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08:49 26.04.2017
Nicht mit jedem Wehwehchen ihres Kindes müssen Elterngleich zum Arzt gehen. Quelle: dpa
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Bonn

Wohl jeder kennt Hausmittel gegen Erkältung, Fieber oder Erbrechen. Und tatsächlich müssen Eltern nicht mit jedem Wehwehchen ihres Kindes gleich zum Arzt gehen. Wann Omas Heilmittel ausreichen - und wann doch etwas Ernstes dahinterstecken könnte.

Fieber

Das ist unter Eltern ein Angstthema, wie Till Dresbach sagt. Er ist Oberarzt in der Neonatologie am Universitätsklinikum Bonn und gibt Notfallkurse für Eltern. Aber: „Fieber ist primär nichts Schlechtes. Es zeigt, dass der Körper sich gegen Erreger zu Wehr setzt.“

Bei Kindern spricht man ab 38,5 Grad von Fieber. Gemessen wird bei Säuglingen am besten im Po, das sei am genauesten. Bei älteren Kindern können Eltern auch im Ohr messen - am besten zweimal, um sicherzugehen, dass man das Thermometer richtig gehalten hat.

„Wenn es dem Kind trotz Fieber gut geht - wenn es spielt und trinkt, ist es erst mal nicht so schlimm“, sagt Dresbach. Ist es hingegen apathisch, liegt im Bett und trinkt nicht mehr, sollten Eltern mit ihrem Kind zum Arzt gehen. Trinken ist gerade bei Fieber wichtig: „Pro Grad Celsius Körpertemperatur steigt der Flüssigkeitsbedarf um 20 Prozent.“

Hat ein Säugling Fieber, sollten Eltern mit ihm auf jeden Fall zum Arzt gehen, sagt Hermann Josef Kahl, Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. „Da muss man aufpassen, dahinter kann so ziemlich alles stecken.“ Er rät Eltern von älteren Kindern, ab 39,5 Grad Celsius das Fieber zu senken - etwa mit einem speziellen Saft oder Zäpfchen. Es gibt eine Ausnahme: „Wenn das Kind schon mal einen Fieberkrampf hatte, muss man das Fieber sofort senken.“

Husten

Wenn das Kind hustet, ist vor allem viel zu trinken wichtig, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer. Einige Eltern haben mit Hustensaft etwa mit Efeu oder Primelwurzel gute Erfahrungen gemacht. Außerdem können Eltern die Brust des Kindes einreiben, zum Beispiel mit Lavendelöl. Das lindert manchmal den Hustenreiz lindern, wirkt schleimlösend und wärmt, wie Sellerberg erklärt.

Mit Kindern, die jünger als zwei Jahre sind, sollten Eltern bei Husten aber am besten zum Arzt gehen. Das gilt auch, wenn das Kind Fieber oder zusätzlich Ohrenschmerzen hat. Wenn der Husten länger als zwei Wochen anhält oder der Auswurf gelblich-grün oder blutig ist, empfiehlt Sellerberg ebenfalls einen Besuch beim Kinderarzt.

Schnupfen

Bei Schnupfen kann Kochsalzlösung aus der Apotheke helfen und oft abschwellendes Nasenspray ersetzen, sagt Dresbach. Wichtig sei, dass abends, wenn das Kind schlafen soll, die Nase frei ist. „Da kann man dann auch abschwellendes Nasenspray verwenden.“ Allerdings sollte das nur wenige Tage angewendet werden.

Auch ein bis zweimal am Tag für rund zehn Minuten zu inhalieren, zum Beispiel mit Kamillenblüten, kann laut Sellerberg die Beschwerden bei älteren Kindern lindern. Der heiße Dampf löst den Schleim. Eltern sollten aber aufpassen, dass das Wasser nicht zu heiß ist und sich das Kind nicht daran verbrüht. Wenn bei einem Kind zusätzlich über 39 Grad Fieber auftritt, sollten Eltern mit ihm zum Arzt gehen.

Heiserkeit

Ist ein Kind heiser, ist es ebenfalls wichtig, dass es viel trinkt, wie Kahl sagt. Wenn zur Heiserkeit Fieber hinzukommt, sollten Eltern mit dem Kind zum Arzt gehen - dahinter kann zum Beispiel eine eitrige Hals- oder eine Mandelentzündung stecken. Und: „Wenn die Halsschmerzen so schlimm sind, dass das Kind nicht mehr schlucken kann, gehen Eltern am besten mit ihm zum Arzt“, rät Dresbach. Sonst droht ein Flüssigkeitsmangel.

Erbrechen

Erbrechen: Wenn sich das Kind übergibt, sollten Eltern sich zunächst die Frage stellen, ob es in den vergangenen zwei Wochen auf den Kopf gefallen ist - also ob eine Gehirnerschütterung dahinterstecken kann, erklärt Kahl. Gerade mit kleineren Kindern gehen Eltern aber am besten sicherheitshalber immer zum Arzt. Ansonsten gilt bei Erbrechen und auch Durchfall: Viel trinken.

„Säuglinge können weiter gestillt werden, Muttermilch ist dann das beste für sie“, sagt Kahl. Größere Kinder benötigen unter Umständen eine Elektrolyt-Lösung aus der Apotheke, um Verluste möglichst auszugleichen. Ansonsten gilt laut Kahl: leichte Kost wie Zwieback, Banane oder geriebener Apfel sowie Tee mit einem Teelöffel Traubenzucker und einer Prise Salz.

Ausschlag

Hier können Eltern das Ganze erst mal beobachten - sofern das Kind nicht etwa mit gefährlichen Stoffen in Berührung gekommen ist. „Unspezifischer Ausschlag ist eigentlich nie etwas akut Bedrohliches“, sagt Dresbach. Kommen aber Halsschmerzen hinzu oder geht es dem Kind allgemein schlechter, kann es sich um Scharlach handeln und man sollte mit dem Kind zum Arzt gehen.

Laut Kahl kann hinter Ausschlag auch eine Allergie oder Überempfindlichkeit stecken. „Wenn es nicht weggeht, dann sollte man zum Arzt.“ Gleiches gilt bei Ausschlag mit Fieber.

Von RND/dpa

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