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Wirtschaftszeitung Der Sektkönig: Rotkäppchen-Mumm Geschäftsführer Christof Queisser
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14:48 26.07.2018
Will Rotkäppchen-Mumm auf Wachstumskurs halten: Firmenchef und Hobbykoch Christof Queisser. Quelle: ©Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH
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Ein Geschäftsessen in einem Restaurant im norditalienischen Städtchen Valdobbiadene. Christof Queisser sitzt nicht, wie man es erwarten könnte, an der Mitte des Tischs, sondern am Rande. Fast, als sei er ein geduldeter Zuhörer und nicht der Chef von Rotkäppchen-Mumm, der mit Führungskräften des vor gut einem Jahr übernommenen Premium-Prosecco-Produzenten Ruggerie und ausländischen Gästen diniert. Der 48-Jährige lauscht der Unterhaltung, bringt sich auch ein, führt aber nicht das große Wort. In der Ruhe liegt offenkundig seine Kraft, denn zu sagen hat er eine ganze Menge.

Vor allem im führenden bundesrepublikanischen Sekthersteller mit Sitz in Freyburg an der Unstrut schon kraft seines Amtes, das er seit August 2013 ausübt. Er ist Vorsitzender der dreiköpfigen Geschäftsführung und verantwortet die Bereiche Marketing, Vertrieb sowie die internationalen Aktivitäten. Der Nachfolger des im Traditionsunternehmen fast schon legendären Gunter Heise, der Rotkäppchen nach dem Ende der DDR-Zeit wiederbelebte und in ungeahnte Höhen führte, hat kein Problem, die Leistungen seines Vorgängers anzuerkennen.

"Der Mut nach der Wende, Rotkäppchen zu kaufen, verdient Respekt"

„Der Mut nach der Wende, Rotkäppchen per Management-Buy-out und mit Unterstützung der Familie Eckes zu kaufen, verdient auch heute noch höchsten Respekt“, sagt Queisser. Dieses Handeln sei vorbildlich. Und der Chef hat auch gleich Zahlen parat, um seine Argumentation zu untermauern – nicht auf einem Zettel, sondern im Kopf. „1993 wurde ein Umsatz von 15 Millionen D-Mark erwirtschaftet“, berichtet er. Im vorigen Jahr waren es 950 Millionen Euro. Ein fast unglaubliches Wachstum, eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte wie aus dem nicht vorhandenen Wiedervereinigungs- Lehrbuch.

Queisser sagt, er sei fest davon überzeugt, dass „auch andere Ost-Betriebe und Marken eine realistische Chance gehabt hätten, heute gesamtdeutscher Marktführer zu sein“. Doch die Privatisierungsbehörde, die Treuhand, setzte zu stark auf zu rasche Privatisierung.

Sein Wechsel vom niedersächsischen Fleisch- und Wursthersteller Zimbo zu Rotkäppchen-Mumm geschah „ganz klassisch“. Er bekam einen Anruf, führte Gespräche und musste nicht lange überlegen. „Es war eine große Chance, zu Rotkäppchen zu gehen.“ Ausschlaggebend seien wohl auch seine Branchenkenntnisse gewesen. Queisser war unter anderem beim Unilever-Konzern und bei Tengelmann tätig gewesen, dort als Manager für Sekt, Wein und Spirituosen. Also alles das, was Rotkäppchen-Mumm anbietet, denn Markenweine wie Blanchet oder Nordhäuser Korn gehören ebenfalls dazu.

Quelle: ©Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien GmbH

Familienvater und Genussmensch

Der verheiratete Vater von zwei Töchtern genießt es förmlich, in einem Familienunternehmen zu arbeiten. „Ihr großer Vorteil ist, dass sie langfristig denken, oft über Generationen hinweg.“ Ergo könne sehr strategisch gearbeitet werden.

In der heutigen schnelllebigen Zeit gebe es das immer seltener. Den Kurs langfristig auszurichten sei das Erfolgsgeheimnis von Rotkäppchen. Quartalsberichterstattung, wie in an der Börse notierten Konzernen an der Tagesordnung, „ist mir fremd, das ist auch nicht zielführend“. Durch Entlassung von Beschäftigten etwa können zwar auf die Schnelle Kosten gesenkt und der Bonus des Vorstandsvorsitzenden gesteigert werden. „Die langfristige Ausrichtung wirkt um ein Vielfaches höher als die kurzfristig erhaschten Vorteile“, hält der studierte Betriebswirt dem entgegen.

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Klar ist für Queisser, dass die gegenwärtige Diskussion über Vorstandsgehälter in hoher einstelliger oder gar zweistelliger Millionenhöhe geführt werden muss. „Gehälter müssen sich immer im Rahmen bewegen“, mahnt er. Das auf manchen Managerebenen gut gezahlt werde, sei durchaus legitim. Der Rahmen sei bei dem, was man in der Presse lesen könne, nicht immer gegeben. Aber es handele sich um Einzelfälle. „In den meisten Unternehmen, im Handwerk, im Mittelstand, wird ganz normal bezahlt, und dort machen sehr sehr Viele einfach einen guten Job.“

Seine eigene Zukunft sieht er weiterhin bei Rotkäppchen. Dabei weiß der begeisterte Skifahrer, der hohes Tempo gewohnt ist, dass das rasante Wachstum der vergangenen Jahre nicht fortgeschrieben werden kann. „In dieser Geschwindigkeit wird das nicht weitergehen.“ Aber das sei auch nicht erstrebenswert, denn „wir wollen nachhaltig wachsen“. Ziel sei, dass Rotkäppchen auch in zehn Jahren Marktführer beim Sekt sein werde und ein „stabiles, zukunftsorientiertes Unternehmen ist, das sichere Arbeitsplätze bietet“.

Zum Abschluss des Abendessens in Italien bestellt Queisser sich einen Magenbitter. „Ich bin ein Genussmensch.“ Zuhause kocht er auch gerne, vom dampfgegarten Fisch bis zu Spaghetti. Was man ihm nicht ansieht, denn mit dem Mountainbike hält er sich fit. Daheim gelte in der Küche zwischen ihm und seiner Frau eine Regel: Der eine kocht, der andere macht den Abwasch. Queisser: „Da koch ich lieber.“

Von Ulrich Milde

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