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18:41 27.09.2016
Blick auf einen menschlichen DNA-Strang. Quelle: EPA
London

Eine wissenschaftliche Sensation vermeldet die britische Wissenschaftszeitschrift „New Scientiist“ auf ihrer Website. Danach ist es einem Team amerikanischer Spezialisten erstmals gelungen, den Kinderwunsch eines Ehepaars zu erfüllen, das unter einer schweren genetischen Deformation leidet, die ihnen eigentlich weiteren Nachwuchs verwehrt hätte. Die Lösung der Ärzte und Forscher: eine Drei-Eltern-Strategie. Das gesunde Resultat des revolutionären Forschungsergebnisses ist ein Junge und bereits fünf Monate alt.

Die umstrittene Technik ist bisher ausschließlich in Großbritannien legal. Sie erlaubt es Eltern mit seltenen Gendefekten, gesunde Kinder zu kriegen. Doch der Fall des jordanischen Paars dürfte dazu führen, dass das Verfahren jetzt weltweit schneller legalisiert wird.

Durch ihre genetische Veranlagung verlor die Mutter zwei Kinder

Und darum geht es. Die Mutter des Kindes trug eine Veranlagung in sich, die das sogenannte Leigh-Syndrom erzeugt – eine tödliche Mutation, die das sich entwickelnde Nervensystem beeinflusst. Gene dieser Krankheit sind in der mitochondrialen DNA angesiedelt, die die Energie für menschliche Zellen produziert. Sie verfügt über eine eigene Erbsubstanz aus nur 37 Genen und unterscheidet sich von dem Erbgut, das in jedem Zellkern angesiedelt ist – der nuklearen DNA.

Obwohl die Mutter selbst gesund ist, war das Leigh-Syndrom verantwortlich für den Tod zweier ihrer Kinder. Deshalb wandte sich das Paar an John Zhang und sein Team vom New Hope Fertility Center in New York City. Der Forscher hatte sich schon lange mit einer „Drei-Eltern-Lösung“ beschäftigt, die eine mitochondrische Erkrankung ausschließt. Es gibt mehrere Forschungsansätze dafür. Die in Großbritannien legale Methode befruchtet sowohl ein Ei der Mutter wie das eines Spenders mit dem Sperma des Vaters. Bevor die Eier sich in frühe Embryonen zu teilen beginnen, wird der Zellkern entfernt. Der Zellkern des Spender-Eis wird entfernt und durch den der Mutter ersetzt.

Religiöse Tabus erschwerten die wissenschaftliche Lösung

Diese Lösung kam aber für das religiöse muslimische Paar nicht infrage, da sie die Tötung von ungeborenem Leben ablehnen. Also wählte Zhang einen anderen Weg, den sogenannten Spindel-Zellkern-Transfer. Er entfernte den Zellkern aus einem der Eier der Mutter und injizierte ihn in ein Spender-Ei, dessen Nukleus er zuvor entfernt hatte. Das so entstandene Ei hatte jetzt die nukleare DNA der Mutter und die mitochondrische DNA einer Spenderin – und wurde dann mit dem Sperma des Vaters befruchtet. Diesen Prozess wandte Zhangs Team fünf Mal an – von den fünf Embryonen entwickelte sich aber nur einer normal. Er wurde der Mutter eingesetzt – und neun Monate später gebar sie einen gesunden Sohn.

Was die ganze Sache aber noch erschwerte, war die Tatsache, dass keine der geschilderten Methoden in den USA zugelassen ist. So ging Zhang nach Mexiko.„Um Leben zu retten, war das ein ethisch richtiger Schritt“ sagte er dem „New Scientist“.

Der kleine Junge jedenfalls ist putzmunter. Ein echtes Wunschkind und sicher Hoffnung für viele verzweifelte Paare.

Von RND/Daniel Killy

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