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18:01 10.06.2018
Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor, sein aktuelles Buch: „Der Klügere denkt nach – Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein“ (Mosaik, 2017). Quelle: gpt
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Die junge Kauffrau für Büromanagement zog im Karrierecoaching eine Grimasse: „Ich soll Selbst-PR machen, damit mein Vorgesetzter mir mehr Beachtung schenkt? Solches Eigenlob fühlt sich für mich nur peinlich an.“ Viele Beschäftigte sehen das so: Jedes Lob an die eigene Adresse erscheint ihnen als unangemessene Lobhudelei. Vor allem Frauen, aber auch sachorientierte und bescheidene Männer, sagen gern: „Ich will den Chef nicht mit der Nase auf meine Leistung stoßen! Er muss von allein sehen, was ich hier alles leiste!“ Sie schicken ihre Leistung im Alltag auf den Weg, ohne zu prüfen, was beim Empfänger ankommt.

Damit sind sie im Nachteil gegenüber jenen Kandidaten, die einen großen Teil ihrer Kraft nicht auf die Tätigkeit an sich, sondern auf die Darstellung einer vermeintlichen Leistung verwenden. Über den Erfolg im Beruf entscheiden nicht die Ergebnisse an sich – sondern das, was bei der Führungskraft ankommt.

Bitte seien Sie stolz auf die eigene Leistung

Wer eine Spitzenleistung erbringt, darf auch über diese Leistung sprechen; nichts ist natürlicher. Überlegen Sie selbst: Was tut ein Vierjähriger, wenn er eine Sandburg am Strand gebaut hat? Wetten, dass er seine Eltern an beiden Händen herbeischleift und diese Burg zur schönsten der Welt erklärt. Diese Unbefangenheit und dieser Stolz auf die eigene Leistung werden uns durch die Sozialisation geraubt. Ein Kind hört laut einer britischen Studie an einem Tag 412 negative, aber nur 37 positive Bemerkungen. Sätze wie „Lass das!“, „Nimm dich nicht so wichtig“ oder „Sei bescheiden!“ bremsen den Stolz auf die eigene Leistung aus.

Die Spuren der Kindheit

Diese Erziehung hinterlässt Spuren bis ins Berufsleben, besonders bei Frauen. Ein Experiment der FU Berlin ergab: Wenn im Vorstellungsgespräch fünf Minuten für die Selbstpräsentation zur Verfügung stehen, sprechen Frauen eine Minute weniger als Männer. Offenbar tun sie sich schwer damit, die eigenen Qualitäten auszusprechen. In ihrer Kindheit haben sie gelernt, sich zurückzuhalten und nicht zu wichtig zu nehmen. Fatal: Die Sprechzeit war der Gradmesser für den Erfolg. Je länger jemand redete, desto kompetenter wurde er eingeschätzt. Aber auch etliche Männer, gerade kompetente Fachkräfte, die auf ihre Arbeit konzentriert sind, tun sich schwer mit der Eigenwerbung.

Schaffen Sie eine informative Transparenz

Die Herausforderung besteht darin, im Kopf einen Schalter umzulegen: Was tun Sie, indem Sie Ihre Leistung angemessen darstellen? Hauen Sie dann wirklich auf den Putz? Übertreiben Sie es mit Eigenlob? Oder ist es vielmehr so, dass Sie eine nützliche Transparenz über ihrer Arbeitsleistung schaffen: für sich selbst, fürs Team und auch für Ihren Chef? Wenn Sie sich für die letzte Definition entscheiden, fühlt sich die Darstellung Ihrer Leistung eben nicht mehr nach Marktschreierei an – Sie sorgen lediglich für gute Information.

Nichts spricht dagegen, dass Sie bei Meetings präsentieren, was Sie in letzter Zeit geleistet haben; dass Sie bei wichtigen Mails und Briefen den Chef in den Verteiler aufnehmen; dass Sie vor der nächsten Gehaltsverhandlung eine Leistungsmappe erstellen, in der Sie die Arbeits-Highlights des letzten Jahres versammeln; und dass Sie einem wichtigen Kunden, der Sie lobt, beiläufig mitteilen: „Das dürfte mein Chef ruhig auch mal hören …“

Lassen Sie den Stolz auf die eigene Leistung zu – und andere daran teilhaben. Hochstapler müssen fürchten, dass ihre Selbst-PR als Seifenblase durchschaut wird; als Leistungsträger müssen Sie da keine Sorgen haben!

Von Martin Wehrle/RND

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