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12:51 12.07.2018
Treibt ihren Sport in Sachsen voran: Laura Quiring (dunkles Shirt) auf ihrem Polo-Pony. Quelle: Frank Schmiedel

Laura Quirings Erfahrung entspricht haargenau jener Statistik, welche die passionierte Spielerin vor Kurzem gelesen hat. „Einige der Beginner sind so motiviert, dass sie sich schon komplett ausgerüstet haben – dabei hatten sie noch keine Trainingseinheit“, freut sich die Chefin des Vereins Polo Liga Sachsen e.V. über so viel Enthusiasmus.

Knapp 1300 Euro kostet eine Einsteigerausrüstung, für ein solches Investment muss man die erfolgreiche Karriere als Hobby-Spieler schon genau vor dem inneren Auge haben. Aber Technik, Tempo und Adrenalin machen den Sport für Viele interessant.

Fokussiert geht auch die 36-Jährige vor, wenn es um die Etablierung des rasanten Reitsports in Leipzig geht. Sie erweiterte den Verein und die zugehörige Polo-Schule QVision Polo, bisher in Grimma beheimatet, um den Standort Böhlitz-Ehrenberg. Das weitere Schicksal des Standorts Grimma hängt vom Vorgehen des dortigen Vermieters ab, der den Vier-Seiten-Hof nicht in einem Zustand hat erhalten können, in der ein ordnungsgemäßer Polo-Betrieb möglich war, so Quiring: „Wir sind von der Stadt Grimma mit offenen Armen aufgenommen worden und erhielten zu jedem Zeitpunkt Unterstützung, so wurde der Standort sogar in die Sportstättenleitplanung aufgenommen, um sie förderfähig zu machen und als Pferdesportzentrum für Polo aufbauen zu können. Leider stockt dieses Vorhaben aber derzeit aufgrund der Gesprächssituation mit dem Eigentümer“, erklärt sie.

Anders ist die Situation in Gundorf, wo „QVision Polo“ seit Anfang 2018 einen weiteren Pflock eingeschlagen hat. Quiring berichtet: „Die neue sportliche Heimat ist super, wir können nun mehr Menschen aus dem Großraum Leipzig-Halle für unseren Sport begeistern.“ Auf Gundorf hat sie nun einen fünf Hektar großen Bereich in Pacht. Infrastrukturell sei der Standort gut gelegen, die Nähe zu zwei Autobahnen und zum Flughafen in Schkeuditz erleichtere den Transport der Reittiere und das Reisen. Für Polo-Interessierte aus Leipzig bedeute das auch, ohne Auto nach Gundorf kommen zu können. „Die Haltestelle des ÖPNV ist gerade mal 300 Meter entfernt.“ Auch Halle und der Saalkreis rücken in Schlagweite der sächsischen Polofreunde, bei staufreier A14 sei die Fahrt zum Training zeitlich locker machbar.

"Unsere Polo-Pläne für Gundorf sind realisitisch und durchführbar", sagt Laura Quiring. Quelle: Frank Schmiedel

In Gundorf fange sie mit dem Projekt „Polo in Leipzig“ bei Null an, gibt die resolute Quiring zu, die ihr Geld als Beraterin in der Energiebranche verdient. „Jedoch weiß ich durch die Erfahrungen in Grimma,dass unsere Pläne realistisch und durchführbar sind.“ Allerdings stehen vor den Toren Leipzigs eine Reihe von Umbauten und Anpassungen an, damit Polo hier regelkonform gespielt werden kann. Über Unterstützung für den Verein würde sich die tatkräftige Frau selbstverständlich immer freuen, auch über konkrete Sponsorings durch Unternehmen und finanzstarke Pferdesportfreunde: „Ich denke, dass Polo attraktiv für gezieltes Marketing in einigen Zielgruppen ist, die in der Region Leipzig zweifellos existieren.“ Individuelle Werbemöglichkeiten seien auf dem Platz sowie an Pferd und Spieler en masse gegeben.

Nicht allein finanzstarke Herren sollen auf Polo-Ponys steigen, sondern selbstverständlich auch Frauen, Jugendliche und Kinder. „Polo ist ein idealer Familiensport“, weiß die Mutter eines Sohnes. Festes Schuhwerk, eine robuste Jeans und Lederhandschuhe reichen für den Anfang vollkommen. In Gundorf stehen derzeit sieben Polo-Ponys zur Verfügung (die Anschaffung eines achten ist geplant), die Einheiten finden mehrmals wöchentlich zu unterschiedlichen Terminen statt. Die aus England und Argentinien importierten Sportpferde sind gutmütig, erfahren und auch für Reitanfänger gut beherrschbar. „Erste Technikausbildungen und Zieltrainings werden ohnehin auf dem Holzpferd gemacht“, erklärt Quiring. So könne sich der Beginner auf die Arbeit mit Schläger und Ball konzentrieren und müsse keine Angst haben, dass der trabende Untersatz einfach macht, was er will.

Polo-Fakten

Ein uralter Reitsport bahnt sich seinen Weg: Polo, was in der tibetanischen Balti-Sprache soviel wie „Ball“ heißt. Das Spiel hat seine Ursprünge im antiken Persischen Reich, in Afghanistan, Nordpakistan und Kaschmir. In der Spätantike
wurde im Weströmischen Reich bereits Polo gespielt. Britische Kavallerie-Offiziere importierten den Sport im 19. Jahrhundert nach Europa, gründeten erste Clubs.

Ins damalige Deutsche Reich fand Polo über einen Umweg: Der kaiserliche Diplomat Ernst von Heintz-Weißenrode lernte Polo in Buenos Aires kennen, führte es nach seiner Rückkehr in Deutschland ein. Er gehörte 1898 zu den Gründern des „Hamburger Polo Club“, des ersten deutschen Polo-Clubs.

Die Mannschaftssportart, bei der die auf Pferden reitenden vier Spieler pro Mannschaft einen Ball mit einem langen Holzschläger in das gegnerische Tor schlagen, fristet im Osten Deutschlands noch ein Schattendasein. Ein Grund: Die Spieler wechseln während des Spiels mehrfach die Pferde, wodurch Trainings und Turniere mit hohem logistischem Aufwand und Kosten verbunden sind.

Polo wird auf Polo-Ponys gespielt. Diese werden auch in Gundorf eingesetzt.

Dadurch, dass Ponys und Ausrüstung für Anfänger im Verein vorhanden sind, können auch Pferdefreunde vorbeischauen, die nicht über die dicken Monatsgehälter verfügen. „Gerade bei Jugendlichen können wir nicht voraussetzen, dass ihnen ihre Familien alles zahlen, damit sie diesen schönen Sport ausüben können“, so Quiring, die das Polospiel 2013 in Argentinien erlernt hat. Zudem haftet dem Polo-Sport in Deutschland der Makel an, ein elitäres Nischendasein zu fristen. Die gebürtige Rostockerin will das mit ihrem Verein ändern: „Mein Wunsch ist es, in Leipzig ein Jugendteam zu etablieren und zu trainieren, das bereits 2019 bei den Deutschen Jugendmeisterschaften antreten kann.“ Jugendliche mit Reiterfahrung können sich daher gern bei Laura Quiring melden. Interessenten, gleich welchen Alters, sollten den „SachsenBeach“ im Juli im Auge behalten. „Auf dem Augustusplatz kann man uns am 22. Juli live sehen und ins Gespräch mit den Vereinsmitgliedern kommen“, kündigt Quiring an.

Als gute Managerin weiß Laura Quiring bereits jetzt, was im kommenden Jahr ansteht: „Unser Ziel ist es, ein Ladys-Turnier zu veranstalten sowie einen Generationen-Cup. Hier können ganze Familien, Freundeskreise oder Spielgemeinschaften antreten, die Teams werden über Alters- und Geschlechtergrenzen hinweg zusammengestellt.“ Idealerweise mit ersten eigenen Vereinsspielern – und Spielerinnen.

Von Frank Schmiedel

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