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23:36 08.01.2010
Außenansicht des Leipziger Werkes vom Motorengießer Halberg Guss. Ein LKW fährt auf das Betriebsgelände durch die Einfahrt an der Merseburger Straße. Quelle: Christian Nitsche
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Leipzig

Dazu gehört auch ein Personalabbau. Der Standort in Leipzig ist davon aber bislang kaum betroffen. "Halberg ist auf einem guten Weg", teilten sie auf Anfrage der Leipziger Volkszeitung mit.

Für Halberg Guss seien mehrere Angebote eingegangen, sagte Rechtsanwalt Franz J. Abel, einer der beiden Insolvenzverwalter. "Wir sind zuversichtlich, dass die Hallberg-Guss-Gruppe bis zum 1. April 2010 an einen Investor verkauft werden kann." Die Anfragen stammten von industriellen Investoren - Finanzinvestoren seien nicht darunter - und bezögen sich auf das Unternehmen als Ganzes, sagte Rechtsanwalt Michael Blank, der andere Insolvenzverwalter. Weitere Angaben machten die beiden Juristen aus dem Saarland dazu nicht. Die Gespräche mit möglichen Investoren liefen noch.

Halberg Guss hatte im Juni 2009 Insolvenz beantragt. Ursache sei ein Auftragseinbruch durch die Weltwirtschaftskrise gewesen, sagte Abel. Zwar seien Kunden nicht abgesprungen, auch nicht nach Beginn des Insolvenzverfahrens. Aber sie bestellten weniger, früheren Angaben zufolge im vergangenen Jahr 30 bis 50 Prozent weniger als 2008. Für das Werk in Leipzig sei deshalb bis Ende Mai noch für etwa zehn Prozent der Belegschaft Kurzarbeit angemeldet, sagte Betriebsratsvorsitzender Thomas Jürs. Der Automobilzulieferer produziert unter anderem Zylinderkurbelgehäuse, Zylinderköpfe und Kurbelwellen für Fahrzeugmotoren.

Unter der Wirtschaftskrise leidet die gesamte Metall- und Elektrobranche. Nach Angaben des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall gingen bei den Unternehmen im November rund 34 Prozent weniger Aufträge ein als vor der Wirtschaftskrise Anfang 2008. Die Produktionsmenge lag noch 29 Prozent zurück. Zwischenzeitlich waren beide Werte um 50 Prozent eingebrochen. Die Zahl der Beschäftigten sank dagegen nur um rund fünf Prozent.

Vor der Insolvenz beschäftigte Halberg Guss am Stammsitz in Saarbrücken und in Leipzig etwa 1850 Mitarbeiter. Bis Ende März wollen Abel und Blank die Zahl auf circa 1600 drücken. Dafür ist mit den Betriebsräten ein Sozialplan ausgehandelt worden. Danach wurde Mitarbeitern das Angebot gemacht, in eine Transfergesellschaft zu wechseln. Maximal neun Monate lang erhalten sie 82 Prozent ihres letzten Nettolohnes. Sie nehmen an Weiterbildungen teil, ein neuer Arbeitgeber wird für sie gesucht. Bis Ende 2009 hätten etwa 80 Mitarbeiter in Saarbrücken das Angebot angenommen, sagte Blank. 40 folgten in den nächsten Wochen. Gegen eine Abfindung hätten weitere Mitarbeiter das Unternehmen freiwillig verlassen. In Leipzig waren es nach Angaben des Betriebsrates etwa 20. Sie seien mit 63 oder 64 Jahren in Rente gegangen.

Kündigungen gab es nach Angaben der Insolvenzverwalter und des Betriebsrates dagegen nicht. Im Gegenteil. Befristete Verträge seien in Leipzig Ende des Jahres noch einmal für sechs Monate verlängert, einige Kollegen sogar unbefristet übernommen worden. Das Leipziger Werk sei jünger als das in Saarbrücken, der Grad der Automatisierung daher höher, sodass die Zahl der Mitarbeiter von Anfang an geringer als am Stammsitz gewesen sei, erklärte Blank. Am Standort arbeiteten deshalb nach wie vor um die 520 Menschen, etwa zehn weniger als Mitte 2009. "Die Stimmung ist relativ gut", sagte Jürs. Der angestrebte Verkauf erschrecke die Beschäftigten nicht. "Wir als Betriebsrat werden ein Auge darauf haben, dass für die Belegschaft dadurch keine Nachteile entstehen."

In Saarbrücken müssen die Mitarbeiter aber bald mit Einschnitten rechnen. Mit der IG Metall werde ein Sanierungstarifvertrag ausgehandelt, sagte Blank. Die außertariflichen Zulagen sollen gekürzt werden. Das Unternehmen müsse die Kosten weiter senken. Zwar seien die Ausgaben schon deutlich niedriger als vor der Insolvenz. Zum Beispiel würden Energie und Rohstoffe billiger eingekauft als vor einigen Monaten. ­Weitere Anstrengungen seien aber ­nötig. Für Leipzig gelte der Tarifvertrag dagegen nicht. Die Mitarbeiter müssten keine Einschnitte befürchten, sagte Jürs. Die Löhne in Sachsen seien niedriger als im Saarland, erläuterte Blank. Angaben zu Umsatz und Gewinn oder Verlust von Halberg Guss im vergangenen Jahr machten die Insolvenzverwalter nicht.

Markus Werning

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