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Wirtschaft Regional Zement-Fusion in Sachsen-Anhalt auf der Kippe – Kartellamt schaltet sich ein
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20:15 07.06.2017
Zementwerk Karsdorf  Quelle: Opterra
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Bonn/Karsdorf

 Schon im Februar hatten die Leipziger Opterra-Gruppe und Konkurrent Schwenk den Verkauf des Standorts Karsdorf (Burgenlandkreis) vereinbart. Doch jetzt könnte er doch noch scheitern – am Bundeskartellamt. Das befürchtet offenbar eine zu große Marktmacht in Mitteldeutschland – und will sich die geplante Übernahme genauer ansehen.

Das Problem: Mit dem Kauf des Zementwerks Karsdorf (235 Mitarbeiter) würde Schwenk zum Alleinanbieter in Sachsen-Anhalt. Denn die Gruppe hat schon ein Werk in Bernburg – und weitere gibt es in dem Bundesland nicht. In ganz Mitteldeutschland finden sich laut Verein Deutscher Zementwerke nur zwei weitere Standorte, beide in Thüringen.

„Wir haben in dem Fall am 1. 6. 2017 das Hauptprüfverfahren eingeleitet“, erklärte Michael Detering vom Bundeskartellamt am Mittwoch auf LVZ-Anfrage. Das ist zwar noch kein Verbot, aber doch ein ungewöhnlicher Schritt. Denn 99 Prozent aller Firmenübernahmen winkt die Behörde im Schnellverfahren durch, meist innerhalb von ein bis zwei Wochen. Maximal einen Monat darf sich die Behörde dafür Zeit lassen – und der war bei der am 3. Mai beantragten Zement-Übernahme jetzt um.

Prüfung läuft jetzt bis 4. September

Mit dem jetzt eröffneten Hauptprüfverfahren hat das Amt noch einmal drei Monate Zeit, sich die Sache genau anzusehen. Neuer Stichtag ist der 4. September. „Ein förmliches Hauptprüfverfahren wird eingeleitet, wenn wir eine vertiefte Prüfung für erforderlich halten“, erläuterte Detering. Zum konkreten Fall wollte er sich nicht äußern. „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, können wir aktuell keine Details nennen.“

Das Verfahren wird selten angewendet: Von den 1229 Fusionen, die 2016 angemeldet wurden, hat das Amt 1219 ohne große Prüfung genehmigt. Nur in zehn Fällen wurde 2016 ein Hauptprüfverfahren eingeleitet. Fünf wurden am Ende doch noch genehmigt, eine weitere unter Auflagen gebilligt. Vier Übernahmen scheiterten dagegen – weil die Firmen die Anträge zurückzogen.

Standort gehörte bis 2014 zu Lafarge

Das Zementwerk in Karsdorf hatte bis Ende 2014 zum französischen Baustoffkonzern Lafarge gehört. Der hatte den einstigen VEB 1992 von der Treuhand übernommen. Der Ausstieg erfolgte nach 22 Jahren eher unfreiwillig: Im Zuge der Fusion mit dem Schweizer Konkurrenten Holcim drängte die europäische Wettbewerbsbehörde auf einen Verkauf von Unternehmensteilen, darunter mehrere Standorte in Deutschland – inklusive Karsdorf.

Schon damals soll Schwenk-Zement Interesse an dem Werk gezeigt haben. Lafarge wollte aber nur im Paket verkaufen. Den Zuschlag erhielt am Ende der irische Baustoffkonzern CRH. Der legte die Standorte unter dem Kunstnamen Opterra zusammen. Die Zentrale der neuen Tochter wurde in Leipzig angesiedelt.

Opterra-Gruppe würde deutlich schrumpfen

Der Verkauf des größten Werks in Karsdorf würde für die Opterra-Gruppe eine deutliche Schrumpfkur bedeuten: Von den rund 400 Mitarbeitern würde mehr als die Hälfte zu Schwenk wechseln: 235 in Karsdorf, weitere 20 in Sötenich.

Bei Opterra blieben neben der Leipziger Zentrale mit ihren 30 Mitarbeitern zwei Fabriken in den alten Ländern: Das Betonwerk Neufahrn in Bayern (30 Mitarbeiter) und das Zementwerk Wössingen in Baden-Württemberg. Das ist aber deutlich kleiner als der bisherige Schwesterbetrieb in Karsdorf: 115 Mitarbeiter produzieren in Wössingen 800 000 Tonnen Zement pro Jahr.

In Karsdorf liegt die Kapazität dreimal so hoch – bei 2,3 Millionen Tonnen. Zu DDR-Zeiten waren es sogar mehr als vier Millionen Tonnen.

Von Frank Johannsen

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