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"Sterben auf Raten" - Leipziger Taxiunternehmen haben Angst vor Mindestlohn

"Sterben auf Raten" - Leipziger Taxiunternehmen haben Angst vor Mindestlohn

Knapp fünf Monate vor der geplanten Einführung des Mindestlohns 2015 wächst die Wut der Chauffeure. "Denn er bricht der Taxi-Branche das Genick", meint Uwe Franz, Vorstand von Löwen-Taxi in Leipzig.

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(Archivbild)

Quelle: dpa

Nicht nur die Genossenschaft, alle Unternehmen der Stadt bangen um ihre Kunden.

Aufgrund der neuen gesetzlichen Lohnuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde sollen die Preise um 20 bis 25 Prozent steigen. Entsprechende Tarifänderungen hat der Landesverband der sächsischen Taxi- und Mietwagenunternehmer jetzt bei Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) beantragt, wie die Stadt auf Anfrage bestätigt. Über die neuen Fahrpreise muss allerdings der Stadtrat entscheiden. Ob es ab 1. Januar tatsächlich zur massiven Preiserhöhung kommt, ist noch völlig unklar. Allein schon aus Zeitgründen: "Bei der letzten Tarifänderung dauerte es vom Antrag bis zur Genehmigung gute anderthalb Jahre", so Franz.

Außerdem laufen derzeit parallel auf Bundesebene Verhandlungen zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und dem Deutschen Taxi- und Mietwagenverband. Vorige Woche fanden erste Sondierungsgespräche statt, in die eigentliche Runde soll es Ende dieses Monats gehen, heißt es. Erstmals überhaupt könnte damit im deutschen Taxigewerbe ein Tarifvertrag vereinbart werden. Doch allzu große Hoffnungen werden zumindest in Leipzig nicht daran geknüpft. Erst vor Kurzem seien entsprechende Verhandlungen für das ostdeutsche Gastgewerbe geplatzt. Und außerdem: "Es ist nur ein Sterben auf Raten", betont Vorstand Franz.

Käme ein Bundes-Tarifvertrag zustande, könnte eine zweijährige Übergangsfrist bei der Einführung des gesetzlichen Mindestlohns ausgeschöpft und die Bezahlung der Mitarbeiter schrittweise angepasst werden. Das läuft auf einen Mindestlohn von 6,50 Euro ab Januar 2015, 7,50 Euro ab Januar 2016 und 8,50 Euro ab 2017 hinaus. Laut Thomas Voigt von der Leipziger Taxi-Zentrale 4884 liegen Chauffeure, die ja derzeit nach Provision bezahlt werden, rein rechnerisch betrachtet durchschnittlich bei etwa sechs Euro pro Stunde. Wie auch immer die Veränderungen ab Januar 2015 ausfallen, der Technikleiter hat Horrorvisionen: "Die Fahrgäste bleiben weg, es gibt viele Entlassungen, die Betriebe schrumpfen."

Matthias Müller, Geschäftsführer von Leipzig-Taxi und City-Taxi, nennt "Arbeitslose und Schwarzarbeit ohne Ende" als gravierende Folgen des Mindestlohns. Dessen Einführung sei "eine Katastrophe" für die Branche. Unternehmer könnten es sich nicht mehr leisten, Fahrzeuge nachts oder zu schwachen Zeiten wie beispielsweise Montag- oder Sonntagabend vorzuhalten. Konsequenz: Die Preise werden zwar höher, der Service aber schlechter. Und: "Wer fährt dann überhaupt noch Taxi?", fragt sich Müller. "Kunden steigen dann erst recht auf die S-Bahn um", nimmt er an. "Der City-Tunnel war für uns sowieso schon ein großer Einschnitt."

Aktuell gibt es sieben Taxi-Zentralen in Leipzig, es fahren etwa 670 Fahrzeuge. "Ab 2015 werden es 100 bis 200 weniger sein", lautet die Prognose in der Branche. Die Stimmung sei außerordentlich gedrückt, berichtet Voigt. Aufgrund der derzeit unklaren Lage hätten die Unternehmer auch keine Planungssicherheit, allein was Leasingverträge für ihre Fahrzeuge betrifft. "Denn Unternehmen mit jetzt noch 10 bis 20 Fahrzeugen werden schrumpfen." In Zukunft gebe es mehr Einzelkämpfer.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.08.2014

Sabine Kreuz

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