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Spielemesse GC Online ist am Ende - Leipzig verliert auch World Cyber Games

Spielemesse GC Online ist am Ende - Leipzig verliert auch World Cyber Games

In Leipzig wird es künftig keine Spielemesse mehr geben. Am Donnerstag wurde die Games Convention Online (GCO) von der Leipziger Messe für dieses Jahr abgesagt.

Leipzig. Als Grund nannten die Organisatoren fehlenden Zuspruch aus der Branche.

Die Mehrheit der Unternehmen habe signalisiert, in diesem Jahr nicht an der Fachschau für Browser-, Client- und Mobile-Games teilzunehmen, so dass sich die Veranstaltung betriebswirtschaftlich nicht gelohnt hätte, teilte die Messe am Vormittag mit. „Die Branche hat sich für einen anderen Standort entschieden, das muss man akzeptieren“, sagte Messesprecherin Heike Fischer gegenüber LVZ-Online und verwies auf die Konkurrenzveranstaltung Gamescom in Köln.

Schlusskapitel einer Leipziger Erfolgsgeschichte

Ursprünglich war die GC Online in diesem Jahr erneut als Fachkongress mit begleitender Ausstellung für den 7. und 8. Juli geplant. „Wir haben in den letzten Wochen viele Gespräche geführt, mit Ausstellern und dem Branchenverband G.A.M.E.“, berichtet Fischer. Dabei habe sich jedoch gezeigt, dass die Ausstellung mangels Interesse deutlich kleiner geworden wäre als im vergangenen Jahr. „Es gab bereits einige Zusagen, aber die hätten nicht gereicht, um die Veranstaltung durchzuführen“, so die Messesprecherin.

2009 war die Schau als Nachfolger der nach Köln abgewanderten Games Convention aus der Taufe gehoben worden. Mit 43.000 Besuchern im Premierenjahr blieb die Veranstaltung jedoch hinter den Erwartungen zurück. In den Jahren zuvor waren jeweils knapp 200.000 Spielefans zur größten Messe ihrer Art nach Leipzig gekommen. 2010 wurde die GC Online zur reinen Fachmesse umgebaut, doch nicht alle der 32 Aussteller und 630 Besucher zeigten sich davon überzeugt. Das jetzige Aus für die Spielemesse ist damit das Schlusskapitel einer einstigen Leipziger Erfolgsgeschichte.

Neben der GC Online verliert Leipzig auch die deutschen Videospielmeisterschaften, die stets parallel zur Messe stattfanden. 2010 wurde das Deutschland-Finale der World Cyber Games (WCG) noch im Freizeitpark Belantis ausgetragen. Für die Neuauflage in diesem Jahr wollen sich die Organisatoren der Firma Advanced Cyber Entertainment, die sich stets zu Leipzig bekannten, nach einem neuen Standort umschauen. "Nach der Absage der Messe, die wir sehr bedauern, ist Leipzig sehr wahrscheinlich keine Option mehr für uns. Wir versuchen immer, an vorhandene Spiele-Events anzuknüpfen. So ganz ohne Bezug ist das nur schwer möglich", sagte Marketingchef Thomas von Treichel. Ein neuer Austragungsort soll noch im April verkündet werden, mehrere Optionen seien dafür im Gespräch, darunter auch die Gamescom in Köln. "Es wäre fahrlässig, das größte Gaming-Event in Deutschland bei unserer Wahl außen vor zu lassen", so von Treichel.

Leipziger Spiele-Entwickler üben Kritik am Messekonzept

Die Chefs der beiden Leipziger Spiele-Entwickler-Studios Fakt Software und Game Laboratories bedauerten die Absage der GC Online, übten teilweise jedoch auch Kritik an deren Konzept. „Das Aus für die Messe ist traurig, weil sie regional gesehen schon etwas Besonderes war“, betonte Fakt-Geschäftsführer Falk Möckel gegenüber LVZ-Online. Nach dem Wechsel der großen Spielemesse nach Köln sei die Entwicklung jedoch abzusehen gewesen, findet G.Labs-Chef Martin Richter. „Das Aus ist schade für Leipzig, aber es kam nicht wirklich überraschend“, so der Geschäftsführer. „Ich denke, die Risikobereitschaft hat gefehlt. Man hätte die Messe vielleicht gleich als reine Online-Veranstaltung durchführen müssen. Eine Messe, wo alles reinweg im Netz stattfindet, das wäre der Kracher gewesen.“

Eine aktive Beteiligung an der Messe hatte Fakt Software, die für die erfolgreiche Crazy-Machines-Reihe bekannt sind, in diesem Jahr nicht geplant. „Die Messe war 2010 sehr stark auf Online-Browser-Games bezogen. Für uns als Entwickler von Mobile Games war das zu speziell, zu viel Nische“, erklärte er. Zudem seien nach dem Messeauftritt im vergangenen Jahr kaum längerfristige Beziehungen mit neuen Partnern zustande gekommen.

Die Macher von Game Laboratories wären bei einer Neuauflage dagegen dabei gewesen. „Wir haben immer gesagt, dass wir zum Standort stehen“, meint Firmenchef Richter. Er spekuliert jedoch, dass einer der Gründe für die Absage die Entscheidung der Online-Spieler-Community gewesen sein könnte, sich in diesem Jahr erstmals nicht in Leipzig sondern in Köln zu treffen. „Das hatte letztlich keinen Einfluss“, dementierte Messesprecherin Fischer umgehend. „Bislang hatten wir dort noch nicht angefragt.“

Messe zeigt sich offen für neue Spiele-Veranstaltungen

Statt auf Online-Spiele will sich die Leipziger Messe neben ihren Zugpferden wie Buchmesse und Automesse AMI nun stärker auf Wachstumsbereiche wie Medizin oder Rehatechnik konzentrieren. „Wir müssen strategisch planen. Veranstaltungen, die sich nach dem dritten Mal nicht rechnen, können wir nicht länger durchführen“, erläuterte Fischer. Das Spiele-Know-How und das Dienstleistungsnetzwerk der GCO stehe jedoch weiterhin zur Verfügung, um marktgerechte Veranstaltungen auszurichten. „Wenn die Industrie neue Formate oder neue Standorte für wirksame Veranstaltungen der Spielebranche sucht, können wir schnell darauf reagieren und unsere erprobte Struktur aktivieren“, sagte Fischer.

An einen Neustart der Spielemesse in Leipzig glaubt Fakt-Software-Geschäftsführer Möckel nicht. Er hätte sich stattdessen gleich einen regelmäßigen Standortwechsel bei den großen deutschen Spielemessen gewünscht, bei dem mehrere Standorte wie Köln und Leipzig profitieren könnten. „Mit einem Rotationsprinzip wie bei der AMI wäre das Aus für Leipzig sicher zu verhindern gewesen“, denkt Möckel. Nun werde es sehr schwer, erneut eine Spielemesse in Leipzig zu etablieren, meint der Entwickler.

Robert Nößler

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