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Solarion schlüpft unter Schutzschirm und will so offenbar Investor aus Taiwan loswerden

Solarion schlüpft unter Schutzschirm und will so offenbar Investor aus Taiwan loswerden

Sieben Monate nach dem Start der Produktion hat der Zwenkauer Solarmodul-Hersteller Solarion bei Gericht überraschend eine Sanierung in Eigenregie beantragt. Hintergrund ist offenbar der seit Monaten schwelende Konflikt mit dem Investor Walsin Lihwa aus Taiwan, der den Bau des Zwenkauer Werks finanziert hatte.

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Produktion der biegsamen Dünnschichtmodule bei Solarion in Zwenkau.

Quelle: dpa

Zwenkau. Mit Hilfe des Schutzschirmverfahrens der Insolvenzordnung könnten die Sachsen den ungeliebten Anteilseigner nun leichter loswerden.

"Wir wollen uns umstrukturieren und das Unternehmen für die Zukunft neu aufstellen", sagte Solarion-Sprecher Stefan Nitzsche gestern der LVZ. Deshalb habe man beim Amtsgericht Leipzig einen Antrag auf Sanierung in Eigenverwaltung im Rahmen des Schutzschirmverfahrens gestellt, der am Montag genehmigt wurde. "Das ist aber keine Insolvenz", betonte Nitzsche.

Zu den Gründen für den Antrag schwieg er sich aus. Liquiditätsprobleme gibt es aber offenbar nicht. Alle Löhne seien bisher pünktlich gezahlt worden. Im Moment gebe es zwar eine kleine Verzögerung bei der Auszahlung der Februar-Gehälter. Das liege aber nur am Prozedere des Schutzschirmantrags, nicht an leeren Kassen. Und auch die Produktion im Zwenkauer Werk, erst im vergangenen Juli nach einjähriger Bauzeit eröffnet, laufe uneingeschränkt weiter: Für die 148 Mitarbeiter ändere sich nichts.

Grund für den Antrag ist offenbar der Clinch mit dem Investor Walsin Lihwa aus Taiwan. Der Konzern hatte den Bau des Werks in Zwenkau mit 40 Millionen Euro finanziert - und hält seither über seine Tochter Ally Energy 49 Prozent an der Solarion AG. Zuletzt war es zwischen den beiden Partnern aber zum Streit gekommen: Im November berichteten taiwanesische Medien, Solarion sei gegen Walsin Lihwa vor Gericht gezogen. Es gehe dabei um einen Lizenzvertrag aus dem Jahr 2010: Die Taiwanesen sahen sich dadurch berechtigt, die von Solarion entwickelte Technik zur Herstellung biegsamer Solarmodule zu nutzen und selbst solche Module herzustellen. Das, so hieß es in Taiwan, wollten die Zwenkauer verhindern, den Vertrag kündigen und Schadenersatz verlangen.

Im Februar versuchte Solarion dann, die Taiwanesen per Beschluss der eigenen Hauptversammlung aus dem Unternehmen zu werfen. Beim Aktionärstreffen am 12. Februar in Leipzig stand die "Zwangsentziehung des Anteils aus wichtigem Grund" auf der Tagesordnung, wie aus der Einladung im Bundesanzeiger hervorging. Die Aktien sollten eingezogen und das Grundkapital entsprechend gesenkt werden. Geklappt hat das aber offenbar nicht. Stattdessen wurde sogar eine Kapitalerhöhung beschlossen, wie das Unternehmen wenige Tage später im Bundesanzeiger meldete.

Solarion selbst wollte sich gestern zu all dem nicht äußern. Der Sprecher ließ auch offen, ob im Rahmen der Sanierung Änderungen der Eigentümerstruktur geplant sind. Unter dem Schutzschirmverfahren ist das auch gegen den Willen der bisherigen Anteilseigner möglich.

Firmenchef Karsten Otte sagte, man habe sich ganz bewusst entschieden, von dem erst vor einem Jahr eingeführten Schutzschirmverfahren Gebrauch zu machen, "um die Solarion AG im Rahmen der Eigenverwaltung für die Zukunft neu aufzustellen und den Weg der Sanierung rasch und konsequent umzusetzen." Anders als bei einer Regel-Insolvenz hat Otte, der auch selbst am Unternehmen beteiligt ist, weiter das Sagen und bekommt keinen Insolvenzverwalter vorgesetzt.

Dasselbe Verfahren hatte 2012 bereits Solarwatt aus Dresden genutzt. Auch dort gab es Probleme in der Eignerstruktur: BMW-Erbe Stefan Quandt wollte die Mehrheit übernehmen. Als die anderen Aktionäre das ablehnten, flüchtete Solarwatt unter den Schutzschirm - und Quandt übernahm Solarwatt komplett.

Solarion war im Jahr 2000 als Ausgründung aus dem Leipziger Leibnitz-Institut für Oberflächenmodifizierung entstanden und hat das Verfahren, biegsame Solarzellen herzustellen, zur Marktreife entwickelt. 2002 ging in Leipzig-Liebertwolkwitz die erste Pilotanlage für die Produktion in Betrieb, 2012 folgte dann - dank der Hilfe aus Taiwan - der Start der Serienproduktion in Zwenkau. Noch sei man dabei, die Produktion hochzufahren, sagte Sprecher Nitzsche. "Wir machen ja ein völlig neues Produkt und müssen die Märkte erst erschließen. Wir haben aber schon eine große Nachfrage."

Am Geschäftskonzept wollen man daher auch in der jetzt gestarteten Neustrukturierung nichts ändern, versicherte Nitzsche. Mit den Produkten sehe man sich bestens aufgestellt, um langfristig erfolgreich zu sein. Ein Gesundschrumpfen sei definitiv nicht geplant. Im Gegenteil: "Wir wollen und müssen wachsen und werden auch zukünftig expandieren."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.03.2013

Frank Johannsen

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