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Taxifahrer sauer - City-Tunnel lockt immer mehr Fahrgäste in die S-Bahn

Taxifahrer sauer - City-Tunnel lockt immer mehr Fahrgäste in die S-Bahn

Im Mobilitätsverhalten der Leipziger vollziehen sich gravierende Veränderungen: In der Stadt werden immer mehr Wege ohne Auto zurückgelegt. Der City-Tunnel und das mit ihm aufgewertete S-Bahn-Netz forcieren diese Entwicklung, sagen Experten.

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Weil die S-Bahnen konkurrenzlos schnell und preiswert unter der Leipziger City verkehrt, lockt sie immer mehr Fahrgäste an.

Quelle: Jan Woitas

Leipzig. Schon seit 1990 lassen immer mehr Leipziger ihr Auto bei Fahrten in der Stadt stehen.

So ergaben repräsentative Verkehrszählungen bereits 2003 und 2008, dass bei der Verkehrsmittelwahl der Leipziger die Nutzung des Autos von 44 Prozent (2003) auf 39,6 Prozent (2008) zurückging. Im gleichen Zeitraum stiegen der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs von 17,3 auf 18,8 Prozent, der Anteil der Radfahrer von 12,4 auf 14,4 und der der Fußgänger von 26,3 auf 27,3 Prozent. Die jüngste repräsentative Verkehrsbefragung fand im vergangenen Jahr statt, ihre Ergebnisse werden zum Jahresende vorliegen. "Wir erwarten, dass es einen weiteren Rückgang des motorisierten Verkehrs sowie einen Anstieg beim Nahverkehr und beim Radverkehr geben wird", sagt Michael Jana, amtierender Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes.

Als Seismografen dieser Entwicklung gelten Leipzigs Taxifahrer. Denn sie registrieren Veränderungen im Verkehrsverhalten deutlich früher als die aufwendigen Befragungen und Zählungen. "Es gibt Auswirkungen des City-Tunnels auf den Taxi-Verkehr", meint Uwe Franz, Vorstand von Löwentaxi. "Gerade an Haltepunkten wie dem Flughafen Leipzig und dem Hauptbahnhof stellen wir einen Rückgang unserer Fahrgäste fest." Das liege am Hauptbahnhof zum Beispiel daran, dass S-Bahn-Nutzer das Taxi auf dem Weg zu den Straßenbahnen nicht mehr zu Gesicht bekommen. "Am Flughafen verzichten viele Nutzer gerade aus dem Landkreis und im Umkreis von zirka 50 Kilometern auf Grund der guten Umsteigeverbindungen am Hauptbahnhof auf das Taxi", so Franz. Selbst der relativ konstante Kundenstamm an Geschäftsleuten, die prinzipiell ein Taxi nutzen, werde jetzt immer öfter in der S-Bahn gesichtet, wenn ihr Ziel in Richtung Innenstadt liegt.

Rückgang bei der Taxizentrale

Die Taxi-Zentrale 4884 hat den attraktiv gewordenen Konkurrenten S-Bahn im Frühjahr zu spüren bekommen. "In den Monaten Februar und März mussten wir einen deutlichen Auftragsrückgang in Höhe von rund 13 Prozent verbuchen", berichtet Geschäftsführer Hans-Jürgen Zetzsche. Zurückgeführt werde das aber auf die eher frühlingshafte statt winterliche Witterung. "Schlechtes Wetter ist für unsere Branche gerade nicht schlecht." Unter den täglich 50 000 Nutzern des City-Tunnels seien "auch Fahrgäste, die früher schon mal ein Taxi genutzt haben, zum Beispiel zum Flughafen oder zum Zug", glaubt Zetzsche.

Funktaxi Leipzig (FTL) hat registriert, dass auch Fahrten von der Innenstadt ins Umland wegbrechen. "Einige, die früher mit einem Taxi zum Beispiel vom Leipziger Hauptbahnhof nach Markkleeberg gefahren sind, nehmen jetzt die S-Bahn", sagt FTL-Geschäftsführerin Ines Heintke. Auch Fahrgäste aus dem weiteren Umland würden jetzt häufiger mit ihrem Auto einen nächstgelegenen S-Bahn-Haltepunkt ansteuern - und von dort in die Innenstadt pendeln. Dies habe sicher auch finanzielle Gründe. "Weil vieles immer teurer wird, sparen die Leute beim Taxi."

Um diese Entwicklung steuern zu können, hat Leipzigs Stadtverwaltung jetzt mit dem Zweckverband Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) beschlossen, von Juli 2014 bis Juni 2015 eine zusätzliche repräsentative Verkehrsbefragung durchzuführen. Sie soll nicht nur die Verkehrsströme in Leipzig erfassen, sondern auch die in den Umlandstädten Schkeuditz, Delitzsch, Eilenburg, Torgau, Wurzen, Grimma, Borna, Markkleeberg und Pegau.

Ergänzend werden Verkehrszählungen an den wichtigsten Zufahrtsstraßen nach Leipzig durchgeführt, um Veränderungen des Kfz-Aufkommens an der Stadtgrenze zu erfassen. Darüber hinaus finden Vergleichszählungen zu Fußgängerströmen im Bereich des Hauptbahnhofes und des Leipziger Marktes statt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.06.2014

Andreas Tappert

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