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Wirtschaft Regional Wirtschaftsminister Gabriel pocht in Leipzig auf Ausbau der Stromnetze
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18:28 07.08.2014
Der Vorstand der Strombörse EEX, Peter Reitz (r), und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Quelle: dpa
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Leipzig

Es sei ein Mythos zu sagen, es würden keine zentralen Trassen gebraucht, sagte Gabriel am Donnerstag bei einem Besuch der Energiebörse EEX in Leipzig. Er sei für so viel dezentrale Versorgung wie möglich, aber auch für so viel zentrale Versorgung wie nötig.

Potenziale für die Energiewende sieht Gabriel in der Speicherung überschüssiger Energie in Form von Wasserstoff - der bei Erzeugung aus Erneuerbaren Energien auch „grüner“ Wasserstoff genannt wird. „Es wird ein zentraler Bestandteil der Energiewende werden“, sagte Gabriel beim Besuch eines Pilotprojekts in Teutschenthal bei Halle. 

Der Energieversorger VNG und eine Reihe weiterer Firmen und Forschungseinrichtungen loten dort Möglichkeiten aus, Wasserstoff in bisherigen Erdgas-Kavernen zu speichern. Dann könnte in Zeiten von starkem Wind oder Sonne überschüssiger Strom aus Windparks und von Solaranlagen zur Produktion von Wasserstoff genutzt und dieser dann unterirdisch gelagert werden.  Je nach Energiebedarf stünde dann Wasserstoff - oder weiterverarbeitet Methan - zur Verfügung. „Wir sind, was die technologische und vor allem auch die wirtschaftliche Nutzung angeht, noch ein paar Jahre davon entfernt, aber umso wichtiger ist es, dass das Projekt beginnt“, sagte Gabriel. 

Gabriel betonte, Deutschland verfüge bereits über ein gutes Netz an Erdgaspipelines und -speichern. Nach Angaben des Geschäftsführers der VNG Gasspeicher GmbH, Volker Busack, können in Deutschland derzeit insgesamt rund 22 Milliarden Kubikmeter Erdgas gespeichert werden. Damit werden unter anderem saisonale Schwankungen ausgeglichen.

Extra-Hilfen für Kraftwerke?

Gabriel sagte bei seinem Besuch in Leipzig weiter, es würden in bestimmten Bereichen unterirdische Trassen gebraucht sowie Alternativen, die „die Bürger nicht regelmäßig auf die Bäume treiben“. Man könne ein Land wie Deutschland mit dieser Industrialisierung und 80 Millionen Menschen ohne eine zentrale Energieversorgung nicht erfolgreich halten. EEX-Chef Peter Reitz sprach sich zudem für Extra-Hilfen für Kraftwerke aus, die anders als die Erneuerbaren Energien rund um die Uhr Strom liefern können. Gerade Gaskraftwerke rechnen sich kaum noch, werden allerdings vor allem im Winter zur Sicherung der Versorgung gebraucht.  

Zugleich widersprach Gabriel Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU), die zuletzt erklärt hatte, eine Trasse durch Thüringen sei vom Tisch und der Protest habe sich ausgezahlt. „Frau Lieberknecht hat mich nicht richtig verstanden“, sagte Gabriel in Teutschenthal. Die bisher von Sachsen-Anhalt über Thüringen nach Bayern geplante Trasse soll eine der „Hauptschlagadern“ der Energiewende werden - aber gerade in Bayern und Thüringen hatte sich massiver Protest gegen den geplanten Verlauf geregt.

Gabriel erklärte, die Kritik basiere vor allem darauf, dass die Trasse an einem Braunkohlestandort und nicht an einem Windstromstandort beginnen sollte. Inzwischen ist allerdings ein Trassenbeginn weiter nördlich im Gespräch, um die Windenergie aus dem Ostseeraum einspeisen zu können. Ob die neue Trasse Thüringen durchqueren wird, ließ Gabriel offen. „Ich habe keine Karte mit.“

Rochus Görgen und Gitta Keil, dpa

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