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Sachsenring macht als Autozulieferer dicht – und soll zur Fahrradmarke werden

DDR-Kultauto Sachsenring macht als Autozulieferer dicht – und soll zur Fahrradmarke werden

Der Name ist untrennbar mit dem DDR-Kultauto Trabant verbunden: Sachsenring. Doch jetzt stellt der letzte Nachfolgebetrieb des Zwickauer Herstellers, der noch Autoteile baute, die Produktion ein. Der Traditionsname könnte aber bald zurückehren – als Fahrradmarke.

Seit 1991 Geschichte: Die Trabant-Produktion bei Sachsenring (hier ein Bild von 1970).

Quelle: DNN

Zwickau/Sangerhausen. Fahrräder statt Rennpappen? So könnte die Zukunft des einstigen Trabant-Herstellers Sachsenring aussehen. Denn 26 Jahre nach dem Ende der Trabi-Produktion stellt in Zwickau nun auch der letzte Nachfolgebetrieb des einstigen VEB den Betrieb ein. Der Name Sachsenring könnte schon bald als Fahrradmarke wiederauferstehen – aber nicht in Zwickau, sondern im einstigen Mifa-Werk in Sangerhausen.

Mit dem einstigen VEB hatte die Sachsenring Karosseriemodule GmbH, wie die Firma seit 2014 heißt, nur noch wenig zu tun. 31 Mitarbeiter stellten zuletzt als Zulieferer für andere Autobauer Türen, Kofferraumklappen, Schweller und andere Karosserieteile her. Nicht für Neuwagen, sondern als Ersatzteile für ältere Modelle, die nicht mehr produziert werden. Der Trabant gehört aber nicht dazu, ergänzt Firmenchef Stefan Zubcic. „Trabi-Teile werden schon sehr lange nicht mehr bei Sachsenring hergestellt.“ Statt Duroplast kommt Stahl und Aluminium zum Einsatz.

Auch damit wird jetzt Schluss sein. „Wir fahren den Betrieb runter“, erklärt der 49-Jährige. „Wir werden voraussichtlich im Oktober den Geschäftsbetrieb aufgeben.“ Unter Umständen werde sich das auch noch in den November hineinziehen. Dann ist Sachsenring in Zwickau Geschichte.

Das Geschäft lief zuletzt nur noch schleppend, der Absatz ging immer weiter zurück. „Das ist nicht mehr kostendeckend“, stellt Zubcic fest. Und Besserung ist nicht in Sicht. „Da abzusehen ist, dass die Stückzahlen weiter runtergehen, bin ich gezwungen, den Betrieb zu schließen.“ Das sei besser, als am Ende selbst in die Insolvenz zu rutschen.

Fahrradbauer Mifa führt Namen Sachsenring fort

Der Name Sachenring soll aber nicht verschwinden, verspricht Zubcic. Das bekannte S-Logo, das früher auf jedem Trabi prangte, könnte in Zukunft Fahrräder aus Sangerhausen zieren. Dort hatte Zubcic erst im Juli den insolventen Fahrradbauer Mifa übernommen – und in Sachsenring Bike Manufaktur umbenannt.

Das gilt bisher aber nur für den Betrieb. Die Räder selbst sollen weiter die bekannten Namen wie Mifa, Steppenwolf, Grace und Vaun tragen. Inzwischen aber denkt Zubcic ernsthaft darüber nach, zusätzlich auch Sachsenring als weitere Fahrrad-Marke zu etablieren. „Die Überlegung gibt es“, so der Mann aus Franken. Gerade aus Ostdeutschland habe er den Wunsch nach Sachenring-Rädern vernommen.

Erst einmal muss Zubcic in Sangerhausen aber die Produktion wieder hochfahren. Im alten Mifa-Werk stehen seit Mitte September die Bänder still. „Aktuell haben wir Kurzarbeit. Wir werden aber nächste Woche die Produktion wieder hochfahren.“ Das ist für die 130 Mitarbeiter nichts Neues: Wegen des Saisongeschäfts gibt es bei Fahrradbauern im Herbst regelmäßig Kurzarbeit. „Wir bereiten uns jetzt auf das nächste Modelljahr vor“, erklärt Zubcic. „Wir sind mit Hochdruck dabei, den Vertrieb zu organisieren, aktivieren alte und auch neue Kontakte, um Aufträge an Land zu ziehen.“ Und er sei zuversichtlich, dass der Neustart gelingen werde.

31 Mitarbeiter von Karosseriebau-Schließung betroffen

Als Sanierer war Zubcic 2014 auch nach Zwickau gekommen – um die letzten Reste von Sachsenring aus der Insolvenz zu retten. Der einstige Trabi-Bauer war nach der Wende zum Autozulieferer umgebaut worden, 1997 ging das Unternehmen sogar an die Börse. Doch 2002 folgte die erste Insolvenz, 2013 dann die zweite.

Danach übernahm Zubcic den zum Karosseriebauer mit nur noch 26 Mitarbeitern geschrumpften Hersteller – einschließlich des traditionsreichen Firmennamens Sachsenring. Eine Zeit lang sei es dort auch sehr gut gelaufen, sagt Zubcic. Er investierte, stellte Leute ein. Dann kam die Flaute. „Ich bedauere das sehr.“ Zumal er ja als Sanierer angetreten war. „Aber manche Entwicklungen kann man nicht mehr aufhalten.“

Hart sei das für die Beschäftigten, weiß der Chef. „Ich hatte Mitarbeiter, die von Anfang an dabei waren und den ganzen Niedergang miterlebt haben. Das ist sehr traurig.“ Die Kündigungen sind bereits verschickt. Jeder bekomme aber eine Abfindung, mit dem Betriebsrat wurden Sozialplan und Interessenausgleich vereinbart. „Mir war wichtig, das alles blitzsauber abzuwickeln“, betont Zubcic.

Rückkehr als Autozulieferer nicht ausgeschlossen

Eigentlich hätte er die Mitarbeiter lieber gehalten. Er habe allen angeboten, zu einer seiner anderen Firmen in Brand-Erbisdorf, wo er im März die Saxo-Glaswerke übernommen hatte, Nürnberg oder Sangerhausen zu wechseln. „Leider haben das nur sehr wenige angenommen – was ich sehr bedauere. Ich hätte gern mehr von ihnen gehalten. Das waren alles gute Leute.“

Ganz abhaken will er auch das Thema Autobau nicht. „Ich bin ja eigentlich ein Auto-Mann.“ Und als Firmensanierer sei er immer auf der Suche nach neuen Firmen. „Ich schaue mich weiter um in Richtung Automobilzulieferer. Wenn sich da etwas Passendes ergibt, steige er gerne ein.“ Dann könnte auch der Name Sachsenring wiederkehren – womöglich sogar am alten Standort. Zubcic: „Ich habe Zwickau schätzen gelernt.“

Von Frank Johannsen

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