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14:09 29.11.2016
4000 deutsche Viertklässler haben bei der Bildungsstudie TIMSS mitgemacht – mit durchwachsenem Ergebnis.  Quelle: dpa
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Berlin

 Deutschlands Grundschüler haben besorgniserregende Probleme mit Mathematik. In diesem Unterrichtsfach sind sie laut Bildungsstudie TIMSS im internationalen Vergleich abgerutscht und liegen nun unterhalb des EU-Durchschnitts.

Die Abkürzung TIMSS steht für „Trends in International Mathematics and Science Study“. Deutschland nimmt daran nach 2007 und 2011 zum dritten Mal teil. Weltweit ließen sich gut 300.000 Grundschüler in gut 50 Staaten und Regionen testen.

Auf dem Niveau von 2011

In den Naturwissenschaften blieben die Leistungen der 4000 deutschen Viertklässler zwar auf dem Niveau der Vorgängerstudie von 2011 - aber inzwischen nur noch knapp über dem EU-Wert. Den weltweiten Test-Mittelwert übertrifft Deutschland in beiden Fächern allerdings deutlich.


Nach den am Dienstag in Berlin vorgestellten Ergebnissen des 2015 durchgeführten Vergleichstests TIMSS erreichte fast jeder vierte deutsche Schüler in Mathematik nicht die dritte von fünf Kompetenzstufen. Weiterhin nur jeder Zwanzigste schaffte es auf die höchste Kompetenzstufe.

Der Lehrerverband hatte mit ähnlichen Ergebnissen gerechnet. Es werde „weder einen jähen Absturz noch einen überraschenden Höhenflug“ geben, sagte der Bundesvorsitzende des Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, im Vorfeld.

Pisa-Ergebnisse folgen Anfang Dezember

Der Chef der Gymnasiallehrergewerkschaft verwies auf positive Maßnahmen seit dem „Pisa-Schock“ vor 15 Jahren, erinnert aber auch an „Herausforderungen der jüngsten Zeit“, womit er sich auf die Integration von Flüchtlingen, den Lehrermangel in einigen Bundesländern und Strukturreformen bezieht.

Die TIMSS-Schulforscher empfehlen der deutschen Bildungspolitik die gezielte Unterstützung für leistungsschwache und auch herausragende Schüler, eine bessere Lehrerbildung und spezielle Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund.

In einer Woche folgen die Resultate der weltweit bekanntesten Schulstudie PISA zum Wissensstand von 15-Jährigen aus über 70 Ländern und Großregionen.

Schulvergleichstests im Überblick

Kritiker des deutschen Bildungswesens beklagen oft einen Mangel an Reformen im Schulsystem. Woran es nicht mangelt, sind Tests und Vergleichsstudien. Hier einige der wichtigsten:

  • PISA: Diese vier Buchstaben stehen für den weltweit größten Schulvergleichstest, das „Programme for International Student Assessment“. Es wird alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris organisiert. Sie tut dies im Auftrag der Regierungen - oder in Deutschland für die Kultusministerkonferenz (KMK) der 16 Länder. Getestet werden 15-Jährige in Naturwissenschaften, Mathematik sowie Lesen und Textverständnis. An „PISA 2015“, dessen Ergebnisse am 6. Dezember präsentiert werden, nahmen weltweit mehr als eine halbe Million Mädchen und Jungen aus über 70 Ländern und Regionen teil, darunter etwa 10.000 aus Deutschland.
  • TIMSS: Abkürzung für die ebenfalls internationale Schulstudie „Trends in International Mathematics and Science Study“, hier geht es um mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen. Bei der jüngsten Erhebung im Jahr 2015 ließen sich unter Federführung von Bildungsforschern der Technischen Universität Dortmund bundesweit 4000 Viertklässler an 200 Grund- und Förderschulen testen. Weltweit waren es in rund 50 Staaten und Regionen gut 300.000 Kinder, zudem wurden 250.000 Eltern, 20.000 Lehrer und 10.000 Schulleiter befragt.
  • IQB-BILDUNGSTREND: Diese Studie des Berliner Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) wurde zuletzt Ende Oktober vorgestellt. Sie liefert im KMK-Auftrag Daten und Fakten zum Stand der Schulpolitik in den Ländern. Der „Bildungstrend“, früher „IQB-Ländervergleich“, ersetzte vor einigen Jahren die regionalen PISA-Erweiterungsstudien (PISA-E). 2015 nahmen an den Tests in Deutsch und Fremdsprachen gut 37.000 Schüler der neunten Jahrgangsstufe aus über 1700 Schulen in ganz Deutschland teil.
  • IGLU: Dabei handelt es sich in Deutschland um die „Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung“, international lautet die Abkürzung PIRLS („Progress in International Reading Literacy Study“). Mit diesem Projekt wird in fünfjährigem Rhythmus das Leseverständnis am Ende der vierten Jahrgangsstufe erfasst. Für IGLU ist wie bei TIMSS das Institut für Schulentwicklungsforschung (IfS) der TU Dortmund unter Leitung von Prof. Wilfried Bos zuständig. Ergebnisse von PIRLS/IGLU wurden zuletzt im Dezember 2012 veröffentlicht, der nächste Bericht kommt 2017 heraus.
  • VERA: Diese länderspezifischen wie auch länderübergreifenden Tests mit Vergleichsarbeiten (kurz VERA) sind Teil eines Bündels von Maßnahmen, mit denen Qualitätsentwicklung und -sicherung auf Ebene der einzelnen Schule gewährleistet werden soll. „Unter den Lernstandserhebungen nehmen die bundesweit einheitlichen Vergleichsarbeiten für die Jahrgangsstufe 3 und 8 (VERA 3 und VERA 8) eine besondere Stellung ein“, schreibt die KMK.

Von dpa/RND/zys

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