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Wissen Der Mythos von Mata Hari bekommt Risse
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09:29 13.02.2017
Mata Hari: Vor 100 Jahren wurde die niederländische Tänzerin in einem Pariser Hotel wegen Spionage für Deutschland verhaftet und später zum Tode verurteilt. Quelle: imago
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Paris

Ein Jahrzehnt lang wurde ihr Tanz bewundert und ihr Körper begehrt: Mata Hari regte als indische Bajadere-Tänzerin zu Zeiten der Belle Epoque die Fantasien der Bohème in Europa an. Und als Kurtisane weihte die schöne Niederländerin Botschafter, Minister, Fürsten und Militärs in ihre Kunst der Liebe ein. Um ihr abenteuerliches und geheimnisvolles Leben ranken sich unzählige Geschichten. Nicht alle entsprechen der Wahrheit. 100 Jahre nach ihrer Verhaftung am 13. Februar 1917 in Paris bröckelt der Mythos der vermeintlich größten Spionin der Geschichte.

Mata Hari, die ursprünglich Margaretha Geertruida Zelle hieß, wurde im Morgengrauen in einem Pariser Luxushotel festgenommen und dem Untersuchungsrichter des Kriegsgerichts, Hauptmann Pierre Bouchardon, vorgeführt. Bis zu ihrem Prozess rund fünf Monate später am 24. Juli saß sie im Frauengefängnis Saint-Lazare. Der Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die Richter waren Berufsmilitärs. Nur einen Tag später wurde sie wegen Doppelspionage und Hochverrats zum Tode verurteilt. Am 15. Oktober wurde sie in Vincennes bei Paris als „Agentin H 21“ durch Erschießen hingerichtet. Als sie starb, war sie 41 Jahre alt.

Mata Hari erzählte Klatsch und Tratsch

Soweit die wesentlichen und unumstrittenen Daten ihrer letzten Monate. Aber seit der britische Geheimdienst Anfang 1999 ihre Akten freigegeben hat, bekommt der Mythos der Meisterspionin Risse. Laut Erkenntnissen der britischen Behörden ließ sich die am 7. August 1876 in Leeuwarden geborene Schönheit zwar während des Ersten Weltkriegs vom deutschen Konsul in Amsterdam als Spionin für eine fünfstellige Summe anwerben. Doch kriegsentscheidende Informationen habe sie den Deutschen nicht zugespielt, so der Geheimdienst, der zu der Schlussfolgerung kam: Die Aufgabe sei für die verschwenderische Frau nur eine bequeme Einkommensquelle gewesen. 

Weitere Informationen aus den Akten des britischen Geheimdienstes kamen im Frühling 2014 zutage. Mata Hari hatte demnach nie ein vollständiges Geständnis abgelegt und während ihrer Verhöre vor allem über Klatsch und Tratsch in Paris berichtet. Wesley Wark, Spezialist für Sicherheit und Terrorismus an der Universität Ottawa, geht noch weiter. Politik sei nicht ihre Sache gewesen, sagt er.

Mehr als 250 Romane über die Spionin

Die französischen Gerichtsakten sind noch unzugänglich. Erst in den nächsten Monaten sollen sie geöffnet werden. Doch selbst in Frankreich, wo ihr im Schnellverfahren und ohne Geschworene der Prozess gemacht wurde, erscheinen immer mehr Bücher und Filme, die sie eher als Sündenbock für das Heer toter französischer Soldaten im Ersten Weltkrieg darstellen. Eine Theorie, die schon der im Dezember 2003 verstorbene Mata-Hari-Kenner Léon Schirmann öffentlich gemacht hatte. Das Verfahren sei von den französischen Behörden 1917 manipuliert wurden, erklärte der Franzose.

Man habe der Angeklagten Aussagen in den Mund gelegt oder sie in das Gegenteil verkehrt, meinte Schirmann. In seinen Büchern versuchte der Franzose nachzuweisen, dass der Prozess rein propagandistischen Zwecken diente. Auf der Grundlage seiner Recherchen stellte im Oktober 2001 der Pariser Staranwalt Thibault de Montbrial einen Revisionsantrag, der jedoch abgelehnt wurde. Auch die niederländische Mata-Hari-Stiftung hatte 1998 versucht, den Prozess neu aufzurollen.

Das Leben der schillernden Figur hat die Seiten von mehr als 250 Romanen und zahlreichen Drehbüchern gefüllt. Unter dem Titel „Mata Hari und Mademoiselle Docteur“ kommt auch 2017 in Deutschland wieder ein Doku-Drama heraus. Es erzählt von der Begegnung Mata Haris mit der deutschen Geheimdienstchefin Dr. Elisabeth Schragmüller.

Verwöhnte Tochter eines Hutmachers

Margaretha Geertruida Zelle war ein Luxusgeschöpf. Die verwöhnte Tochter eines prahlerischen Hutmachers hätte Kindergärtnerin werden sollen. Doch stattdessen antwortete sie auf die Heiratsanzeige eines um Jahre älteren Kolonialoffiziers. So wurde sie Lady MacLeod, lebte einige Jahre auf Java und Sumatra, wo sie die Kunst des asiatischen Tanzes erlernte. Wenige Jahre später ging die Ehe in die Brüche und sie nach Paris.

In der französischen Hauptstadt begann sie unter dem Künstlernamen Mata Hari als Nackttänzerin und Edelprostituierte eine fulminante Karriere. Als ihr Stern zu sinken begann, geriet die Diva in Finanznöte. Und in den Dunstkreis der Geheimdienste, die hofften, Vorteile aus ihren Beziehungen zu ziehen, zunächst für die Deutschen, dann für die Franzosen.

Den Briten war sie unter anderem aufgefallen, weil sie Mitte 1915 unter dem Namen Gertrud Benedix nach England eingereist war. Bei der Landung in Southampton wurde sie abgefangen und dem Leiter des britischen Spionageabwehrdienstes vorgeführt. Im Verhör erzählte sie, dass sie die Geliebte eines deutschen Militärattachés namens Benedix sei. Sir Basil Thomson, der mit Spionen viel Erfahrung gehabt haben soll, glaubte ihr. Ob sie die Wahrheit gesagt hat, konnte nicht festgestellt werden.  

Von RND/dpa/Sabine Glaubitz

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