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Wirtschaft Regional Streit um Strom: Leipziger Friseurmeister zwischen den Fronten
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23:59 11.06.2014
Pocht auf seinen Vertrag mit dem Stromanbieter UPG: Friseurmeister Frank Strese hält trotz Nervenkrieges an seinem preisgünstigen Anbieter fest. Quelle: André Kempner

Weil der Friseur partout diesen Strom will, haben ihm die Stadtwerke jetzt mit einer Versorgungseinstellung gedroht. Strese ist empört.

Der Figaro hat im April 2013 einen Liefervertrag bei UPG unterschrieben. "Die Stadtwerke sponsern zwar hier und da Dinge im Stadtgebiet, aber Unternehmen wie meinem können sie keine günstigen Verträge anbieten", sagt er. "Deshalb suche ich mir im liberalisierten Strommarkt einen Anbieter, der besser zu uns passt."

Zunächst sei auch alles nach Plan gelaufen. Der Friseur zahlte seine niedrigen Abschläge, bekam preiswerten Strom geliefert. Als dann die ersten Meldungen eingingen, dass sich sein Anbieter und die Stadtwerke Leipzig vor Gericht streiten, fühlte er sich nicht betroffen. "Ich bin Endkunde, diesen Streit müssen die Energiefirmen unter sich ausmachen", meint er noch heute.

Von den Leipziger Stadtwerken boykottiert?

Anfang Oktober 2013 zeichnete sich ab, dass es vielleicht doch nicht so einfach sein könnte. Weil UPG monatelang Netzentgelte unpünktlich entrichtet haben soll, kündigten die Stadtwerke Leipzig an, dass sie UPG-Kunden wie Strese als "Ersatzversorger" übernehmen würden. "Damals habe ich gehört, die UPG sei insolvent", erzählt der Friseur. "Aber das stimmte nicht." Als er bei UPG angerufen habe, sei ihm das mit Dokumenten belegt worden. "Die haben mir gesagt, die Leipziger Stadtwerke würden sie boykottieren. ,Zum Monatsende sind Sie wieder Kunde bei uns', hieß es."

In der Tat hatte UPG mit einer einstweiligen Verfügung vor dem Landgericht Leipzig erwirkt, dass die Stadtwerke weiter Strom an die UPG-Kunden durchleiten müssen. Doch als das kommunale Unternehmen erneut vor Gericht zog und neue Dokumente vorlegte, kamen die Richter zu dem Schluss, dass die Stadtwerke-Tochter Netz Leipzig der UPG keinen Netzzugang gewähren muss.

Strese vertraute dennoch weiter auf die Zusagen der UPG. "Die Firma liefert deutschlandweit Strom, nur in Leipzig geschieht dies nicht", sagt er. Bei sich zu Hause im Grimma beziehe er zum Beispiel völlig problemlos UPG-Strom. Deshalb wies er erneut das Angebot des "Ersatzversorgers" zurück und blieb bei UPG. Auch seine Abschläge für die Stromlieferungen zahlte er weiter an diesen Anbieter, der ihm immer wieder versicherte, die Liefereinstellung sei nur vorübergehend.

Zweite Mahnung von den Stadtwerken

Trotzdem trat das Gegenteil ein: Weil er die Rechnungen der Stadtwerke nicht bezahlte, schickte ihm das Unternehmen Ende Mai eine zweite Mahnung und kündigte an, die Stromversorung "ab dem 4. Juni, 8 Uhr" einzustellen.

Der Unternehmer wandte sich deshalb erneut an die UPG-Zentrale und erreichte dort, dass seine Stadtwerke-Rechnung von UPG beglichen wurde. Dadurch blieb seinen vier Innenstadt-Läden in letzter Minute die Abschaltung erspart. "Wir erstatten all unseren Leipziger Kunden die Mehrkosten, die durch die teure Grundversorgung der Stadtwerke entstehen", sagt UPG-Sprecher Marc März. "Wir lösen alle unsere Leipziger Kunden aus der Grundversorgung der Stadtwerke heraus, das läuft gerade." Seine Unternehmensgruppe arbeite mit rund 700 deutschen Stadtwerken gut und problemlos zusammen, nur in Leipzig gebe es Probleme. "Ich bin der Meinung, dass es keinen Netzbetreiber in Deutschland gibt, der so prozesswütig ist wie Netz Leipzig." Die Niederlage vor dem Landgericht Leipzig sei nur zustande gekommen, "weil wir keine Lust hatten, dort monatlich vor Gericht zu stehen".

Von dem Streit der beiden Stromanbieter sind auch zahlreiche andere Kunden in Leipzig betroffen. Rund 5000 sollen ähnlich wie Friseurmeister Strese zu dem günstigen Anbieter gewechselt sein. "UPG-Strom gibt es in Leipzig nicht", stellt Stadtwerke Sprecher Thomas Stein mit Verweis auf das Landgerichtsurteil klar, nachdem es seinem Unternehmen nicht zumutbar sei, mit der UPG zusammenzuarbeiten. Betroffene würden auch nicht gezwungen, ihren Strom von den Stadtwerken zu beziehen. Nach 14 Tagen könne jeder andere Anbieter gewählt werden. Nur nicht UPG.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.06.2014

Andreas Tappert

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