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09:14 19.11.2016
Traditionelles Weihnachtsessen: Trotz der Vogelgrippe in Deutschland können Verbraucher bedenkenlos eine Gans zu Weihnachten essen, sagen Experten. Quelle: dpa
Düsseldorf

Die Situation verschärft sich zunehmend: Als achtes Bundesland meldete Nordrhein-Westfalen erstmals den Nachweis der derzeit kursierenden H5N8-Variante bei einem toten Wildvogel, einem Bussard. Kurz darauf gab auch das Bundesland Bremen einen ersten Fall bekannt: Das Virus sei bei einer in Bremerhaven verendeten Saatgans gefunden worden, teilten die Gesundheitsbehörden mit. Was müssen Verbraucher nun beachten?

Kann H5N8 auf den Menschen übertragen werden?

Bislang sind dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) zufolge weltweit keine Übertragungen des H5N8-Erregers auf Menschen nachgewiesen, im Gegensatz zu den Vogelgrippe-Erregern H5N1 und H7N9. Eine Übertragung des Erregers H5N8 über infizierte Lebensmittel ist laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) „theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich“. Für die Übertragung der Erreger H5N1 und H7N9 waren in der Vergangenheit fast ausschließlich der direkte Kontakte mit infiziertem lebendem Geflügel verantwortlich.

Sind Geflügelfleisch und Eier sicher?

Laut BfR gibt es für die Möglichkeit einer Infektion des Menschen durch rohe Eier oder Rohwursterzeugnisse mit Geflügelfleisch von infizierten Tieren bisher keine Belege. Bei der Verarbeitung sollten die allgemein geltenden Hygieneregeln (Händewaschen, rohe Geflügelprodukte getrennt von anderen Lebensmitteln aufbewahren, gründliches Durchgaren von Geflügel etc.) beachtet werden. Zudem gilt: Ist die Vogelgrippe in einem Bestand ausgebrochen, wird als Vorsichtsmaßnahme der gesamte Bestand getötet. Damit soll neben einer weiteren Ausbreitung auch verhindert werden, dass kontaminiertes Fleisch oder Tierprodukte in den Handel geraten. Infektionen des Geflügels mit Viren der Subtypen H5 und H7 sind anzeigepflichtig und werden bekämpft, indem Geflügel des betroffenen Betriebes getötet und fachgerecht beseitigt wird.

Kann man die Weihnachtsgans noch essen?

Um gar zu werden, benötigt die Weihnachtsgans eine Kerntemperatur von 90 Grad. Wird die Gans rosa gebraten, braucht es eine Kerntemperatur von 75 bis 80 Grad. Bei diesen Temperaturen ist der Vogelgrippe-Erreger – sollte das Fleisch tatsächlich infiziert sein – abgestorben, denn das Virus reagiert ausgesprochen empfindlich auf hohe Temperaturen. Nach Angaben des BfR sollten Geflügelspeisen grundsätzlich gründlich durchgegart werden. Das bedeutet, dass im Geflügel für mindestens zwei Minuten eine Kerntemperatur von 70 Grad erreicht werden muss.

Vogelgrippe: Diese Hygieneregeln sollten Sie beachten

Bisher gibt es keinen Beleg dafür, dass sich Menschen mit dem Virus H5N8 infizieren können. Trotzdem rät das Bundesinstitut für Risikobewertung dazu, grundsätzlich folgende Hygieneregeln zu beachten:

1. Rohe Geflügelprodukte und andere Lebensmittel sollten Sie getrennt lagern und zubereiten – erst recht, wenn die anderen Lebensmitteln nicht erhitzt werden.

2. Messer, Schneidebretter: Was Sie benutzen, um das Geflügel zuzubereiten, sollten Sie gründlich mit warmem Wasser und Spülmittel reinigen.

3. Entsorgen Sie die Verpackung sofort.

4. Waschen Sie Ihre Hände mit warmem Wasser und Seife.

5. Garen Sie die Geflügelspeisen gründlich durch. „Das bedeutet, dass für mindestens zwei Minuten eine Kerntemperatur von 70 Grad Celsius erreicht werden muss“, erklärt das BfR.

6. Eier sollten Sie solange kochen, bis Eiweiß und Eigelb fest sind. Das heißt, dass Sie die Eier je nach Größe mindestens sechs Minuten lang kochen sollten, erklärt das BfR.

Über welche Wege kann der Erreger grundsätzlich in einen geschlossenen Betrieb eingetragen werden?

Grundsätzlich geht das FLI davon aus, dass Wildvögel, die den hochgefährlichen Erreger H5N8 tragen, Nutzgeflügel-Bestände infizieren. Infizierte Vögel scheiden den Erreger zumeist mit dem Kot aus. Die Infektion kann durch direkten Kontakt von Wildvögeln und Nutzgeflügel übertragen werden. Dies soll mit der Stallpflicht unterbunden werden. Aber auch über das Aufpicken von virushaltigem Material, über verseuchtes Trinkwasser oder auch kontaminierte Einstreu kann die Infektion in den Stall gelangen. Ebenso können Menschen die Infektion in den Stall tragen - beispielsweise an Schuhsohlen, durch verunreinigte Fahrzeuge, Geräte oder Verpackungsmaterial. In Nordrhein-Westfalen gibt es rund 1000 Geflügelhalter mit rund 55 000 Tieren.

Woran erkennt ein Geflügelhalter eine Infektion in seinem Nutzgeflügelbestand?

Die Hauptsymptome der Vogelgrippe sind laut Friedrich-Loeffler-Institut zunächst ein drastischer Rückgang des Futterverbrauchs. Dann folgen grippetypische Krankheitssymptome wie Apathie, Durchfall oder auch ein Einbruch der Eierproduktion. Meist sterben zeitgleich viele Tiere. Es kann aber auch zu einem Massensterben ohne vorherige klinische Symptome innerhalb von 24 bis 72 Stunden nach der Infektion kommen.

Eilverordnung zu mehr Schutzmaßnahmen gegen Vogelgrippe

Die Schutzvorkehrungen zur Eindämmung der Vogelgrippe in Deutschland werden ausgeweitet. Von diesem Montag an müssen auch kleinere Betriebe Sicherheitsmaßnahmen treffen. Dann tritt eine Eilverordnung von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) in Kraft, wie ein Sprecher sagte. Eine bundesweite Stallpflicht bedeutet die Verordnung nicht, über sie soll erst nach einer neuen Risikobewertung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) mit seinem nationalen Referenzlabor in den nächsten Tagen entschieden werden.

Konkret geht es bei der von Montag an geltenden Eilverordnung etwa darum, keine Unbefugten in die Ställe zu lassen. Tierhalter müssen Schutzkleidung tragen und Hände sowie Stiefel desinfizieren können. Bisher gelten die Vorgaben nur für Betriebe mit mehr als 1000 Tieren. Je nach Risikolage können die Länder weitere Maßnahmen anordnen.

Von dpa/RND/wer

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