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Wirtschaft Regional Siemens lenkt ein – Mitarbeiter in Leipzig jubeln
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00:37 11.05.2018
Proteste gegen die Schließung des SIEMENS-Werks in Leipzig-Plagwitz am 31.1.2018. Mit einer Luftballon-Aktion kämpfte die Plagwitzer Siemens-Mitarbeiter für den Standort. Quelle: Sylvio Hoffmann
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Leipzig

So viel Applaus hat Siemens-Standortleiter Murat Aslandag von seinen 270 Mitarbeitern in Leipzig-Plagwitz schon lange nicht mehr erhalten. Punkt neun Uhr hatte er die Belegschaft kurzfristig in der Montagehalle zusammengetrommelt, um ihnen die frohe Botschaft zu verkünden: Die im November angekündigte Schließung des Standorts sei zumindest vorerst vom Tisch. Stattdessen prüfe Siemens nun, den Standort an einen neuen Eigner abzugeben. „Das gab spontanen Applaus“, berichtete Betriebsratschef Thomas Clauß.

Zeitgleich mit Aslandag verkündete in München Personalvorstand Janina Kugel die Entscheidung per Telefonkonferenz. Nach hartem Ringen hatte sich der Konzern mit Betriebsräten und der IG Metall auf ein Eckpunktepapier geeinigt. Und darin war Siemens auf Druck der Arbeitnehmervertreter auch von den bisherigen Schließplänen abgerückt. Die angepeilten Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe sollen trotzdem erreicht werden – jetzt aber auf anderem Wege.

Produktionsverlagerung nach Duisburg vom Tisch

Vom Tisch ist damit auch der Plan, die Produktion von Leipzig-Plagwitz nach Duisburg zu verlagern, um dort die Auslastung zu verbessern. „Bei einem Verkaufsszenario würde es um den kompletten Standort gehen, das heißt die Mitarbeiter, die Infrastruktur und auch die Produkte“, sagte Kugel auf LVZ-Nachfrage. Stattdessen droht jetzt in Duisburg ein Stellenabbau. Bisher waren dort keine Einschnitte geplant.

„Die Signale, die zur Perspektive des Leipziger Siemens-Werkes aus München kommen, zeigen in die richtige Richtung“, sagte Leipzigs Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU). „Es zeigt sich, dass sich das lange Kämpfen des Betriebsrates, der Belegschaft, der Gewerkschaften und des gesamten Stadtteils gelohnt hat“, lobte die Leipziger SPD-Bundestagsabgeordnete Daniela Kolbe.

Das Abrücken von den bisherigen Schließplänen hatten Betriebsrat und IG Metall zur Vorbedingung gemacht, um überhaupt in echte Verhandlungen einzutreten. Seit 7. Dezember liefen die Sondierungsgespräche, viermal kamen beide Seiten zusammen, zuletzt am 3. Mai.

Nächtlicher Verhandlungsmarathon brachte Durchbruch

15 Stunden wurde da gerungen, erst früh halb fünf stand die Einigung, berichtete Clauß, der bei allen vier Sondierungsrunden dabei war. In der Nacht zu Dienstag wurde der Kompromiss dann von Vorstand, Aufsichtsrat und Gesamtbetriebsrat abgesegnet. Jetzt sollen zügig die Verhandlungen beginnen, wie die geplanten Maßnahmen konkret umgesetzt werden.

„Es gibt keinen Grund zur Entwarnung“, sagte Leipzigs IG-Metall-Chef Bernd Kruppa. „Noch ist nichts gewonnen“, sagte auch Clauß. Denn eine Garantie für den Standort gebe es weiter nicht. Wenn der Verkauf scheitere, könne erneut die Schließung drohen. „Ich bin aber guter Dinge, dass Siemens es ernst meint.“

Betriebsrat und IG Metall werben für eigenes Konzept

Den von Siemens nun angestrebten Verkauf sehen beide nur als zweitbeste Lösung an. Lieber möchten sie ihr eigenes Zukunftskonzept umsetzen, das sie am 6. März vorgelegt hatten. Siemens habe nun zugesagt, dieses zu prüfen – neben dem vom Konzern favorisierten Verkauf. „Das muss jetzt ernsthaft geprüft werden“, sagte Clauß.

Vorgesehen ist darin, dass das Werk, das erst seit 2006 zu Siemens gehört, sich wieder auf seine alten Stärken bei Industrieverdichtern konzentriert – und sich aus dem defizitären Kraftwerksgeschäft zurückzieht. In das war der einstige VEB Pumpen- und Gebläsewerk (PGW) erst durch Siemens eingestiegen – und deswegen prompt in die roten Zahlen gerutscht. Bürgermeister Albrecht zeigte sich angetan von dem Betriebsrats-Konzept. Es sei eine gute Basis für den Fortbestand des Werkes.

Von Frank Johannsen

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