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"Rollensprünge" treiben Wasserkosten in Leipzig in die Höhe

"Rollensprünge" treiben Wasserkosten in Leipzig in die Höhe

In Deutschland macht Wasserversorgern ein neues Problem zu schaffen: Messeinsätze eines Herstellers aus den Jahren 2010 und 2011 sind offenbar fehlerhaft und führen in Wasserzählern manchmal zu sogenannten Rollensprüngen, durch die ein viel zu hoher Wasserverbrauch angezeigt wird.

Leipzig. Auch in Leipzig gibt es solche Zähler.

Die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) bestätigten das gestern auf LVZ-Anfrage. Die Wasserwerke Arnsberg (NRW) lassen auf eigene Kosten 350 Zähler austauschen. Dort gibt es Fälle mit unerklärlich hohen Trinkwasserverbräuchen und außerdem eine Beanstandung vom Eichamt Dortmund.

Scheinbar unerklärliche Vorgänge wie in Arnsberg sind auch in Leipzig bekannt geworden. Zum Beispiel im Zehn-Familienhaus Magdalenenstraße 3: Dort war der Wasserverbrauch jahrelang mit durchschnittlich 300 Kubikmetern im Jahr ziemlich konstant. Dies galt auch noch für die Verbräuche von Januar bis Ende März 2011. Doch als die Wasserwerke Leipzig am 31. März 2011 im Haus den Wasserzähler tauschten, stieg der Verbrauch aus ungeklärten Gründen bis Jahresende auf 1198 Kubikmeter an. Dies entspreche einen Mehrverbrauch von 867 Kubikmetern gegenüber dem Vorjahr, reklamierte die zuständige Hausverwaltung bei den KWL. "Dieser Anstieg ist völlig unplausibel und verbrauchsmäßig nicht nachvollziebar", heißt es in diesem Schreiben. Dies gelte um so mehr, da auch der Ablesedienst an den einzelnen Unterzählern im Haus nur eine Menge von insgesamt 286 Kubikmeter ermittelt habe. Ein unbemerktes Abfließen innerhalb des Gebäudes sei ebenso ausgeschlossen, da dies zu massiven Bauschäden geführt hätte.

Die Stadtwerke Arnsberg haben jetzt an Wasserzählern eines speziellen Herstellers Auffälligkeiten am Zählwerk beziehungsweise an den Rollen festgestellt, die es in den Messwerken der Zähler gibt. "Solche Wasseruhren bestehen aus Messwerk und Zählwerk, auf das die Rotation der Flügel übertragen wird", erläutert der Leipziger Sachverständige Georg Hofmann. "Manchmal kann sich eine dieser Rollen unbeabsichtigt drehen, was als Rollensprung bezeichnet wird. Vor allem wenn das Spiel unter diesen Rollen zu groß ist, können sie springen. Dann kann zum Beispiel beim Drehen der Hunderter-Rolle die Tausender-Rolle einfach mitgezogen werden. Vor allem bei starken Erschütterungen." Und die könnten schon auftreten, wenn direkt an der Hausmauer gebaut wird, an der die Wasseruhr angebracht ist. "Wenn solche Zähler amtlich untersucht werden, wird die äußere und innere Beschaffenheit, wie etwa die Plombe und das Zählwerk, visuell geprüft, aber das Rollenzählwerk wird nicht vermessen", sagt der Diplom-Ingenieur. Dadurch seien Rollensprünge bislang oft unentdeckt geblieben.

Bei den Wasserwerken Leipzig heißt es, von den 77500 vorhandenen Zählern würden jährlich 70 bis 90 untersucht, weil sie stark abweichende Verbräuche anzeigen. "Wenn Zähler diese Überprüfung nicht bestehen, wird eine Korrekturabrechnung durch die Wasserwerke vorgenommen", sagt Sprecher Marc Backhaus. Da die KWL "keine hinreichenden Indizien auf fehlerhafte Herstellerserien haben", sei kein großflächiger Austausch von Apparaturen vorgenommen worden und auch nicht geplant.

Das Thema Rollensprung ist damit aber für die KWL nicht erledigt. Denn im Gegensatz zum Fall Magdalenenstraße 3 - wo sich die Parteien außergerichtlich einigten - zeichnet sich jetzt im Leipziger Lilienweg eine Konfrontation ab. Dort wurden in einem Einfamilienhaus 300 Kubikmeter mehr als im Durchschnitt der letzten Jahre verbraucht. Als der Eigentümer den Mehrverbrauch nicht zahlen wollte, wurde ihm mit einer Wassersperre gedroht - jetzt versucht er, das damals überwiesene Geld mit einer Klage im Amtsgericht Leipzig zurückzuholen. Auch er macht Rollensprünge geltend. "Es gibt weitere Verdachtsfälle, in denen Klagen kommen könnten", weiß Hofmann. Für ihn ist auch merkwürdig, dass die KWL keine Hinweise auf fehlerhafte Rollenzählwerke haben. "Der Hersteller hat meines Wissens alle Kunden darüber informiert, dass in den Jahren 2010 und 2011 Produktionsfehler auftraten", sagt er.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.03.2015

Andreas Tappert

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