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Wirtschaft Regional Neuer Leipziger Anwaltsservice spezialisiert sich auf Abwehr von Bußgeldbescheiden
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20:30 10.03.2015
(Symbolfoto) Quelle: Volkmar Heinz

Dort wird Autofahrern kostenlos geholfen, die sich gegen falsche Bußgeldbescheide zur Wehr setzen - hauptsächlich wegen zu hoher Geschwindigkeit, nicht eingehaltenem Mindestabstand und Fahren bei Rot.

"Als wir im Februar 2014 als Vertragsanwälte gestartet sind, kamen am Tag ein bis zwei Fälle auf unsere Tische", erzählt Rechtsanwältin Anette Ehlers. "Inzwischen sind es pro Monat 250 bis 300." Dabei war sie nur durch Zufall auf dieses neue Geschäftsfeld gestoßen: Über Düsseldorfer Kollegen kam sie mit der Berliner Firma Coduka zusammen.

Die Coduka ist als unabhängiger Prozessfinanzierer aktiv und hat sich auf die Finanzierung und Optimierung von Bußgeldverfahren spezialisiert. Statistiken besagen, dass über die Hälfte aller Bußgeldbescheide mangelhaft und anfechtbar sein sollen. Doch geahndet werden sie nur selten - vor allem, weil schon die Erstberatung bei einem Anwalt deutlich mehr Kosten verursacht als die meisten Bußgelder. "Viele Autofahrer verzichten deshalb auf ihren Einspruch", sagt Ehlers. "Coduka senkt diese Hürde auf Null."

Die Berliner Firma hat eine neue Software entwickelt, die den Anwalt dabei unterstützt, Bußgeldbescheide besonders schnell und unkompliziert zu überprüfen. Weil dabei so gut wie alle Verfahrensschritte online praktiziert werden, können sich die Rechtsanwälte auf ihre Arbeit konzentrieren. "Auch wir Anwälte müssen uns mit dem Internet abfinden - und es für uns nutzen", sagt Ehlers.

Dies geschieht über die Internetseite www.geblitzt.de, auf der der Betroffene die wichtigsten Informationen weitergibt: Er meldet sich dort an und bekommt kurz darauf eine Vollmacht gemailt, die er ausfüllen und mit seinem Bußgeldbescheid zu geblitzt.de nach Berlin schicken muss. Dort werden diese Papiere eingescannt, auf Vollständigkeit überprüft und online unter anderem zur Bearbeitung in die Leipziger Nikolaistraße geschickt, wo zwei auf Verkehrsrecht spezialisierte Anwälte arbeiten. Sie fordern von den Behörden die Verfahrensakte an und prüfen, ob alles rechtens zugegangen ist. Wird ein Fehler entdeckt, gehen sie gegen den Bescheid vor - für die Mandanten kostenlos. Im Erfolgsfall fließt das Geld über die gesetzlichen Gebühren zurück. Etwa 20 Prozent aller Bußgeldverfahren, die im ersten Jahr in der Nikolaistraße bearbeitet wurden, konnten erfolgreich abgeschlossen werden.

Darüber hinaus gibt es Fälle, in denen die Behörden alles richtig gemacht haben, aber erfahrungsgemäß beim Strafmaß mit sich reden lassen. "Manche Betroffene können sich kein Fahrverbot leisten, weil ihr Auto für sie beruflich unverzichtbar ist", meint Fachanwalt Grube. "Deshalb versuchen wir, für sie das Fahrverbot in eine Geldstrafe umzuwandeln." Dies sei aber bei nicht bestehender Rechtsschutzversicherung kostenpflichtig und werde in jedem Fall vorab ausgemacht.

In der Rechtsanwaltskammer Sachsen heißt es, dass Anwälte grundsätzlich nicht kostenlos arbeiten dürfen. "Es ist aber möglich, dass ein Dritter die Kosten übernimmt", so Geschäftsführerin Jacqueline Lange. Entscheidend sei, dass die Anwälte für ihre Tätigkeit angemessen bezahlt werden - auch für die Prüfung von Bußgeldbescheiden, die zu keinen Rechtsstreitigkeiten führen. Wegen des rapiden Anstiegs der betreuten Verfahren sind in der Nikolaistraße die Weichen auf Wachstum gestellt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.03.2015

Andreas Tappert

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