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Warum die Treuhand nicht an den Leipziger Konsum kam

Warum die Treuhand nicht an den Leipziger Konsum kam

Mai 1884 war die Geburtsstunde der Konsumgenossenschaft Leipzig. Heute vor 130 Jahren wurde sie ins Handelsregister eingetragen - damals noch als "Konsum-Verein für Plagwitz und Umgegend".

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Konsum-Vorstandssprecherin Petra Schumann.

Quelle: André Kempner

Der 8. Heute zählt das Unternehmen 844 Mitarbeiter und 71 Filialen; der Umsatz lag 2013 bei 107,4 Millionen Euro. Vorstandssprecherin Petra Schumann erklärt, wie sich die Genossenschaft behauptet und weshalb die Treuhand einst keinen Zugriff auf den Konsum hatte.

Frage: Kann man eigentlich noch Genossenschaftsanteile erwerben?

Petra Schumann: Ja. Der Pflichtanteil beträgt 100 Euro; eine Person kann bis zu 30 Anteile erwerben. Wir haben 31 000 Mitglieder. Die Entwicklung ist positiv. Wir haben unseren Mitgliedern vier Prozent Dividende ausgeschüttet und Rückvergütung gewährt.

Oft wird für Unternehmen die Organisationsform der Aktiengesellschaft gewählt, wenn es darum geht zu wachsen. Ist die Genossenschaft noch zeitgemäß?

Ja. Wir sind eine "Käufergenossenschaft" - viele Mitglieder sind auch unsere Kunden, also unsere Käufer. Wir arbeiten aktiv mit unseren Mitgliedern, wir bekommen von ihnen ein direktes Feedback und sind mit ihnen regional fest verwurzelt. Den Kontakt halten wir nicht nur über die regelmäßigen Vertreter-Versammlungen, sondern zum Beispiel auch über Weihnachtsfeiern. Wir sind aktiv mit unseren Mitgliedern im Gespräch und nehmen deren Hinweise sehr ernst.

Keine Nachteile?

Ich sehe vor allem die Vorteile, die sich aus der engen Bindung zu den Kunden und Mitgliedern ergeben. Weil nur 30 Anteile pro Mitglied gezeichnet werden können, kann nicht jemand kommen und die Mehrheit erwerben. Zu unserer Verwurzelung gehört auch unser Engagement in der und für die Region. Wir sind Sponsor des HC Leipzig, Gewandhaus-Partner, Classic-Open-Partner, haben einen Stifterbrief für das Völkerschlachtdenkmal und unterstützen die Kinderklinik der Universität Leipzig sowie die Abteilung Hämatologie und Onkologie mit unserer Aktion "Einander helfen". Unsere 71 Filialen pflegen Partnerschaften mit Kindergärten und Schulen, zum Beispiel über Projekte zur gesunden Ernährung. Diese Kontakte in unserer Umgebung sind uns wichtig. Unser Sommerfest an der Red-Bull-Arena ist ein Highlight für unser Unternehmen und die Stadt Leipzig.

Was sticht aus der Unternehmensgeschichte hervor?

Nach der Gründungsversammlung am 3. Februar 1884 im Restaurant "Zum Dampfschiff" und dem Eintrag ins Handelsregister am 8. Mai 1884 zunächst sicherlich die Eröffnung des ersten Ladengeschäfts in der heutigen Weißenfelser Straße. Den frühen Erfolg hat damals auch bewirkt, dass 1890 eine eigene Großbäckerei in Betrieb genommen wurde. Damals kam es in Leipzig zu größeren Industrieansiedlungen; viele Leute hatten keine Zeit mehr, sich ihr Brot selbst zu backen. Ein weiteres größeres Ereignis war die Einweihung der Konsumzentrale 1930. Die folgende Zeit wurde überstanden, weil die Nationalsozialisten auf die Kompetenzen der Konsum-Mitarbeiter in Sachen Beschaffung und Verteilung angewiesen waren. Leider haben sie es trotzdem geschafft, dass eine eigenständige Arbeit der Genossenschaft nicht möglich war. Doch die Genossenschaft wurde nicht zerschlagen - auch zu DDR-Zeiten nicht. Neben dem staatlichen Handel entwickelte sich die Konsumgenossenschaft positiv. Man brauchte auch das logistische Wissen der Mitarbeiter.

Wie ging es nach der Friedlichen Revolution weiter?

Wir haben nur überlebt und sind nicht zerschlagen worden, weil wir eine Genossenschaft waren. Unsere Mitglieder hielten Anteile an unserem Unternehmen. Damit waren wir ein "Privatunternehmen" und fielen nicht unter die Kontrolle der Treuhand. Wir standen da mit knapp 500 Filialen, 100 Gaststätten, 180 Non-Food-Filialen und 4800 Mitarbeitern. Es war eine schwierige Zeit voller Irrungen und Wirrungen. Wir konzentrierten uns auf Lebensmittel, konnten 1993 erstmals wieder schwarze Zahlen schreiben und die erste Filiale modernisieren. Heute umfasst unser Unternehmen 71 Filialen mit über 800 Mitarbeitern.

Die Lebensmittelbranche ist kein einfaches Terrain - wie haben Sie sich gegen die damals neue Konkurrenz durchgesetzt?

Wir haben immer eine Linie gehabt, im Mittelpunkt stehen Qualität, Frische, Mitglieder und Mitarbeiter. Discount ist nicht unsere Strategie. Gemeinsam mit unseren Mitarbeitern haben wir unser Unternehmen ständig weiterentwickelt, neue Supermärkte wurden gebaut, zum Beispiel in der Coppistraße, der Könneritzstraße und jüngst der Supermarkt Bachviertel. Unsere Supermärkte sind individuell, architektonisch im Wohngebiet integriert und haben ein Gesicht - geprägt durch die Filialleiter und ihre Teams.

Die Konsumgenossenschaft wächst. Gerade in ländlichen Regionen des Leipziger Umlands wünscht man sich eine Konsum-Filiale. Wie sind Ihre Pläne, wie geht es weiter?

Es gibt viele Anfragen, die wir leider abschlägig beantworten müssen, weil sich bestimmte Standorte nicht rechnen. Jeder mögliche Standort muss genauestens unter die Lupe genommen werden. Standortgutachten und Wirtschaftlichkeitsberechnung sind unter anderem Basis für die Entscheidung. Als Genossenschaft tragen wir Verantwortung für die Mitarbeiter, die zukunftsorientierte Ausrichtung am Markt und auch für die Mitglieder, die Anteile an unserem Unternehmen gezeichnet haben.

Ihr Schwerpunkt bleibt also Leipzig?

Ja, Leipzig und Umgebung. Wir sind in drei Bundesländern vertreten: Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Wir haben zum Beispiel Standorte in der Merseburger Fußgängerzone, in der Altenburger Innenstadt oder in Kohren-Salis.

Verraten Sie den nächsten Standort?

Zunächst feiern wir am 22. Mai die Wiedereröffnung des Supermarktes Bautzmannstraße. Und dann freue ich mich auf den neuen Standort Thomasiusstraße/Ecke Käthe-Kollwitz-Straße.

 

i130 Jahre Konsum - Die 25. Vertreterversammlung tritt am Sonnabend zusammen. Am 22. Mai wird der Supermarkt in der Bautzmannstraße wiedereröffnet. Das 21. Sommerfest steigt am 6. Juli an der Red-Bull-Arena. Am 13. September beteiligt sich der Konsum am Kids-Riesenkinderfest und öffnet am 14. September seine Zentrale zum Tag des offenen Denkmals. Am 7. November gibt es dort ein Weinfest.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.05.2014

Björn Meine

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