Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Regional Porsche schafft im Leipziger Werk 200 neue Jobs
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Porsche schafft im Leipziger Werk 200 neue Jobs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 08.01.2017
Porsche-Produktionsvorstand Albrecht Reimold (links) und der Leipziger Werksleiter Siegfried Bülow.  Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

 Das Leipziger Porsche-Werk mit seinen derzeit 4100 Beschäftigten wächst weiter. Noch in diesem Jahr sollen 200 Stellen hinzukommen. Im Interview erklären Werksleiter Siegfried Bülow (64) und Produktionsvorstand Albrecht Reimold (55), wie es am Standort weitergehen soll.

Wie war für Porsche das Jahr 2016?

Albrecht Reimold: Geprägt hat das Jahr vor allem unser neuer Panamera, der jetzt in Sachen Produktion ein waschechter Sachse ist. Daneben haben wir in Zuffenhausen die Eröffnung des neuen Motorenwerks für die V8-Aggregate oder den Anlauf des 718 Cayman gefeiert. Wenn wir auf die Zahlen blicken, sind wir sehr gut unterwegs: Bis Ende September haben wir mehr als 178 000 Fahrzeuge ausgeliefert. Dies bedeutet einen Zuwachs von drei Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2015. Nicht nur deswegen fällt meine Bilanz in meinem ersten Porsche-Jahr positiv aus.

Siegfried Bülow: In Leipzig haben wir mit dem neuen Panamera noch einen Gang höher geschaltet. Wir haben 600 neue Mitarbeiter eingestellt und die vierte Werkserweiterung abgeschlossen, für die wir noch einmal rund 500 Millionen Euro investiert haben. Seit der Werkseröffnung 2002 haben wir damit 1,3 Milliarden Euro in den Standort investiert. Und die Mannschaft hat hier wirklich einen tollen Job gemacht und alle Ziele erreicht. Der Anlauf des neuen Panamera war ein hartes Stück Arbeit.

Warum?

Bülow: Es handelt sich um ein komplett neues Fahrzeug, das aus Produktionssicht viele Besonderheiten aufweist. So ist etwa die Außenhaut des neuen Panamera komplett aus Aluminum. Das verlangt eine sehr anspruchsvolle Art der Fertigung und selbstverständlich auch eine hohe Fachkompetenz der Mitarbeiter. Aus diesem Grund haben wir uns viel Zeit genommen, um die neuen Kollegen zu qualifizieren. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, ich bin stolz auf unser Team.

Reimold: Qualifizierung ist eines unserer Schwerpunktthemen. Die Automobilindustrie steht vor einem grundlegenden Wandel hin zur Elektromobilitat und zur Digitalisierung. Mit dem ersten rein elektrisch betriebenen Porsche, dem Mission E, stellen wir uns dieser Herausforderung und haben in diesem Jahr bereits die ersten Meilensteine gesetzt, um das Fahrzeug Ende des Jahrzehnts an unserem Stammwerk in Stuttgart zu fertigen.

Wie wird die Digitalisierung die Autoindustrie verändern?

Reimold: Ohne Details verraten zu wollen: Wir haben eine klare Vorstellung, wo wir hinwollen. Was die Produktion be-trifft, so hat Porsche schon sehr frühzeitig damit angefangen, auf die Digitalisierung zu setzen. Jetzt kommen neue Technologien hinzu, die weitere Dinge möglich machen. Die Porsche-Produktion 4.0 ist für uns aber keine Revolution, sondern eine Evolution unseres bestehenden Fertigungssystems

Bülow: Die digitale Fabrik ist für uns nicht neu. Von Beginn an haben wir dieses Porsche-Werk nach digitalen Standards errichtet. IT-Netzwerke steuern die Fabrik und den Fertigungslauf. Einfach zusammengefasst: Unsere Anlagen und Fahrzeuge „sprechen“ miteinander. Selbstverständlich arbeiten wir stetig an Innovationen und an der Frage, wie wir noch besser und effizienter Autos herstellen können. Dafür kooperieren wir auch intensiv mit den hiesigen Hochschulen, um neue Ideen auf diesem Gebiet zu entwickeln.

Wird der Beschäftigte überflüssig?

Reimold: Keinesfalls. Wir sind uns absolut sicher, dass wir weiterhin hoch qualifizierte Mitarbeiter brauchen. Unser Ziel ist es, mit den Technologien noch effizienter zu werden. Die menschenleere Fabrik wird es nicht geben.

Bülow: Die Menschen sind das Wichtigste. Wir haben in Leipzig jetzt 4100 Mitarbeiter, gestartet sind wir mit 270. Neue Mitarbeiter zu finden und zu qualifizieren – das ist die größte Herausforderung. Wenn uns das nicht gelingt, können Sie digitalisieren wie sie wollen. Am Ende machen es immer die Menschen.

Spüren Sie schon Fachkräftemangel?

Bülow: Wir haben uns als attraktiver Arbeitgeber einen Namen gemacht. Dieses Image reicht weit über die Grenzen Sachsens hinaus. Daher spüren wir den Fachkräftemangel nur bedingt. Schwierig wird es bei der Suche nach hoch spezialisierten Fachkräften, wie Karosseriebauer mit Erfahrungen im Leichtbau.

Reimold: Soziale Akzeptanz ist uns sehr wichtig. Zudem möchten wir die Technikfreundlichkeit wieder in der Gesellschaft etablieren, unter anderem mit unserem Engagement in Schulen und Hochschulen. Das verbessert das Image und macht uns als Arbeitgeber noch attraktiver.

Der neue Panamera läuft gerade hoch?

Bülow: Richtig. Schritt für Schritt steigern wir die Tagesstückzahl. Im Frühjahr wird die Panamera-Modellpalette um eine Langversion und den Panamera Sport Turismo erweitert. Künftig planen wir mit einer werktäglichen Stückzahl von 250 Einheiten.

Wann werden Sie diese Zahl erreichen?

Bülow: Das dauert bis Ende 2017.

Das gemessen an den Absatzzahlen erfolgreichste Auto ist der Leipziger Macan.

Reimold: Er ist ein echtes Erfolgsmodell. Und auch beim Panamera haben wir sehr positive Auftragseingänge.

Bülow: Weltweit kommt der Macan sehr gut an. Um den großen Bedarf der Kunden zu decken, haben wir ihn 2016 in 16 Schichten pro Woche gefertigt. Das werden wir auch in diesem Jahr beibehalten. Zudem könnten wir mit schnelleren Taktzeiten und mehr Mitarbeitern auf eine gesteigerte Nachfrage unserer Fahrzeuge reagieren.

Wie viele neue Jobs schaffen Sie?

Bülow: Das Werk wird nicht mehr so rasant wachsen wie in den vergangen fünf Jahren. Dennoch sind wir immer auf der Suche nach kompetenten Mitarbeitern. In diesem Jahr fahren wir den neuen Karosseriebau schrittweise auf drei Schichten pro Tag hoch und benötigen nochmal rund 200 Mitarbeiter. Wir haben dann eine Automobilfabrik aufgebaut, die jährlich rund 150 000 Autos produzieren kann. Das ist eine sehr gute Bilanz. Nach dem großen Wachstum kommt jetzt die Phase der Konsolidierung.

Wann wandert die Cayenne-Produktion von Leipzig nach Bratislava ab?

Bülow: Mit der dritten Modellgeneration, die Ende 2017 auf den Markt kommt, wird der Cayenne komplett in Bratislava gefertigt. Das ändert an der Mitarbeiterzahl in Leipzig aber nichts. Wir haben gerade eine Standortsicherung vereinbart, welche die Arbeitsplätze bis 2021 garantiert.

Was steht an Investitionen an?

Bülow: Unser Kundenzentrum wurde 2016 erweitert, im Frühjahr 2017 nehmen wir die neue Lehrwerkstatt in Betrieb. Langsam rundet sich das Bild hier ab. Zusätzlich investieren wir in die ständige Verbesserung unserer technischen Anlagen. Schließlich wollen wir auch zukünftig eine der modernsten Fabrik der Welt sein.

Reimold: Porsche denkt seit jeher strategisch und macht sich permanent Gedanken über die Weiterentwicklung der Werksstruktur. Leipzig hat tolle Voraussetzungen, leidet etwa nicht unter Flächennot. Wir überlegen beispielsweise, was in der Prozesskette noch fehlt, um die

Produktion effizienter zu gestalten. Insofern sehe ich für Leipzig noch erhebliches Potenzial.

Bülow: Es ist ja bekannt, dass ich mir ein Presswerk wünsche, um die Prozesskette zu vervollständigen. Ich bleibe optimistisch.

Reimold: Man muss nicht Teile durch die Gegend fahren, wenn es anders geht, schließlich achten wir auch ganz besonderes auf eine nachhaltige Produktion. Und um es ganz klar auf den Punkt zu bringen: Die Entscheidung von Porsche für diesen Standort war ein genialer Schachzug. Unser Wachstum hätte sonst nicht so stattfinden können.

Herr Bülow tritt 2017 in den Ruhestand. Wer wird sein Nachfolger?

Reimold: Solch einen kompetenten Mann wie Siegfried Bülow gibt man nicht gerne ab. Er hat diesen Standort auf der grünen Wiese aufgebaut und zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor des gesamten Porsche-Konzerns gemacht. Siegfried Bülow wird 65 Jahre alt und übergibt den Staffelstab Mitte des Jahres an seinen Nachfolger. Wer das sein wird, geben wir in den kommenden Wochen bekannt.

Wie sieht es mit dem sozialen Engagement des Werks aus?

Bülow: Wir sind mehr als ein Automobilwerk. Wir sind ein Teil der Stadt und wollen als guter Nachbar wahrgenommen werden. Aus diesem Grund engagieren wir uns mit vielen Projekten für die Leipziger – ob als Partner des Gewandhauses oder in der Stiftung „Leipzig hilft Kindern“, ob als Unterstützer des Paulinum oder mit der Ausbildungsinitiative Garage in Plagwitz. Wir wollen etwas zurückgeben an die Stadt und ihre Menschen.

Reimold: Es gehört zu einem guten Industrieunternehmen, sich gesellschaftlich und nachhaltig einzubringen. Wir sind sportlich unterwegs, vor allem in der Jugendarbeit. 2017 stellen wir uns vollständig auf regenerative Energien um, auch wenn das etwas teurer ist. Aber das ist uns wichtig.

Von Ulrich Milde

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Trotz eines neuen Werkes lief bei Mifa nicht alles rund. Auch mit viel Geld hat eine Unternehmerfamilie es nicht richten können. Nun sind Sanierungsexperten dran.

05.01.2017

Abgebrochene Rotorblätter, umgestürzte Windräder. Nach vier Havarien in vier Wochen wird die Frage laut, wie sicher solche Anlagen sind. Jetzt werden die Bauteile genau unter die Lupe genommen.

05.01.2017

Paukenschlag zu Jahresbeginn. Der Fahrradhersteller Mifa beantragt erneut Insolvenz. Die Firma gilt als der letzte große Arbeitgeber im Südharz, einer Region mit der wohl höchsten Arbeitslosigkeit in Deutschland.

04.01.2017