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12:15 14.10.2016
Laut Studie schätzen Kinder am Vorlesen vor allem die Gemütlichkeit und die Tatsache, „tolle Geschichten“ zu hören. Quelle: dpa-Zentralbild
Berlin

Räuber Hotzenplotz, Pippi Langstrumpf oder die wilden Hühner: Kinder in Deutschland lieben es, wenn die Eltern Geschichten vorlesen. Trotz der großen Konkurrenz neuer Medien gefällt rund 90 Prozent der Fünf- bis Zehnjährigen das traditionelle Familienritual. Das ergab eine Umfrage der Stiftung Lesen, der Wochenzeitung „Zeit“ und der Deutsche Bahn Stiftung, die am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.

Lese- und Kuschelzeit mit den Eltern

„Diese Deutlichkeit hat uns überrascht“, sagt Simone Ehmig, Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung. „Das zeigt, dass Vorlesen zu den Grundbedürfnissen von Kindern gehört.“ Gründe sieht Ehmig vor allem darin, dass Vorlesen auch eine große soziale Komponente hat. So findet mehr als die Hälfte der befragten Kinder, dass Vorlesen „so gemütlich ist“. Sie freuen sich über „tolle Geschichten“ und „dass ich Mama oder Papa für mich habe“. Und wenn es noch etwas zu verbessern gibt, ist die Antwort vieler Kinder eindeutig und lautet: noch mehr Vorlesen.

Meist sind es immer noch die Mütter, die dem Wunsch des Nachwuchses nachkommen. Sie sind auch mit Abstand die beliebteren Vorleserinnen. „Väter holen erst langsam auf“, berichtet Ehmig. Doch auch Vorlesen in der Kita und in der Schule begeistert Kinder. Es ist in der Beliebtheit laut Umfrage aber kein Ersatz für die exklusive Lese- und Kuschelzeit mit den Eltern oder die Gespräche, die sich aus den vorgelesenen Geschichten ergeben.

Defizit in bildungsfernen Familien

Rund 4,2 Millionen Kinder in Deutschland sind zwischen fünf und zehn Jahre alt. Rund 500 von ihnen wurden zusammen mit ihren Müttern für die Umfrage interviewt. Doch längst nicht alle Kinder kommen in den Genuss, regelmäßig Geschichten zu hören. Noch immer liest nach Angaben der Stiftung Lesen rund ein Drittel aller Eltern ihren Kindern nicht regelmäßig vor. Das betrifft vor allem bildungsferne Familien. Gerade dort ist der Wunsch der Kinder nach Vorlese-Zeit besonders groß - und das Fehlen nehmen viele Kinder als Defizit wahr.

„Es ist kein böser Wille der Eltern“, betont Ehmig. Oft wüssten sie, wie wichtig das Vorlesen auch für den Sprachschatz ihrer Kinder sei. „Doch sie setzen es nicht in die Praxis um. Oft, weil sie es in ihrer Kindheit auch nicht erlebt haben.“

Die Lektüre entscheidet

Die Sprache, in der vorgelesen wird, sei nicht entscheidend. „Am besten klappt es in der Sprache, in der sich Eltern oder Großeltern wohlfühlen“, sagt Ehmig. Gefragt nach der Lese-Qualität, seien die Kinder sehr sensiblen und realistisch gewesen. So glaubt nur etwas mehr als die Hälfte (58 Prozent), dass Erwachsenen das Vorlesen immer Spaß macht. Das deckt sich mit den Angaben der Mütter. Sie gaben zu, manchmal einfach zu müde für eine Gute-Nacht-Geschichte zu sein - ihr Kind aber nicht enttäuschen zu wollen.

Anspruchsvoll ist der Nachwuchs bei der Lektüre durchaus. Die Jüngeren wollen lustige Geschichten, die älteren spannende. Einem Viertel gefällt das Vorlesen nicht mehr, sobald sie die Geschichte als langweilig empfinden, sie ihnen Angst macht - oder sie sie schon gut kennen. Wenn es dagegen Identifikationsfiguren gibt, gehen besonders die Älteren voll mit. Sie suchen die Lektüre auch gern selbst aus. Ehmig rät, auch noch zehnjährigen Kindern vorzulesen - am besten im Wechsel, bis der Nachwuchs auch schwierigere Texte allein erfassen kann.

Die Stiftung Lesen will mit Kampagnen wie dem bundesweiten Vorlesetag am 18. November erreichen, dass bis zum Jahr 2030 rund 90 Prozent der Eltern ihren Kindern vorlesen - und es eine Art symbolisches Recht darauf gibt.

Von RND/dpa

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