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Wirtschaft Regional Studie: Ostdeutsche Länder holen bei der Wirtschaftskraft auf
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13:41 04.12.2009
Thüringen, Sachsen-Anhalt, aber auch Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, haben einer Studie zufolge überraschend stark bei Wirtschaftskraft und Standort-Qualität aufgeholt. Quelle: Hendrik Schmidt
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Köln/Berlin

20 Jahre nach dem Mauerfall zeige sich, dass alle ostdeutschen Länder inklusive Berlin stark vom Aufschwung profitierten und sich 2005 bis 2008 besonders dynamisch entwickelten. Thüringen belegt Platz fünf in dem Bundesländer-Ranking, das die arbeitgeberfinanzierte Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM/Köln) und die „Wirtschaftswoche“ am Freitag vorstellten.

Sachsen habe dabei vor allem beim Schuldenabbau und mit der Exportquote der Industrie gepunktet. Respektabel sei auch der Zugewinn an Steuerkraft. Bei der Entwicklung der verfügbaren Einkommen bewegten sich die Sachsen dagegen unter Durchschnitt und erreichten mit einem Zuwachs von 7,4 Prozent je Einwohner in den Jahren 2005 bis 2008 nur Platz 12 im Dynamik-Vergleich.

Auch die Arbeitsplatzversorgung habe sich relativ betrachtet in allen anderen Ost-Bundesländern deutlicher als in Sachsen verbessert. Schwach sei im Freistaat auch das absolute Niveau der Produktivität, das deutlich unter dem Bundesschnitt liege. Sachsen litt den Angaben der Wissenschaftler zufolge in den Jahren 2005 bis 2008 auch unter einem spürbaren Beschäftigungsrückgang in der Industrie.

Thüringen kann vor allem bei Arbeitsplätzen punkten. Die Zahl der Arbeitslosen als auch der Arbeitslosengeld-Empfänger sank im Bundesvergleich überdurchschnittlich. Das bedeutet Platz zwei hinter Sachsen-Anhalt. Die Steuerkraft je Einwohner stieg von 2005 bis 2008 um 52,7 Prozent an, bundesweit waren es knapp 30 Prozent.

Als problematisch bewertet das Ranking den Einwohnerschwund. Die Bevölkerung nahm im Untersuchungszeitraum um 2,9 Prozent ab und damit weit stärker als im Bund mit minus 0,4. Bedenklich ist auch der Akademiker-Anteil unter den Beschäftigten, der um 0,2 Prozentpunkte zurückging, während er in Deutschland wuchs. Nach wie vor habe Thüringen auch zu viele Staatsdiener, bemängelt die Studie: 34,8 auf 1000 Einwohner. Bundesweit liegt der Wert bei 29,7.

Thüringen ist aber mit dieser Entwicklung den Westländern am dichtesten auf den Fersen, die bei den Berechnungen der aktuellen Wirtschaftskraft allerdings weiterhin klar führen. Platz eins belegt Bayern, gefolgt von Baden-Württemberg - beide verfügen über eine exportstarke Industriestruktur in Auto- und Maschinenbau und über eine gute Arbeitsplatz-Versorgung. Im „Bestandsranking“ folgen Hamburg und Hessen. Thüringen kommt als erstes Ostland auf Platz elf, dicht gefolgt von Sachsen. Das Schlusslicht bildet Berlin.

Als positiv für Thüringen wertet das Ranking die niedrigen Arbeitskosten. Ein Arbeitnehmer kostet im Freistaat im Schnitt rund 27 300 Euro, bundesweit sind es 34 200 Euro. Dies führt allerdings auf der Negativ-Seite dazu, dass die Steuerkraft mit 979 Euro je Einwohner im Freistaat weit unter dem Bundesschnitt von 2400 Euro liegt. Zu wünschen übrig lässt laut Studie auch Produktivität. Sie liegt pro Erwerbstätigen bei knapp 48 500 Euro (Bund: 61 800 Euro).

„Getrieben wurde der Aufschwung Ost in den neuen Ländern vor allem vom verarbeitenden Gewerbe“, sagte INSM-Geschäftsführer Max A. Höfer in Berlin. In den neuen Bundesländern seien zwischen 2005 und 2008 in allen Wirtschaftssektoren knapp eine Viertel Million neue Arbeitsplätze entstanden.

Erstmals wurde auch ein „Krisenindex“ ermittelt, der zwischen Juni 2008 und Juni 2009 zeigt, wo die Wirtschaftskrise wie stark durchschlug. Demnach sind bei Wirtschaftsleistung und Arbeitslosenquote Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg weniger getroffen. Dagegen erwischte die Krise Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Thüringen, NRW und das Saarland wegen ihrer exportnahen Industrien besonders stark.

Die Studie besteht aus einem „Dynamikranking“, das die Entwicklung der Jahre 2005 bis 2008 zeigt - und bei dem alle ostdeutschen Länder vorne lagen. Zweiter Teil der Studie ist das „Bestandsranking“, das den Ist-Zustand beschreibt. Insgesamt sind 100 wirtschaftliche und strukturelle Indikatoren berücksichtigt, etwa Bruttoinlandsprodukt, Kaufkraft, Investitionsquote, aber auch Ausbildungsplatzdichte, Kita- Betreuung oder Hochschulabsolventen-Quote. Die Analyse hatte das IW Consult durchgeführt, die zum arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln gehört.

mro/dpa

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