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Wirtschaft Regional Unister verpflichtet prominenten Berater - Giesen: "Dinge in Ordnung bringen"
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17:25 14.02.2013
Der frühere sächsische Datenschutzbeauftragte Thomas Giesen, Unister-Chef Thomas Wagner und Unister-Datenschuzbeauftragter Frank Hillmer (von links). Quelle: André Kempner
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Leipzig

Der frühere sächsische Datenschutzbeauftragte Thomas Giesen berät ab sofort die Holding. Darüber einigte sich der 66-Jährige am Donnerstag mit Geschäftsführer und Firmengründer Thomas Wagner. Giesen arbeitet demnach als Konzernbevollmächtigter für den Datenschutz. Den Kontakt zwischen Unister und dem in Dresden als Rechtsanwalt tätigen Juristen hatte der Medienberater Michael Sagurna hergestellt, einst Regierungssprecher des früheren sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf (CDU).

Gegen Unister laufen derzeit mehrere Ermittlungsverfahren. Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden wirft dem Unternehmen unter anderem Steuerhinterziehung und unerlaubten Adresshandel vor. Die Negativschlagzeilen der vergangenen Wochen schrecken Giesen nicht ab. „Es reizt mich, die Dinge in Ordnung zu bringen“, sagte er gegenüber LVZ-Online. Gemeinsam mit dem von Unister im Januar installierten Datenschutzbeauftragten Frank Hillmer, der für das Tagesgeschäft zuständig ist, will sich Giesen zunächst die Seite geld.de vornehmen. Das überarbeitete Portal und die angepassten Vertragsdetails sollen als Blaupause für alle anderen Angebote wie fluege.de oder ab-in-den-urlaub.de dienen. Ziel sei es, so Giesen, Klauseln klar und leicht durchschaubar zu formulieren.

 

Seinen Weg kreuzen wird Giesen künftig mit seinem Nachfolger als sächsischer Datenschutzbeauftragter, Andreas Schurig (SPD). Mit ihm pflege er ein gutes Verhältnis, so Giesen. „Wir ziehen an einem Strick und zwar am selben Ende“, sagte der Jurist. Schurig hatte Unister in der Vergangenheit mehrfach wegen angeblicher Rechtsverstöße angezählt und auch Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Giesen stürzt Sachsens Justizminister

Der gebürtige Koblenzer Giesen war von 1992 bis 2003 oberster Datenschützer im Freistaat. Nach seiner Intervention musste Justizminister Steffen Heitmann (CDU) im Jahr 2000 den Hut nehmen. Giesen entdeckte damals in Aktenvermerken, dass der Ressortchef in die Arbeit der Staatsanwaltschaft rechtswidrig eingegriffen hatte und machte dies öffentlich. Ein anschließendes Verfahren wegen Geheimnisverrats endete für Giesen mit einem Freispruch vor dem Bundesgerichtshof. Aus familiären Gründen bewarb er sich nach elf Jahren nicht noch einmal um das Amt des Datenschutzbeauftragten. Später beriet er die Regierung in Lettland und ebnete anschließend Kroatien im Bereich des Datenschutzes den Weg in die Europäische Union.

Giesen lebt heute in Dresden. Künftig will er sich neben seiner Tätigkeit als Strafverteidiger und Experte für Persönlichkeitsrecht vor allem in den Geschäftsräumen von Unister im Leipziger Barfußgäßchen aufhalten. „Ich kann mich frei im Konzern bewegen“, erklärte Giesen.

Matthias Roth

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