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Vita 34 übernimmt Seracell – Vorstandschef Gerth muss gehen

Fusion der Nabelschnurblutbanken Vita 34 übernimmt Seracell – Vorstandschef Gerth muss gehen

Die Megafusion der Nabelschnurblutbanken ist perfekt: Deutschlands Marktführer Vita 34 aus Leipzig schluckt die Nummer zwei, Seracell aus Rostock. Das wirbelt auch den Betrieb in Leipzig durcheinander: Online-Apotheker Michael Köhler steigt als Investor ein – und tauscht sofort die Chefs von Vorstand und Aufsichtsrat aus.

Musste seinen Stuhl räumen. Ex-Vita-34-Chef André Gerth, hier im Tiefkühllager auf dem Alten Messegelände.

Quelle: Andreas Döring

Leipzig/Rostock. Es sollte der größte Zukauf seiner Unternehmergeschichte werden: Für 14 Millionen Euro wollte André Gerth, Chef der Leipziger Nabelschnurblutbank Vita 34, den Rostocker Konkurrenten Seracell übernehmen. Deutschlands Marktführer schluckt die Nummer zwei. Doch die Mega-Fusion kostete Gerth am Ende den eigenen Job. Mitte Juni musste er seinen Hut nehmen.

Grund für die Abberufung ist der Einstieg des neuen Großaktionärs Michael Köhler. Den hatte das Unternehmen ins Boot geholt, um den Millionen-Zukauf zu stemmen – gegen den Willen von Gerth. Der wurde daraufhin vom Aufsichtsrat abgesetzt. Dabei lief sein Vertrag eigentlich noch bis Ende 2018. Neuer Vorstandschef wurde Wolfgang Knirsch.

Der war erst vor gut einem Jahr zu Vita 34 gekommen und im Vorstand bisher für den Vertrieb zuständig. Anders als Gerth hat er kein Problem mit dem neuen Investor. „Wir sind außerordentlich erfreut und auch stolz, dass wir mit Herrn Köhler einen strategischen Ankerinvestor begrüßen dürfen“, sagte er unmittelbar nach seiner Beförderung zum Chef.

Auch Aufsichtsratschef muss gehen

Aufsichtsratschef Hans-Georg Giering begründete die Trennung von Gerth zwei Woche später auf der Hauptversammlung. „Die Ansichten über potenzielle strategische Investoren gingen auseinander“, soll er dort laut Teilnehmern gesagt haben. Danach musste Giering, selbst ein langjähriger Weggefährte Gerths, ebenfalls seinen Hut nehmen. Seine eigentlich geplante Wiederwahl durch die Aktionäre wurde in letzter Minute gestoppt. Stattdessen schickte der neue Großaktionär seinen eigenen Bruder Frank Köhler an die Spitze des Kontrollorgans.

Mit Gerth und Giering verlassen zwei Urgesteine das Unternehmen. 1992 hatten sie – damals noch in Delitzsch – die auf Pflanzenerbgut spezialisierte Firma Bioplanta gegründet. 2012 wurde Bioplanta dann von Vita 34 übernommen, Gerth zog dort in den Vorstand ein. Schon sechs Wochen später löste er Vita-34-Gründer Eberhard Lampeter als Chef ab. Zwei Jahre später holte er dann seinen alten Weggefährten Giering in den Aufsichtsrat, wo dieser ein Jahr später den Vorsitz übernahm.

Mit Köhler bekommt Vita 34 zum ersten Mal einen großen strategischen Anteilseigner. Bisher war das 1997 gegründete Unternehmen, das seit 2007 an der Börse notiert ist, vor allem im Besitz von Kleinaktionären, die oft aus dem eigenen Kundenkreis stammen. Größter Anteilseigner war bisher mit 11,5 Prozent Ex-Chef André Gerth.

Investor steigt mit fünf Millionen Euro ein

Der neue Großaktionär Michael Köhler ist Chef der niederländischen Online-Apothekengruppe Shop Apotheke Europe. Mitte Juni war er über seine Beteiligungsgesellschaft MKBV bei Vita 34 eingestiegen – zunächst mit gut neun Prozent. Zwei Millionen Euro ließ er sich das kosten. Zugleich sicherte er zu, noch einmal bis zu drei Millionen Euro in das Unternehmen zu stecken, um die Seracell-Übernahmen zu finanzieren.

Damit wollte er die für Juli geplante Kapitalerhöhung absichern: Bis zu fünf Millionen Euro wollte Vita 34 bei den eigenen Aktionären einsammeln. Sollten Aktionäre nicht mitziehen, wollte Köhler einspringen. Nach LVZ-Berechnungen hätte sein Anteil dadurch auf fast 25 Prozent steigen können.

So viel ist es aber nicht geworden. Die große Mehrheit der Aktionäre habe die neuen Aktien selbst übernommen, teilte das Unternehmen mit. Die Kapitalerhöhung sei mehrfach überzeichnet gewesen. Am Ende erhöhte sich der Anteil von Köhler nur von 9,4 auf 11,6 Prozent, wie am Donnerstag mitgeteilt wurde. Das reichte aber, um an Gerth als größtem Aktionär vorbeizuziehen.

Sercell ärgerte Vita 34 mit Kampfpreisen

„Vita 34 hat für mich ein interessantes Wachstumspotenzial“, begründete Köhler seinen Einstieg. „Als zweitgrößte Nabelschnurblutbank Europas hat Vita 34 eine interessante kritische Größe erreicht.“ Aufmerksam geworden war er auf die Leipziger Firma offenbar durch die Ankündigung der Übernahme von Seracell Mitte April – und die sich daran anschließende Suche nach einer Finanzierung. „Die Übernahme von Seracell ist für mich der richtige Schritt“, so Köhler. „Ich freue mich, die Gesellschaft dabei unterstützen zu können.“

Sercacell war 2002 als Ausgründung der Uniklinik Rostock entstanden. Ab 2008 hatte das Unternehmen gezielt versucht, Vita 34 Marktanteile abzujagen. Mit Kampfpreisen 40 Prozent unter denen von Vita 34 waren die Rostocker auf Kundenfang gegangen – sehr zum Ärger des Marktführers aus Leipzig. Denn beide setzen auf das gleiche Geschäftsmodell: Von Neugeborenen wird Nabelschnurblut bei minus 180 Grad eingelagert, um es später für medizinische Anwendungen nutzen zu können.

Verwaltung in Berlin wird geschlossen

Vita 34 unterhält sein zentrales Tiefkühllager in Leipzig, Seracell eine kleinere Anlage in Rostock. Allerdings konnte Seracell die hochfliegenden Ankündigungen, zügig am Marktführer vorbeizuziehen, nie einlösen. Mit der Übernahme hat Vita 34 die Gefahr aus dem Norden nun endgültig gebannt.

„Mit der Akquisition von Seracell erreichen wir ein neues Niveau in Bezug auf unsere Unternehmensgröße“, sagte der neue Vita-34-Chef Knirsch. „Die gestärkte Position wird es uns erlauben, neue Preismodelle zu entwickeln.“ Für Vita 34 sei das ein „äußerst attraktives Geschäft“. 40 000 Kunden kommen durch die Übernahme hinzu. Zusammen mit den 163 000 Kunden von Vita 34 steigt die Zahl damit erstmals auf über 200 000.

Das Tiefkühllager in Rostock will Vita 34 vorerst weiter betreiben. Nach LVZ-Informationen war zunächst auch ein Umzug nach Leipzig geprüft worden. Die Kapazitäten in Rostock wolle man aber für weiteres Wachstum behalten, sagte Knirsch jetzt. Auflösen will er dagegen bis Ende September die Seracell-Verwaltung, die in Berlin sitzt. Nach LVZ-Informationen betrifft das rund die Hälfte der insgesamt 56 Mitarbeiter der Firma.

Von Frank Johannsen

Leipzig Perlickstraße 5 51.319898 12.3971048
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