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Wirtschaft Regional Prognose: Im Osten steigt die Beschäftigung stärker als im Westen
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Prognose: Im Osten steigt die Beschäftigung stärker als im Westen
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00:17 09.10.2016
Gute Aussichten für die Arbeitsagenturen: Die Zahl der Erwerbslosen soll sinken. Quelle: Andreas Döring
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Chemnitz

Klaus Schuberth hat Sachsen zwar wieder verlassen. Er ist seit Monatsbeginn in der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit Geschäftsführer für Controlling, Finanzen, Statistik und Einkauf. Der 57-Jährige dürfte sich jetzt bestätigt fühlen. „Durch die Zuwanderung von Flüchtlingen sind keine sächsischen Arbeitsplätze in Gefahr“, hatte er in seiner zweijährigen Amtszeit als Chef der Arbeitsagenturen im Freistaat stets betont. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gibt Schuberth recht. Denn die Experten prognostizieren, dass im nächsten Jahr die Arbeitslosigkeit weiter sinken und die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen zunehmen wird.

Sachsen und Thüringen knapp unter Ost-Durchschnitt

So rechnen die IAB-Forscher bundesweit mit einer Reduzierung der Arbeitslosigkeit um 2,7 Prozent auf 2,6 Millionen Menschen. „In Ostdeutschland fällt der Rückgang mit 4,1 Prozent deutlich stärker aus als in den alten Bundesländern mit 2,2 Prozent“, heißt es. Den besten Wert weist hier Sachsen-Anhalt mit einem Minus von 5,2 Prozent auf. In Brandenburg geht die Arbeitslosigkeit um 4,7 Prozent zurück. Sachsen (minus 3,8 Prozent) und Thüringen (minus 3,5 Prozent) liegen knapp unter dem Ost-Durchschnitt. In Mecklenburg-Vorpommern wird ein Rückgang um 3,7 Prozent erwartet, in Berlin um ebenfalls 3,7 Prozent.

Im Westen der Republik weist Nordrhein-Westfalen mit minus 3,0 Prozent die größte Reduzierung auf. Mit Werten von leicht unter Null wird für Schleswig-Holstein (minus 0,1 Prozent) und Baden-Württemberg (minus 0,5 Prozent) eine Stagnation vorhergesagt. Nicht analysiert wurde für Ost wie West, inwieweit die sinkende Erwerbslosigkeit etwa durch Wegzüge und den Abgang in die Rente verursacht ist.

Berlin Spitzenreiter beim Jobzuwachs

Die zweite aussagekräftige Seite der Arbeitsmarkt-Medaille ist die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Auch hier schneiden die neuen Länder besser ab als die alten. Die zur Arbeitsagentur gehörende Nürnberger Denkfabrik IAB prognostiziert für 2017 bundesweit einen weiterhin kräftigen Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung um 1,6 Prozent ausgegangen. In einer ersten regionalen Differenzierung zeige sich, dass das Wachstum im Osten mit 1,8 Prozent etwas höher als im Westen (1,6 Prozent) ausfallen dürfte.

Deutlicher Spitzenreiter ist hierbei laut IAB Berlin mit einem jahresdurchschnittlichen Zuwachs von .auf etwa 1,4 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Ein Vergleich mit den übrigen Bundesländern zeige zudem, dass das Jobwachstum in Ostdeutschland maßgeblich auf Berlin zurückzuführen sei. Die Zunahme im vergleichbar beschäftigungsstarken Sachsen liege mit Plus 1,7 Prozent leicht unter dem ostdeutschen Durchschnitt. Mit 1,1 Prozent und 1,2 Prozent befinden sich Sachsen-Anhalt und Thüringen, auch im gesamtdeutschen Vergleich, am unteren Ende der Wachstumsverteilung.

Stadtstaaten hängen West-Flächenländer ab

In Westdeutschland stechen besonders die beiden Stadtstaaten Bremen (plus 2,2 Prozent) und Hamburg (plus 2,1 Prozent) hervor. Auch für die größeren Länder Bayern und Baden-Württemberg werden mit 1,9 Prozent und 1,8 Prozent überdurchschnittliche Zuwächse vorhergesagt. Demgegenüber stehen mit jeweils 1,3 Prozent deutlich schwächere Entwicklungen in den beschäftigungsstarken Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Das schwächste Wachstum wird für das Saarland mit einem Anstieg um lediglich 0,8 Prozent erwartet. „Die Beschäftigungsentwicklung bleibt somit nach wie vor stabil“, kommentieren die Arbeitsmarktforscher.

Von Ulrich Milde

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