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Wut in Leipzig, Görlitz und Erfurt: Protestwelle gegen Siemens-Pläne

Drohende Werksschließungen Wut in Leipzig, Görlitz und Erfurt: Protestwelle gegen Siemens-Pläne

Die Siemens-Beschäftigten haben mit Wut und Enttäuschung auf die geplanten Standortschließungen reagiert. Vor allem in Sachsen, wo mit Leipzig und Görlitz gleich zwei Standorte dicht machen sollen, gibt es Widerstand. Fast ein Drittel der 3300 Stellen, die bundesweit wegfallen sollen, entfällt allein auf Sachsen.

Die Mitarbeiter des Siemens-Werks in Leipzig-Plagwitz wehren sich gegen die Schließung.

Quelle: dpa

Leipzig/Erfurt/Görlitz. Bei Belegschaftsversammlungen, auf denen die Werksleitungen über die Maßnahmen informierten, gab es bundesweit Protest von den Mitarbeitern – auch in Leipzig. Im Versammlungssaal protestierten sie am Freitagvormittag gegen die Pläne – und warben mit Plakaten für ihre Kampagne zum Erhalt des Standorts.

In Erfurt hatten gut 500 Mitarbeiter des dortigen Generatorenwerks die Versammlung sogar vorzeitig verlassen. „Sie sind hochgradig enttäuscht von der angekündigten Planung und können das in keinster Weise nachvollziehen“, sagte Betriesratschef Mario In der Au. Die Geschäftsleitung hatte sie zuvor über zwei Optionen für das Werk informiert: einen Verkauf oder Personalabbau inklusive Produktverschlankung. Bernd Spitzbarth von der IG Metall sprach von „weit mehr als 200 Stellen“, die in diesem Fall gestrichen werden sollten.

Bereits in der Nacht zu Freitag hatte es in Görlitz Protest gegeben. Dort sind vom Aus des Dampfturbinenwerks sogar mehr als 700 Mitarbeiter betroffen. Am Abend nach der Hiobsbotschaft versammelten sich mehrere Dutzend Angestellte vor dem Werk zu einer Art Mahnwache.

Die Gewerkschaft will die drohende Schließung Leipzig-Plagwitz nicht hinnehmen: „Es kann nicht sein, dass Versäumnisse des milliardenschweren Konzerns auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden“, schimpfte Leipzigs IG-Metall-Chef Bernd Kruppa. Den „kreativen Widerstand“ gegen die Schließungspläne will er fortsetzen. Zugleich werden Betriebsrat und Gewerkschaft weiter intensiv an einem Alternativkonzept für den Standort arbeiten. „Das zeigt die hohe Motivation der Beschäftigten.“ Dem Unternehmen bot er einen „konstruktiven Dialog“ an.

Die 270 Mitarbeiter in Plagwitz reagierten geschockt auf die Ankündigung, das Werk zu schließen. Eigentlich sehen sie sich gar nicht als Teil der kriselnden Kraftwerkssparte. „Wir waren total überrascht, als wir hörten, dass wir dort dazu gehören“, sagte Betriebsratsvize Stefan Schulze (35). Das Werk ist eigentlich auf Einwellen- und Getriebeverdichter spezialisiert, die etwa in Chemie- und Stahlwerken oder in Raffinerien zum Einsatz kommen. „Wir sind Spezialmaschinenbauer. Das ist unser Brot-und-Butter-Geschäft.“ Und das sei auch immer profitabel gewesen.

Das Werk gehört erst seit 2006 zu Siemens. Mit Kraftwerken hatte der Standort, einst VEB Pumpen- und Gebläsewerk (PGW), bis dahin nichts zu tun. Erst mit dem Siemens-Einstieg sei man überhaupt in das jetzt kriselnde Geschäftsfeld eingestiegen. Nach wie vor spielt es aber nur eine Nebenrolle: Von 162 Aufträgen der vergangenen sieben Jahre entfielen nur fünf auf Kraftwerke, berichtet Schulze.

Darunter war aber ein Großauftrag aus Ägypten, der das Werk 2016 sechs Monate lang auslastete – und am Ende einen dicken Verlust hinterließ. Das zuvor profitable Werk rutschte dadurch 2016 erstmals in die roten Zahlen. Dabei sei man auf das unprofitable Kraftwerksgeschäft überhaupt nicht angewiesen, sagte Schulze. „Wir haben genug andere Aufträge, um das auszugleichen.“ Wegen des Ägypten-Projekts waren sogar andere Aufträge liegen geblieben.

Rückendeckung erhielten die Plagwitzer von Michael Hellriegel, dem Betriebsratsvorsitzenden der Siemens-Fabrik im Ortsteil Böhlitz-Ehrenberg. „Ich sehe gute Chancen, Plagwitz zu erhalten, wenn die Arbeitgeberseite bereit ist, sich auf einen konstruktiven und ergebnisoffenen Dialog und entsprechende Zusammenarbeit einzulassen.“ Seine eigene Fabrik stand vor vier Jahren auf der Kippe. Mithilfe eines Alternativkonzeptes wurde der Standort gerettet. Damals schrumpfte die Belegschaft von 415 auf 268 Mitarbeiter. Aktuell sind es bereits wieder 330 Beschäftigte. 17 Auszubildende und zahlreiche Zeitarbeitskräfte kommen oben drauf.

Von Ulrich Milde und Frank Johannsen (mit dpa)

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