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18:15 16.10.2018
Noch steht Aldi an der Filiale. Ende des Jahres soll hier aber der erste„TS-Markt“ eröffnen Quelle: Frank Johannsen
Leipzig

Der russische Discounter Torgservis will von Leipzig aus die deutsche Lebensmittelbranche aufmischen und Aldi und Lidl auf dem Heimatmarkt angreifen. Der erste Laden soll noch in diesem Jahr ganz im Norden der Messestadt eröffnen – in einem geschlossenen Aldi-Markt im Einkaufszentrum „Treff Portitz“ kurz vor der Stadtgrenze.

Zu sehen ist dort noch nichts. In dem seit über einem Jahr verwaisten Laden herrscht gähnende Leere, Bauarbeiter sind weit und breit nicht in Sich. Im Schaufenster hängt noch ein Schild des Vormieters Aldi: „Wir schließen zum 30.09.2017!“ Dass hier bald ein neuer Discounter aus Russland einzieht, hat auch von den künftigen Nachbarn noch niemand gehört. „Das wäre aber nicht schlecht“, sagt einer der Ladenbesitzer.

Besenrein und komplett leer zeigt sich der künftige „TS-Markt". Quelle: Frank Johannsen

Suche nach Filialleiter läuft bereits

Noch in diesem Jahr soll hier nach LVZ-Informationen die bundesweit erste Filiale der neuen Discounter-Kette „TS-Markt“ eröffnen. Seit Montag sucht das Unternehmen auf seiner Homepage nach einem Filialleiter in Leipzig. Bis zu zehn Mitarbeiter soll der Standort laut Stellenausschreibung haben. Wo genau dieser Leipzig eröffnet, wird nicht verraten

Nach LVZ-Information handelt es sich aber um eben jenen Laden im Portitzer Einkaufszentrum. Schon im August wurde hierfür eine eigene Tochterfirma in Leipzig gegründet, die TS Markt 101 GmbH. Dem Vernehmen nach soll der Supermarkt schon zum Jahresende eröffnen. Das Unternehmen selbst ließ eine Anfrage der LVZ zum Thema unbeantwortet.

Von Leipzig aus wollen die Russen dann unter dem Namen „TS Markt“ in ganz Ostdeutschland die etablierten Discounter angreifen – und setzen dabei konsequent auf billig. „Jeden Tag nur Tiefstpreise“ und „gute Waren für wenig Geld“, verspricht das Unternehmen auf seiner Homepage im Internet.

Mehr als 100 Standorte geplant

Mehr als 100 Standorte sollen es werden – allesamt in Ostdeutschland . „Zum Ausbau unseres Filialnetzes suchen wir geeignete Standorte in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Berlin“, heißt es auf der Homepage. Leipzig ist dabei offenbar die einzige Stadt, wo die Firma schon fündig wurde. Stellenausschreibungen für andere Standorte gibt es auf der Homepage noch nicht.

Gesucht wird nur in den größeren Städten ab 80.000 Einwohner. In Sachsen kommen damit neben Leipzig nur Dresden, Chemnitz und Zwickau in Betracht, in Thüringen Erfurt, Gera und Jena, in Sachsen-Anhalt Halle, Magdeburg und Dessau. Hinzu kämen in den anderen östlichen Bundesländern Potsdam, Cottbus, Rostock, Schwerin – und natürlich Berlin, wo die neugegründete TS Markt GmbH ihre Zentrale hat.

Verkauf direkt von der Palette

In Russland ist Torgservis mit diesem radikalen Billig-Konzept längst erfolgreich: Die Läden sehen aus wie einst die ersten Discounter in den neuen Ländern kurz nach der Wende. Verkauft wird direkt von der Palette und aus dem Karton. Regale gibt es nicht. Im Sortiment sind fast nur billige Eigenmarken. Rund 600 Läden der Ketten „Svetofor“ (Ampel) und „Mayak“ (Leuchtturm) gibt es.

Wiederholen ließe sich das in Deutschland wohl nur mit Billigimporten aus Russland, glaubt Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Damit ließen sich auch gezielt russischstämmige Kunden anlocken. „Dass man in diesem Segment mit einem preisaggresiven, zentral gesteuerten Konzept vorstoßen kann, das kann ich mir gut vorstellen“, sagte er dem MDR.

In Leipzig-Portitz wäre die Kette zumindest mehr also willkommen. Denn der neue Billig-Discounter könnte auch mehr Kunden in die Geschäfte nebenan wie Kik, Tedi und Thomas Philipps Sonderposten locken. „Viel gemerkt haben wir davon zwar nicht, dass Aldi weg ist“, sagte einer der Ladenbesitzer. „Aber die Leute fragen immer, ob da nicht mal wieder was reinkommt.“ Und einen Lebensmittelladen gibt es in dem kleinen Einkaufszentrum seit dem Aldi-Auszug vor gut einem Jahr nicht mehr.

Von Frank Johannsen

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