Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Regional Wie Uwe Hück verhinderte, dass der erste E-Porsche aus Leipzig kommt
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft Regional Wie Uwe Hück verhinderte, dass der erste E-Porsche aus Leipzig kommt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:11 07.02.2019
Der erste Elektro-Porsche Taycan kommt mit 600 PS und 500 Kilometern Reichweite – und soll vor allem US-Branchenpionier Tesla Kunden abjagen Quelle: Porsche
Leipzig

Mit großem Bahnhof ist er am Dienstag im Leipziger Porsche-Werk verabschiedet worden: Anderthalb Stunden ruhte die Produktion, damit sich der scheidende Gesamtbetriebsratschef Uwe Hück von den Mitarbeitern verabschieden konnte. Denn es war nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass 1999 der Zuschlag für das neue Werk für den Porsche Cayenne nach Sachsen ging und nicht – wie von VW geplant – nach Bratislava. Und er hatte sich auch dafür stark gemacht, dass danach auch Panamera und Macan nach Leipzig gingen – und das Werk jeweils kräftig ausgebaut wurde.

Doch bei einer wichtigen Zukunftsentscheidung war es ausgerechnet Hück, der den Zuschlag an Sachsen verhinderte: Der erste E-Porsche Taycan, der noch in diesem Jahr anlaufen soll, wird nicht in Leipzig, sondern in Stuttgart gebaut. Dabei, so berichtet nun die „Eßlinger Zeitung“ unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten ehemaligen Weggefährten Hücks, hatte das Unternehmen eigentlich geplant, den Stromer wie schon die vorherigen neuen Modelle in Leipzig zu bauen.

Porsche-Chef favorisierte Leipzig

Noch bei der Premiere der Studie des Stromers, damals noch „Mission E“ genannt, im September 2015 auf der Automesse IAA in Frankfurt am Main hatte der heutige Porsche-Chef Oliver Blume der LVZ gesagt, er könne sich gut vorstellen, das Modell in Sachsen zu bauen. „Leipzig hat gute Chancen.“

Blume war damals noch Produktionsvorstand, verbrachte jede Woche zwei Tage im Leipziger Werk, das damals gerade für den Panamera ausgebaut wurde. Wenig später spülte der Diesel-Skandal ihn dann an die Porsche-Spitze: Weil sein Chef Matthias Müller in Wolfsburg VW-Boss Martin Winterkorn ersetzen musste, rückte in Stuttgart Blume nach.

Als im Zuge des Diesel-Skandals die Entwicklung des E-Porsche dann forciert wurde, plante Blume als neuer Porsche-Chef dann in der Tat, dafür erneut das Werk in Leipzig auszubauen – wie bereits bei den letzten drei Neuzugängen Cayenne, Panamera und Macan. Doch dieses Mal legte der mächtige Betriebsratschef sich quer.

Hück boxte Stuttgart durch

Nachdem zuletzt immer in Sachsen investiert wurde, sei nun mal wieder das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen dran, polterte Hück damals gegenüber der LVZ. Grund: In der Stuttgarter Stammbelegschaft wuchs zunehmend der Unmut, dass immer nur in Leipzig investiert wurde. Und gerade der E-Sportwagen wurde als unverzichtbar angesehen für die Zukunft der Produktion am Stammsitz. Mit einem spektakulären Deal boxte Hück dann durch, dass die neue E-Auto-Produktion nicht in Leipzig entstand, sondern in Stuttgart.

Direkt neben dem beengten Stammwerk, das seit Jahren aus allen Nähten platzt, wurde auf einem zugekauften Nachbargrundstück eine neue Fabrik hochgezogen. Die Mitarbeiter verzichteten dafür auf eine Teil ihrer Tariferhöhung, im Gegenzug flossen die fast zwei Milliarden Euro für den Ausbau nicht nach Leipzig, sondern nach Stuttgart. Und auch die 1200 neuen Jobs entstehen dort und nicht in Sachsen.

Verkauf startet 2020

Zu kaufen gibt es den Taycan ab 2020. Wenig später soll auch eine höher gelegte Crossover-Variante folgen, die 2018 in Genf gezeigte Studie Cross Turismo. 20.000 Stück will Porsche schon im ersten Jahr absetzen, später sollen es 40.000 werden – und das bei einem Preis, der niedriger als befürchtet ausfallen wird: Statt bei 100 .000 Euro aufwärts, wie zunächst angenommen, soll der Einstiegspreis unter 90.000 Euro liegen, hieß es zuletzt.

Inzwischen hat Porsche-Chef Blume angekündigt, auch Leipzig für E-Modelle fit zu machen. „Ich sehe da eine sehr gute Perspektive, in Zukunft E-Fahrzeuge nach Leipzig zu bringen“, sagte er im vergangenen März der LVZ. Im Gespräch ist vor allem eine Elektro-Version des nächsten Macan, der 2021 oder 2022 kommen soll. Für die Leipziger Belegschaft hatte Hück in seiner Abschiedsrede denn auch eine gute Nachricht dabei: Vorstand und Betriebsrat arbeiteten gerade an einer Lösung, damit auch nach der Umstellung auf E-Autos der Standort Leipzig weiter ausgelastet sei.

Von Frank Johannsen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf dem Leipziger Messedoppel Intec und Z könnten erneut Firmen aus Mitteldeutschland punkten: Drei der vier Preise, die auf der Messe verliehen wurden, blieben in der Region. Erstmals wurde auch ein Zulieferer ausgezeichnet.

07.02.2019

Der Start des russischen Discounters Mere in Leipzig war turbulent: Schon nach fünf Tagen ging dem Laden die Ware aus. Jetzt steht der zweite deutsche Standort der neuen Kette fest. In Zwickau zieht der Discounter erneut in ein kleines Einkaufszentrum ganz am Stadtrand.

07.02.2019

Zwölf Monate lang wurde am Leipziger Martin-Luther-Ring gearbeitet – am Mittwoch war es dann soweit: Die sanierte Geschäftsstelle der Deutschen Bank wurde offiziell an Filialdirektorin Ellen Bischoff und deren Team übergeben.

06.02.2019