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Neuer Rektor der Leipziger Handelshochschule macht Gründern Mut

Stephan Stubner Neuer Rektor der Leipziger Handelshochschule macht Gründern Mut

Stephan Stubner ist am Montag an die Spitze der Handelshochschule Leipzig (HHL) gewählt worden. Der Nachfolger von Andreas Pinkwart will auf Nachhaltigkeit setzen. Die Zeit des Wachstums soll erst einmal vorbei sein. Derzeit sind 650 Studenten an der HHL eingeschrieben.

Seit Montagabend im Amt: Stephan Stubner. Der 43-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der Nachfolger spart nicht mit Lob. Andreas Pinkwart (56), bis zu seiner Vereidigung am vergangenen Freitag als Minister für Wirtschaft, Digitales, Innovation und Energie in Nordrhein-Westfalen Rektor der Handelshochschule Leipzig (HHL), „hat Großes geleistet“. Das sagte Stephan Stubner (43), am Montagabend zum Nachfolger gewählt und mit einem Fünf-Jahres-Vertrag ausgestattet wurde. Pinkwart habe die Zahl der Professuren und Studenten an der privaten Management-Schmiede verdoppelt und der Einrichtung internationales Renommee verschafft.

Stubner, der seit zehn Jahren an der HHL lehrt, ist mit dem Ziel angetreten, das Erreichte, den jetzigen hohen Standard der Premium-Business-Scholl, „nachhaltig auszubauen“. Das bedeutet, dass die Phase des Größerwerdens vorbei ist. „Wir haben jetzt die ideale Größe erreicht. Wachstum um des Wachstums willen ist nicht unser Ziel.“ Schließlich gehe es auch darum, einen der wichtigen Wettbewerbsvorteile gegenüber anderen Wirtschaftshochschulen im Kampf um Studenten – 650 sind es derzeit in Leipzig – zu behalten. „Die Dozenten kennen alle Studenten mit Namen, wir sind eine persönliche Hochschule, haben keine starren Strukturen.“

Zu seinen neuen Aufgaben gehören auch die Finanzen. „Unser Ziel als gemeinnützige GmbH ist nicht die Gewinnmaximierung, unser Anspruch ist es, kostendeckend zu arbeiten“, formulierte der Wirtschaftswissenschaftler.

Der gebürtige Münchner, der von 1995 bis 2000 Betriebswirtschaftslehre an der Universität Paderborn, an der HHL (Stubner: „Es war eine tolle Zeit“) sowie in den USA und Spanien studierte, behält seinen Lehrstuhl für Strategisches Management, Familienunternehmen und Unternehmertum, auch wenn die Aufgaben als Rektor Zeit kosten werden. Darin wird deutlich, warum Stubner das Pinkwart-Erbe angetreten hat. Denn sein Vorgänger beschäftigte sich neben dem Innovationsmanagement ebenfalls stark mit dem Unternehmertum.

Und dieser unternehmerische Ansatz, über den auch Manager und Führungskräfte ausgebildet werden, „soll noch stärker fokussiert werden“, kündigte der neue HHL-Primus an. Leider wird nach Einschätzung des Wirtschaftsexperten – er promovierte 2004 mit einer Arbeit über Wagniskapital und strategisches Management an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – das Unternehmertum in Deutschland in weiten Teilen der Bevölkerung nicht positiv wahrgenommen. Da gibt es Schadenfreude, wenn ein Firmengründer scheitert; wer erfolgreich ist, muss mit Neid rechnen. Negative Nachwirkungen hat auch der Turbo-Kapitalismus der 1980er- und 1990er-Jahre hinterlassen, eine Zeit, in der das Gewinnstreben überbetont wurde. Und so manche Nachwuchsführungskraft zieht den gut dotierten Job in einem Großkonzern dem risikobehafteten Sprung in die Selbstständigkeit vor.

Die HHL will also den Weg weiter beschreiten, Mut für die Gründung oder die Übernahme eines Betriebes zu machen. Dazu werden die Studenten immer wieder mit Unternehmern zusammengeführt, die künftigen Führungskräfte bekommen das betriebswirtschaftliche Handwerkszeug. Wer eine gute Idee hat, kann mit HHL-Hilfe eine Firma gründen. Nützlich ist auch das umfassende Netzwerk von Ehemaligen. Die Hochschule hat mit ihrem Start-up-Zentrum Spin-Lab wichtige Akzente für die Gründerszene gesetzt. Es werde auch vermittelt, dass Scheitern zwar nicht schön, „aber auch kein Weltuntergang“ sei, betonte Stubner. Zudem sei „auch der Mittelstand etwas Tolles“. Es gehe also nicht immer nur um große Konzerne.

Die Voraussetzungen für Gründungen sind in der Region Leipzig nach Einschätzung des Professors ausgesprochen gut. Hier gibt es mit dem Spin-Lab und dem Basislager das, was Stubner als „Öko-System“ bezeichnet. Also ein starkes Netzwerk. Berlin, die derzeitige bundesrepublikanische Gründermetropole, verliere an Attraktivität. Die Mieten dort sind hoch, die Talente, die in den Start-up-Firmen arbeiten, können relativ problemlos den Job wechseln, was wiederum die Gehälter nach oben treibt. Leipzig wiederum hat den Vorteil, dass viele junge Menschen hier bleiben wollen. Weshalb Online-Unternehmen wie Check24 oder Trivago hier Dependancen aufmachen müssen, um sich diese Fachkräfte zu sichern.

Stubner, der vor seiner akademischen Karriere als Berater für die Boston Consulting Group arbeitete, kann auch eigene Firmengründer-Expertisen aufweisen. So war er mit in einem HHL-Team, das 1999 die Online-Produktvergleichsfirma Ciao ins Leben rief. Das Unternehmen hatte einen guten Start, bald 180 Mitarbeiter und bereitete den Börsengang vor. Der fiel ins Wasser, als im März 2001 im Zuge der Internet-Blase der Neue Markt an der Frankfurter Börse zusammenbrach. Stubner stieg aus, Ciao wurde an Microsoft veräußert.

An den Aktienmarkt ging dagegen die Trivago. Stubner gehörte zu den Firmengründern des Hotelvergleichsportals. Sein freiwilliger Ausstieg „tat weh, aber wir sind im Guten auseinandergegangen“. Heute „investieren wir gemeinsam in junge Unternehmen“. Generell sei es für Start-ups derzeit in der Bundesrepublik nicht schwierig, die Finanzierung hinzubekommen. Der Markt sei überhitzt, auch, weil es angesichts der Niedrigzinspolitik nicht allzu viele rentable Anlagemöglichkeiten gibt. Schwieriger wird es nach seinen Beobachtungen allerdings in der ersten Wachstumsphase. Da hat die HHL mit ihrem neuen Rektor also noch wichtige Aufgaben zu lösen.

Von Ulrich Milde und Ulrich Langer

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