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Wirtschaft Regional Wer gibt nach im Tarifstreit am Frankfurter Flughafen?
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17:56 26.02.2012
Fraport steckt beim Tarifstreit am Frankfurter Flughafen in der Klemme. Der Arbeitskampf von nur 200 Vorfeldmitarbeitern droht zum Dauerkonflikt zu werden. (Symbolfoto) Quelle: dpa
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Frankfurt

Ohne Gesichtsverlust scheint keine der beiden Seiten mehr aus der Sache zu kommen. Es könnte ein längerer Poker werden, da auch schon ein Schlichterspruch nicht geholfen hat. Für die Fluggesellschaften wird der Ausstand teuer.

Der Flughafenbetreiber Fraport fürchtet um den innerbetrieblichen Tariffrieden. Gibt er den hohen Forderungen der Gewerkschaft nach, wollen auch andere die Hand aufhalten. Das hat etwa die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi bereits angekündigt. „Verdi wird dann, zur Wiederherstellung der Tarif- und Eingruppierungsgerechtigkeit in der Fraport AG, in vergleichbaren Tätigkeitsfeldern gleiche Einkommenssteigerungen fordern“, heißt es in einem Schreiben der Gewerkschaft an das Unternehmen. Dann könnte es erst recht zu massiven Konflikten kommen.

Auf der anderen Seite sind da die Fraport-Kunden - die Fluggesellschaften. Sie verlieren Millionen Euro durch jeden weiteren Tag des Arbeitskampfes. Für die Lufthansa etwa ist der größte deutsche Flughafen in Frankfurt das wichtigste Drehkreuz.

Lufthansa bezifferte den Umsatzverlust an den bisherigen Streiktagen auf eine hohe zweistellige Millionensumme. Die Airline stellt sich aber demonstrativ an die Seite des Flughafenbetreibers. Der Streik der „Kleinst-Gewerkschaft“ sei unverhältnismäßig - Leidtragende seien vor allem die Fluggäste.

Weil Fraport inzwischen eigens geschulte Ersatz-Teams für das Vorfeld bereitstellen kann, haben die Streiks allerdings an Schrecken verloren - etwa 80 Prozent der Flüge sollen auch in den kommenden Tagen wie geplant abgewickelt werden. Dennoch dürfte der Ausstand die Nerven der Reisenden strapazieren.

Die GdF will am Montag über eine noch härtere Gangart beraten. Zunächst hat sie einen Arbeitskampf von Sonntagabend bis zum frühen Donnerstagmorgen ausgerufen. Auch frühere Aktionen waren bislang befristet. Das könnte sich ändern. Die GdF will künftige Streiks nicht mehr unbedingt mit 24 Stunden Vorlauf ankündigen. Begründung:

Die Fraport habe sich auch nicht an Zusagen gehalten.

Was die Gewerkschafter zornig macht: Bei den Tarifverhandlungen habe Fraport zuletzt ein neues Angebot vorgelegt, das hinter frühere Angebote zurückgefallen sei, zeigt sich GdF-Bundesvorstand Markus Siebers empört. „Die größte Farce ist, dass man für die Vorfeldaufsicht überhaupt nichts vorgelegt hat.“ Zu dem Bereich gehört etwa die Hälfte der 200 Beschäftigten, um die es in dem Tarifkonflikt geht.

Die Situation habe sich durch den Streik geändert, heißt es dagegen bei der Fraport über das veränderte Angebot. Und die Mitarbeiter der Vorfeldaufsicht blieben selbstverständlich im Haustarif des Unternehmens. Aber: Er könne nicht zulassen, dass eine zwar wichtig, aber ungelernte Tätigkeit „besser bezahlt wird als bei uns der Ingenieur oder der Architekt oder der Facharbeiter und Meister in den Werkstätten“, betont Fraport-Arbeitsdirektor Herbert Mai.

Jan Brinkhus, dpa

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