Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wissen Geschäftsideen für eine bessere Welt
Nachrichten Wissen Geschäftsideen für eine bessere Welt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:00 10.11.2018
Es muss nicht immer der Plastiktrinkhalm, der Alu-Grill oder der Strom aus Kohle sein: Viele Unternehmen entwickeln spannende Projekte für eine gesündere Umwelt. Quelle: iStock
Berlin

Altes Auto, neuer Antrieb

Weil die Luft im Berufsverkehr verdammt dick werden kann, hat sich Johannes Boddien aus Ulm etwas einfallen lassen: Er kauft gut erhaltene VW Käfer und Bullys im Ausland ein, rüstet sie mit einem Elektromotor auf und verkauft sie an umweltbewusste Autofahrer mit einem Faible für Oldtimer.

Warum ausgerechnet Oldtimer? Die Akzeptanz für die aktuellen Modelle sei nicht da, so Boddien. Das habe in erster Linie mit der Optik der Elektroautos zu tun. Käfer hingegen sind nach wie vor eines der beliebtesten Autos der Deutschen. Und eben mit diesen möchte er „die Elektromobilität salonfähig machen“.

So ganz anders als das typische E-Auto: Voltimer baut VW Käfer und Bullies auf Elektroantrieb um. Quelle: Fotolia

Die Herstellung der Autos ist „zu 90 Prozent CO2-neutral, weil wir hauptsächlich gebrauchte Tesla-Akkus verwenden. Die Produktion von Akkus ist sehr CO2-schädlich. Wir verwenden gebrauchte Akkus mit maximal 100 Ladezyklen“.

Die Umrüstung der Autos dauert bis zu sechs Wochen. Wer einen Käfer bei Voltimer, dem vor einem Jahr gegründeten Start-up Boddiens, kaufen möchte, kann mit 30 000 Euro und mehr rechnen. Die Hardware ist standardisiert, Software wie Akku-Auslastung und Fahrverhalten lassen sich individuell einpassen. Die Autos fahren in der günstigsten Variante 70 Kilometer pro Stunde und lassen sich innerhalb von drei Stunden an einer Haushaltssteckdose aufladen. Ideal für Kurzstreckenpendler.

Import mit gehissten Segeln

Bio-Kaffee mit Bio-Transport – ein Arrangement, das für Cornelius Bockermann die ideale Lösung ist. Bio-Kaffee zu trinken ist schön, aber wenn er vorab auf dem Weg ins Ladenregal für reichlich CO2-Ausstoß gesorgt hat, geht das noch besser. Jährlich gelangen an die 50 Millionen Säcke Kaffee auf Frachtern nach Europa. Betrieben werden die meisten Schiffe mit schwerem, hochgiftigem Dieselöl. Da werden Millionen Tonnen von Schwefeloxid in die Luft geblasen.

Der Frachtensegler „Avontuur" im Hafen von Brake (Niedersachsen). Mit der „Avontuur“, die Waren nur per Windkraft transportiert, will das Transportunternehmen Timbercoast für eine soziale und ökologisch nachhaltige Schifffahrt werben. Quelle: Jörg Sarbach/dpa

Für deutlich frischere Luft sorgt Bockermanns Lösung. Er ist Eigner und Kapitän der „Avontuur“, einem zweimastigen Segelschiff, das windgetriebenen Ökotransport ohne CO2-Ausstoß möglich macht. Mit seiner Mannschaft überquert der niedersächsische Kapitän immer wieder den Atlantik auf alten Handelsrouten. Knapp fünf Monate braucht sein 100 Jahre alter Schoner für die emissionsfreie Importtour mit mehreren Tonnen Bio-Rohkaffee, Kakao oder Rum aus Nicaragua und Mexiko nach Deutschland.

Makkaroni zur Limo

Riesige Plastikteppiche verschmutzen unsere Meere. Was mit am häufigsten zurück an die Strände gespült wird, sind Strohhalme. Kein haltbarer Zustand für die EU-Kommission und auch nicht für immer mehr große und kleine Unternehmen.

Eine kreative Abwechslung zu den umweltschädlichen Halmen hat ein Bäckermeister in Bielefeld eingeführt. Sämtliche Plastikhalme wurden aus dem Laden von Hans-Martin Rolf verbannt. Stattdessen bekommen seine Kunden auf Wunsch eine Makkaroni, um ihr Getränke aufzusaugen. In heißen Getränken halten die Nudeln 20 Minuten, bevor sie weich werden, in Kaltgetränken nahezu unbegrenzt.

Dass der Latte Macchiato oder die Limo einen leicht teigigen Geschmack haben, ist ausgeschlossen. Die Nudeln bleiben geschmacksneutral. Was Bäcker Rolf noch lieber ist als seine Makkaroni-Halme: gar keine Trinkhilfe. Denn so sehr die Nudeln ein umweltfreundlicher Ersatz sind: Sie sind auch Lebensmittel, die im Anschluss weggeschmissen werden.

Der Öko-Einweggrill

Erst wird die Wurst gegrillt und am Ende der Pappgrill verfeuert – das ist das Prinzip von CasusGrill. Dabei handelt es sich um ein Einweggerät aus Pappe mit einem Bambusgitter als Rost. Üblicherweise befinden sich Einweggrills in einer Aluschale, die Jahre braucht, um abgebaut zu werden. Schon die Herstellung solcher Aluschalen verschlingt viel Energie.

Lässt sich nach getaner Arbeit verfeuern: Der Casus Grill Quelle: Hersteller

Der Pappgrill hingegen besteht nur aus Naturmaterialien: Kohle, Lavagestein, Bambus und Pappe. Damit ist er komplett biologisch abbaubar. Aufbauen lässt er sich mit wenigen Handgriffen, er hat Standfüße und gibt nach unten durch eine Isolation aus Bimsstein wenig Hitze ab. Man soll gut eine Stunde mit ihm grillen können. Und hat er seine Pflicht dann getan, kann man ihn ohne schlechtes Gewissen im Lagerfeuer entsorgen.

Kraftwerke für Balkonien

Kraftwerke müssen weder mit Atomenergie oder Kohlekraft betrieben werden – noch müssen sie groß sein: Das zeigen zwei Konzepte für Mini-Kraftwerke, die auf dem Balkon betrieben werden können. Der Greenerator ist noch nicht gebaut, sondern ein Entwurf für eine mit Solarzellen kombinierte Windturbine, die wie ein Blumenkasten über die Balkonbrüstung gehängt werden kann.

Das kleine Gerät führt zwar nicht dazu, dass man dem Stromanbieter kündigen kann, soll aber den heimischen Energieverbrauch um 6 Prozent senken und den CO2-Ausstoß um 1000 Kilogramm pro Lebenszyklus eines Greenerators reduzieren. Da das Gerät einfach über das Balkongelände gelegt und ebenso einfach wieder entfernt werden kann, können auch Mieter es nutzen, ohne den Vermieter um Erlaubnis für die Installation zu bitten.

Solarkraftwerk für Balkonien: Eine Variante des SolMate aus Graz. Quelle: EET Energy

Ähnlich, aber noch deutlich effektiver funktioniert Solmate. Es ist eine Art Decke aus Solarzellen, die man ebenfalls über die Außenseite des Balkons wirft und die sogar ein Laie innerhalb einer Stunde installieren können soll. Das noch auf seine endgültige Finanzierung wartende Produkt eines österreichischen Start-ups soll bis zu einem Viertel des Stromverbrauchs im Haushalt decken.

Smarte Technologie soll dabei erkennen, ob der Strom in der Wohnung tatsächlich benötigt wird. Braucht der Haushalt den Strom, wird er direkt verwendet, sonst für späteren Bedarf gespeichert. Ziel der Entwickler ist es, das Solarkraftwerk für Balkonien noch 2019 zu einem Stückpreis von rund 2000 Euro zum Laufen zu bringen.

Von Andrea Mayer-Halm

Wissen Mit Sicherheit - Sicherheit als Erlebnis

Herr Holm, alias Dirk Bielefeldt, tourt ab Januar 2019 mit seinem Kabarettprogramm „Die Klassiker“ durch die Republik. In unserer Kolumne plädiert er für ein Sicherheitskonzept mit Event-Charakter.

10.11.2018

Der Golfstrom treibt immer mehr Plastikmüll an die norwegischen Küsten. Eine seit Jahrzehnten verdreckte Insel wird jetzt zum Forschungsobjekt. Ein Besuch.

10.11.2018

Ein Nobelpreisträger auf Flucht aus der Berlin: In einem neu aufgetauchten Brief schildert Albert Einstein seiner Schwester den wachsenden Rechtsextremismus im Berlin der 1920er Jahre. Der Brief soll nun in Jerusalem versteigert werden.

09.11.2018