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Wirtschaft Regional Rechercheverband: Unister bereits seit 2015 praktisch zahlungsunfähig
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Rechercheverband: Unister bereits seit 2015 praktisch zahlungsunfähig
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22:51 05.10.2016
Firmenschild von Unister (Archivbild) Quelle: André Kempner
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Teile des Mitte 2016 pleite gegangenen Leipziger Internet-Konzerns Unister waren offenbar schon 2015 zahlungsunfähig. Wie der MDR nach Informationen des Rechercheverbandes von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR berichtet, geht dies aus einem Gutachten hervor, das Insolvenzverwalter Lucas Flöther kürzlich beim Amtsgericht Leipzig eingereicht hat. In dem Gutachten schreibt Flöther, es sei „nicht auszuschließen, dass einzelne Gesellschaften des Unister-Konzerns bereits seit dem Jahr 2015 zahlungsunfähig sind“. Auf den Konten der verschiedenen Firmen fand der Anwalt demnach ein Guthaben von lediglich 3904.13 Euro – eine reichloch geringe Summe für ein Unternehmen mit Millionen Kunden und über tausend Mitarbeitern.

Gegen den vormaligen Unister-Chef Thomas Wagner, der Mitte Juli bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien ums Leben kam, „könnten gegebenenfalls Ansprüche wegen verspäteter Insolvenz-Antragstellung bestanden haben. Herr Wagner ist jedoch im Juli 2016 verstorben“, heißt es im Insolvenzbericht. Und weiter: „Bereits im September 2015 sei aus der Sicht einer Reihe damaliger Führungskräfte „eine Finanzierung des operativen Geschäftsbetriebs nicht mehr möglich“ gewesen.

Der Schuldenstand des Konzerns beträgt laut Insolvenz-Gutachten derzeit knapp 58 Millionen Euro. Das Vermögen betrage nicht einmal 14 Millionen Euro. Daraus ergebe sich eine Überschuldung in Höhe von 44 Millionen Euro. Aus Sicht von Flöther hat eine „Verkettung mehrerer größtenteils vom Unternehmen selbst verursachter Umstände“ in die Pleite geführt. Als wesentlichen Auslöser sieht der Insolvenzverwalter eine mit Fremdkapital finanzierte „progressive Wachstumspolitik“, so der Medienbericht. Dazu gehöre eine ständige Ausweitung der Geschäfte auch mit der Übernahme weiterer Firmen wie etwa Indigo Reisen.

Die Unister-Holding hatte ihren Tochterfirmen zuletzt mehr als 25 Darlehen in Höhe von insgesamt mehr als 82 Millionen Euro gewährt. Außerdem leistete Unister für die Töchter interne, bislang nicht bezahlte Dienste im Wert von knapp 55 Millionen Euro.

LVZ

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