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Wirtschaft Regional Weiter keine Einigung bei Halberg Guss
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Weiter keine Einigung bei Halberg Guss
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21:15 24.07.2018
Das Leipziger Werk von Halberg Guss wird seit Mitte Juni bestreikt. Quelle: André Kempner
Frankfurt/Leipzig

So lange haben die Streitparteien bei Halberg Guss noch nie miteinander gerungen. Eine Einigung gab es aber auch am Dienstag in der inzwischen sechsten Verhandlungsrunde nicht. Nach fast acht Stunden gingen beide Seiten in Frankfurt am Main kurz vor 19 Uhr wieder ohne Ergebnis auseinander.

Es habe zwar eine leichte Annäherung gegeben, sagte Olivier Höbel, IG-Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen. Beide Seiten lägen aber weiterhin weit auseinander. „Das angebotene Volumen für Abfindungen und Transfergesellschaft liegt noch immer weit weg von unserer Forderung“, so Höbel. Ob und wann weiter verhandelt werden soll, blieb zunächst offen.

Belegschaft seit fast sechs Wochen im Streik

Auch nach sechs Wochen Dauerstreik in Leipzig und Saarbrücken zeichnet sich damit kein Ende des Ausstands ab. Halberg Guss hatte nach der Übernahme durch die Prevent-Gruppe angekündigt, das Leipziger Werk mit 700 Mitarbeitern Ende 2019 zu schließen, in Saarbrücken 300 der 1500 Jobs zu streichen. Grund: Weil Prevent seit Jahren mit VW im Clinch liegt, drohen die Wolfsburger, als Hauptkunde abzuspringen. Mit dem Ausstand will die IG Metall zumindest hohe Abfindungen durchsetzen.

Schon in den beiden vergangenen Wochen hatte beide Seiten am Verhandlungstisch gerungen, ebenfalls in Frankfurt. Da waren beide Seiten aber schon nach vier beziehungsweise fünf Stunden wieder auseinandergegangen. Vor einer Woche hatte es zumindest geheißen, es gebe eine erste Annäherung.

Unternehmen weist Forderung als „absurd hoch“ zurück

Die Gewerkschaft fordert für die vor dem Jobverlust stehenden Mitarbeiter eine Qualifizierungsgesellschaft und einen Treuhandfonds – sowie 3,5 Monatsgehälter Abfindung pro Beschäftigungsjahr. Das Unternehmen hat das als „absurd hoch“ zurückgewiesen.

Das Management bot stattdessen zuletzt 0,4 Monatsgehälter Abfindung pro Beschäftigungsjahr an – und blieb damit sogar noch hinter ihrem ursprünglichen Angebot von 0,6 Monatsgehältern zurück. Im Gegenzug wurde aber auf die Forderung nach einer Qualifizierungsgesellschaft eingegangen. Inwieweit hier nun noch einmal nachgebessert wurde, blieb zunächst offen.

Halberg-Guss-Kunden gehen die Motorblöcke aus

„In sechs Verhandlungen mussten wir feststellen, dass das Management den Arbeitskampf in unverantwortlicher Weise eskaliert hat“, kritisierte Höbel. „Die Wertschöpfungskette der deutschen Wirtschaft ist durch dieses unverantwortliche Handeln der Arbeitgeberseite akut bedroht.“ Denn inzwischen wird es auch bei den Abnehmern der Motorblöcke aus Leipzig und Saarbrücken immer enger.

Opel hatte schon im Juni in Eisenach die Werksferien vorgezogen und die Produktion von Corsa und Adam gestoppt. Jetzt musste auch der Kölner Motorenbauer Deutz wegen fehlender Motorblöcke aus Leipzig die Produktion drosseln. Wenn es nicht bald Nachschub gibt, droht sogar ein kompletter Produktionsstopp und Kurzarbeit, hieß es.

Deutz-Chef ruft zum Ende des Streiks auf

Um das zu verhindern, greift Deutz-Chef Frank Hiller inzwischen zu ungewohnten Mitteln: Vor gut einer Woche appellierte er per Youtube-Video an die Streikenden, den Ausstand zu beenden. Am Freitag legte er zusammen mit 25 Deutz-Kunden per Zeitungsannonce nach: „Setzen Sie diesem Wahnsinn ein Ende!“, hieß es in einer ganzseitigen Anzeige in der „Frankfurter Allgemeinen“.

Bei Leipzigs IG-Metall-Chef Bernd Kruppa sorgte das nur für Kopfschütteln: „Anstatt Geld für teure Anzeigen auszugeben, sollten die Kunden lieber ihren Einfluss nutzen und auf die Firmenleitung einwirken.“

Von Frank Johannsen

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