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Weniger Kunden in den Bankfilialen – das Netz wird weiter ausgedünnt

Sparkasse Leipzig Weniger Kunden in den Bankfilialen – das Netz wird weiter ausgedünnt

Niedrigzinsen und Digitalisierung setzen den Kreditinstituten kräftig zu. Vielerorts wird der Rotstift angesetzt und auf das veränderte Kundenverhalten verwiesen. Aussichten auf Besserung sind nicht vorhanden.

Viele Kreditinstitute schließen Filialen, auch die Sparkasse Leipzig. (Archivbild)

Quelle: André Kempner

Leipzig. Es herrscht gepflegte Langeweile. In manche Filiale der Sparkasse kamen in einer Stunde nur drei Kunden. Sie hoben Geld ab, druckten ihre Kontoauszüge. Hohe Kosten, wenig zu tun und somit nicht gerade motivierend für die beiden Mitarbeiter in der Geschäftsstelle. Zugetragen hat sich das in Tübingen. Mit der Folge, dass 14 von 53 Filialen vor zwei Jahren geschlossen wurden.

Ähnlich ist das Alltagsbild in einigen Filialen der Sparkasse Leipzig. Das größte regionale Geldhaus wird in elf Monaten 10 seiner 85 Filialen dicht machen. Das ist kein Einzelfall: Die Sparkassen Chemnitz, Mittelsachsen und Vogtland setzen ebenfalls beim Filialnetz den Rotstift an und folgen damit einem bundesweiten Trend. Die Hypovereinsbank hat 40 Prozent ihrer einst 600 Filialen geschlossen, die Deutsche Bank verabschiedet sich von 200 ihrer 700 Außenstellen. An ihren 1000 Standorten will die Commerzbank festhalten – sie hatte aber bereits im Zuge der 2009 erfolgten Übernahme der Dresdner Bank Einschnitte vorgenommen. Quer über alle Bankengruppen gab es vor zwölf Jahren noch 48.000 Filialen, Ende 2015 waren es nur noch 34.000.

Die Bundesbank hält das für eine logische Folge. Angesichts der Niedrigstzinsen müssten die Geldhäuser ihre Kosten senken. „Dabei darf es keine Tabus geben“, sagt Notenbank-Vorstand Andreas Dombret. Oben drauf kämen die demografische Entwicklung und die Digitalisierung. Mit der Konsequenz, dass immer weniger Kunden die Geschäftsstellen besuchen und stattdessen Onlinebanking machen. Die Sparkassen verweisen darauf, dass ihre Kunden im Schnitt nur noch einmal pro Jahr in die Filiale kommen, die App auf dem Smartphone aber 200 Mal aufrufen. „Auf dieses veränderte Kundenverhalten müssen wir reagieren“, betont Sparkassen-Verbandspräsident Georg Fahrenschon. „Das sind auch unsere Erfahrungen“, bestätigt Frank Steinmeyer von der Sparkasse Leipzig.

250.000 Euro für eine kleine Filiale

„Es geht kein Weg an einer Ausdünnung des Filialnetzes vorbei“, meint Horst Gischer, der an der Universität Magdeburg Finanzwirtschaft lehrt. Eine kleine Filiale im ländlichen Raum etwa, so der Professor, koste mindestens 250.000 Euro im Jahr. Der größte Brocken seien die Personalaufwendungen, denn es sei vorgeschrieben, dass jede Geschäftsstelle mit mindestens zwei Beschäftigten zu besetzen ist. Hinzu komme, dass die Sparkassen 80 Prozent ihrer Gewinne durch den Zinsüberschuss einfahren, bei den Banken liege diese Quote bei 65 Prozent. Sie verleihen Geld zu relativ hohen Zinsen und zahlen Anlegern relativ wenig. Die Niedrigzinsen haben diese Spanne arg schrumpfen lassen.

Gerade im ländlichen Raum, der Domäne der Sparkassen, sorgen Filialschließungen für Unmut, speziell bei älteren Menschen, die nichts mit Onlinebanking am Hut haben. Sie müssen lange Wege auf sich nehmen, um eine Überweisung zu tätigen oder Geld abzuheben. „Wir stellen seit 20 Jahren eine Entvölkerung der peripheren Regionen fest“, sagt Gischer. In vielen Dörfern gebe es keinen Tante-Emma-Laden mehr, keinen Arzt und nun auch keine Sparkasse. Aussichten auf Besserung sind nicht vorhanden. Die Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group rechnet damit, dass in den nächsten vier Jahren die Zahl der Filialen um bis zu 40 Prozent sinken wird.

Ulrich Milde

Leipzig 51.339695 12.373075
Leipzig
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