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Wirtschaft Regional Schock für Leipzig: Halberg Guss vor dem Aus
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17:10 07.06.2018
Produktion bei Halberg Guss in Leipzig. Quelle: Andreas Döring
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Leipzig

Das Aus scheint besiegelt zu sein. Die Halberg Guss will den Leipziger Eisengießerei-Standort „voraussichtlich bis Ende 2019“ schließen. Darüber informierte am Donnerstag das Unternehmen. „Das trifft 660 Beschäftigte hart“, erklärte Leipzigs IG-Metall-Chef Bernd Kruppa. „Wir antworten auf diese Ungeheuerlichkeit mit einem Warnstreik.“ Am Freitag ab 13 Uhr sollen die Beschäftigten die Arbeit niederlegen, kündigte die Gewerkschaft an.

„Die Geschäftsleitung der Neuen Halberg Guss bedauert diesen Schritt sehr“, teilte der Autozulieferer mit. „Angesichts der zu erwartenden geringen Auslastung des Werkes ist die Schließung jedoch unumgänglich, da sonst das Unternehmen als Ganzes in seiner Existenz gefährdet wäre.“ Kruppa sieht hinter dieser Entwicklung ein „ganz abgefucktes Vorgehen“ und schoss kräftig gegen den Eigentümer der Halberg Guss, die Prevent-Gruppe, hinter der die bosnische Familie Hastor steht. Dabei gibt es seit vorigem Jahr mit einem der Hauptabnehmer von Halberg-Guss-Erzeugnissen, dem Volkswagen-Konzern, einen handfesten Zulieferstreit. Mitte April kam es zwei Tage lang zu ersten Lieferverzögerungen. Prevent hatte damals auf unbezahlte Rechnungen verwiesen.

Halberg setzt VW unter Druck

Inzwischen setze Halberg Guss VW „mit Preiserhöhungen für seine Lieferungen auf das mehr als Zehnfache unter Druck“, sagte Kruppa. Der Autobauer, für dessen Ableger Scania und MAN Gussteile aus Leipzig geliefert werden, sei auf diese angewiesen, und zahle nun „zig Millionen an Prevent. In der Zwischenzeit ist VW dabei, eine entsprechende eigene Guss-Produktion auf die Beine zu stellen“, sagte der Gewerkschafter und markierte die Folge dieser Vorgänge: „Leipzig soll dichtgemacht werden und am Halberg-Guss-Standort in Saarbrücken 300 der 1400 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren.“ Das lasse sich die Gewerkschaft nicht gefallen. „Unsere Antwort auf Schließungsankündigungen fällt hart, kompromisslos und unmissverständlich aus.“

Gewerkschaft umreißt ihre Forderungen

Wenn schon jeden Tag „Millionen Euro über den Tisch gehen, um Vertragsstreitigkeiten zu regeln, und davon bei denen, die diese Werte erwirtschaften nichts ankommt - dann müssen wir handeln“, betonte Kruppa. An beiden Standorten ist bereits eine Tarifkommission gewählt und sind entsprechende Forderungen für einen Sozialtarifvertrag beschlossen worden.

Die Beschäftigten verlangen unter anderem eine Qualifizierungsgesellschaft sowie einen arbeitgeberfinanzierten Treuhandfonds, aus dem Abfindungen oder Maßnahmen zur Vermittlung in neue Jobs bezahlt werden. „Wenn das Werk vor dem Aus steht, dann sollen die Betroffenen wenigstens etwas von den hin und her geschobenen Millionen abbekommen.“ Es könne doch nicht sein, dass mehr als 2000 Jobs nichts wert seien. „An diesem Spiel zeigt sich die ganze Perversion des kapitalistischen Wirtschaftssystems“.

Für VW dürfte ein möglicher längerer Streik in Leipzig tatsächlich zu einem ernsten Problem werden. Nach drei bis vier Tagen drohen laut Kruppa dann beim Autokonzern in der LKW-Sparte Produktionsstillstände. „Und das wird richtig teuer für das Unternehmen.“ Erst Anfang Mai hatten sich die Oberbürgermeister von Leipzig und Saarbrücken mit einer gemeinsamen Resolution für eine Lösung im Streit bei Halberg Guss stark gemacht. Das öffentlichkeitswirksame Engagement konnte die drohende Schließung letztlich nicht verhindern.

Von Ulrich Langer

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