehe die Gießerei dagegen still – weil ihr am Ende der Nachschub für die Schmelzöfen ausging. „Jetzt geht es erst einmal darum, den Betrieb wieder zum Laufen zu bringen“, sagte Günther. „Wenn das funktioniert, werden die Kunden auch wieder Vertrauen gewinnen.“

Alle derzeit noch 530 Mitarbeiter in Leipzig will Günther übernehmen. Vor einem halben Jahr waren es aber noch 170 mehr gewesen, darunter 80 Leiharbeiter. In Saarbrücken hatte Prevent sogar noch einen Tag vor dem Verkauf 228 Kündigungen verschickt. Die werde er sofort zurücknehmen, versicherte Günther. „Die Mitarbeiter sind hoch motiviert. Dieses Momentum wollen jetzt nutzen.“

Wie viele Jobs am Ende erhalten bleiben, ist aber noch offen. Bereits am Donnerstag hatte es geheißen, dass man leider davon ausgehen müsse, dass es zu einem Personalabbau kommen werde. „Wir hoffen, dass sich die Volumina weiter positiv entwickeln und wir Kapazitätsanpassungen vermeiden können“, sagte Günther nun. „Genau lässt sich das aber noch nicht abschätzen.“

Schließung abgewendet

Prevent wollte die Leipziger Gießerei dagegen Ende März 2019 ganz dicht machen. Davon will Günther nichts wissen – im Gegenteil. Den Standort braucht er sogar dringend, um sich mittelfristig neue Geschäftsfelder zu erschließen. „Aluminiumdruckguss ist dabei ein ganz wichtiges Thema. Und die Anlagen dafür haben wir in Leipzig. Deshalb wollen wir diesen wichtigen Standort erhalten.

Der Name Halberg Guss wird dagegen verschwinden. Der habe einfach zu stark gelitten. „Das soll ein echter Neuanfang werden“, so Günther. Künftig sollen die beiden Standorte Gußwerke Leipzig und Gußwerke Saarbrücken heißen. „Und wir wollen daraus eine führende Gießereigruppe in Europa machen.“

Primacom als Vorbild

Dabei tritt One Square Advisors aber nur als Berater auf. Käufer der beiden Gießereien wird die erst im November gegründete Avir Guß Holding. Einzige Gesellschafter: Günther selbst sowie sein Co-Chef Wolf Waschkuhn. Großkunde Deutz ist dabei als Geldgeber mit an Bord.

Nach demselben Muster hatten die beiden ab 2010 bereits den Leipziger Kabelnetzbetreiber Primacom saniert – und dann 2015 an Tele Columbus weiterverkauft. Waschkuhn kennt Leipzig aus dieser Zeit noch gut: Er war fünf Jahre lang Aufsichtsratschef bei Primacom.

Auch bei Halberg Guss dürften die beiden nicht ewig an Bord bleiben. „Wir sind Sanierer und Restrukturierer“, sagte Günther. Wenn das Erfolg habe, können man sich dann auch nach einem neuen Eigentümer für die Gruppe umsehen. „Fünf Jahre sind dafür ein realistischer Zeitrahmen. Aber wenn wir zehn oder fünfzehn Jahr an Bord bleiben, haben wir damit auch kein Problem. Wir stehen unter keinem Verkaufsdruck.“

Von Frank Johannsen

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