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Wirtschaft Regional Vita 34 nimmt Rostocker Billiganbieter vom Markt
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18:53 11.08.2017
Tanklager von Vita 34 Quelle: dpa
Leipzig/Rostock

Leipziger Nabelschnurblutbank Vita 34 nutzt den Zukauf des Konkurrenten Seracell, um den Markt zu bereinigen. Die bisherigen Billigangebote der neuen Tochter wurden sofort gestrichen, das Neukundengeschäft von Seracell wurde komplett eingestellt. „Nach der Übernahme von Seracell haben wir uns für eine Einmarkenstrategie entschieden“, sagte ein Vita-34-Sprecher am Freitag der LVZ. „Zukünftig werden wir nur noch Verträge unter der Marke Vita 34 anbieten.“

Nur die Verträge mit Bestandskunden werden weitergeführt. Neukunden werden dagegen an die neue Mutter Vita 34 verwiesen. Und dort wird es deutlich teurer.

Seracell war seit Jahren mit Kampfpreisen auf Kundenfang – sehr zum Ärger des Marktführers aus Leipzig. Die Einlagerung von Nabelschnurblut war bei Seracell bereits für einmalig 390 Euro zu haben – plus 6 Euro Monatsgebühr für die Lagerung. Vita 34 verlangt dagegen mindestens 1990 Euro zuzüglich 48,20 Euro Jahresgebühr. In der Branche galten die Preise der Rostocker schon lange als nicht kostendeckend.

Für Altkunden gelten die bisherige Konditionen aber weiter, versicherte der Sprecher. „Die Verträge haben selbstverständlich weiterhin Bestand.“ Das gelte in Rostock ebenso wie in Leipzig.

Neue Pakete für Neukunden in Planung

Für Neukunden, die bisher bei Seracell gelandet wären, plant Vita 34 nun offenbar selbst ein abgespecktes Paket zum Einstiegspreis. „Wir werden zukünftig noch viel individueller auf die Wünsche unserer Kunden eingehen“, kündigte der Sprecher an. „Hierzu werden wir durchaus auch Produkte für kosten­sensible Kunden anbieten.“ Auf der anderen Seite des Preisspektrum werde man sich „aber auch an Kunden wenden, die eine Premium-Lösung wünschen“.

Preiserhöhungen schloss das Unternehmen dabei nicht aus. Befürchtungen, Vita 34 könnte den Wegfall des Konkurrenten jetzt nutzen, um kräftig an der Preisschraube zu drehen, wies der Sprecher aber zurück. „Es gibt keinerlei Bestrebungen, unseren Bestandskunden plötzlich deutlich höhere Gebühren abzuverlangen.“ Das verbiete schon die Verbundenheit mit den Kunden. „Die langfristige Kundenzufriedenheit und -bindung steht für uns ganz klar im Vordergrund.“

Nur noch ein Konkurrent in Deutschland übrig

Nach der Übernahme von Seracell hat Vita 34 in Deutschland nur noch einen Konkurrenten: Eticur aus München. Pläne, auch diesen Konkurrenten zu übernehmen, gibt es nach LVZ-Informationen derzeit nicht. „Wir werden auch zukünftig, neben dem organischen Wachstum, weiter durch Zukäufe wachsen“, sagte der Sprecher. Das dürfte aber wohl eher im Ausland erfolgen. „Im deutschen Markt sehen wir uns nach der Übernahme von Seracell optimal positioniert.“

Vita 34 hatte von Januar 2014 bis September 2015 nacheinander bereits Konkurrenten in Hamburg, Graz, Litauen, Serbien und Dänemark übernommen. Den Anfang hatte Stellacure aus Hamburg gemacht. Nach anderthalb Jahren Pause wurde die Einkaufstour jetzt wieder aufgenommen. Für Seracell, bisher Nummer zwei in Deutschland, zahlte der Marktführer 14 Millionen Euro.

Davon kam am Ende weniger als geplant vom neuen Großaktionär Michael Köhler. Bei der jüngsten Kapitalerhöhung musste er statt drei Millionen Euro nur eine Million ins Unternehmen stecken. Wie Vita 34 nun mitteilte, stieg sein Anteil dadurch von 9,4 auf 11,6 Prozent. Köhler war erst Mitte Juni bei Vita 34 eingestiegen.

Von Frank Johannsen

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