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Wissen Mützen und Wollstrumpfhosen bringen nichts
Nachrichten Wissen Mützen und Wollstrumpfhosen bringen nichts
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16:00 14.02.2018
Mit warmer Kleidung dem Schnupfen aus dem Weg gehen, klappt meist nicht. Ist die Erkältung erst mal da, muss man sie leider ertragen, denn richtig bekämpfen lässt sich eine Erkältung mit Medikamenten nicht. Quelle: dpa-tmn
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Hannover

Kaum jemand bleibt in der kalten Jahreszeit von einer Schnupfennase verschont. Doch das liegt nicht daran, dass man öfter friert. Dr. Daniela Huzly erklärt, warum Erkältungen fast unvermeidbar sind.

Dr. Daniela Huzly ist Oberärztin am Institut für Virologie der Universitätsklinik Freiburg. Quelle: privat

Warum hat man so oft Erkältungen und wird nicht, wie bei anderen Krankheiten, irgendwann immun?

Man kann schon für eine gewisse Zeit immun werden. Die Immunität ist jedoch immer nur gegen das Virus gerichtet, mit dem man infiziert war und es gibt einfach sehr viele verschiedene Viren. Grundsätzlich handelt es sich bei Atemwegserkrankungen aber nur um lokale Infektionen. Dadurch ist die Immunantwort eine andere, als wenn sich die Erreger im ganzen Körper ausbreiten. Außerdem verändern sich die Viren ständig. Jedes Jahr sind wieder neue unterwegs.

Handelt es sich nur um Viren, oder können auch Bakterien schuld an einem normalen Schnupfen sein?

Hinter einer normalen Erkältung stecken fast immer Viren. Bakterien können aber die entzündeten Schleimhäute besiedeln und das Krankheitsbild damit verschlimmern. Das merkt man dann daran, dass aus der Nase nicht mehr klares Sekret, sondern gelber oder grüner Rotz kommt.

Hat ein Quelle: Symbolbild: Pixabay

Manche Menschen fangen sich viel leichter Erkältungen ein als andere. Woran liegt das?

Das kann viele Gründe haben. Die Nase ist der Reinigungsweg schlechthin. Wenn die Schleimhaut, wie bei Allergikern, entzündet ist, können Erreger leichter eindringen. Auch Raucher sind stärker gefährdet, weil bei ihnen die Atemwegsepithelien geschädigt sind, sodass die Viren leichter nach unten wandern und sich in der Lunge ausbreiten können. Außerdem erhöht Stress die Anfälligkeit: Der Körper schüttet dann vermehrt Cortisol aus, so dass die lokale Abwehr nicht mehr so gut funktioniert.

Wie wichtig sind Mützen und Wollstrumpfhosen? Die meisten Eltern meinen ja, dass ihre Kinder krank werden, wenn sie nicht warm angezogen sind.

Da ist wahrscheinlich gar nichts dran. In Deutschland wird extrem auf warme Kleidung geachtet. Kinder in Krippen und Krabbelgruppen sind hier manchmal so dick eingepackt, dass sie sich kaum noch bewegen können. Das ist eher kontraproduktiv, weil sie anfangen zu schwitzen. In England laufen Kinder manchmal im Winter noch kurzärmelig herum und werden auch nicht öfter krank.

Was aber tatsächlich eine gewisse Rolle spielen könnte, ist das abrupte Kaltwerden. Wenn der Körper keine Zeit hat, sich an niedrige Temperaturen zu gewöhnen, werden die Schleimhäute schlechter durchblutet. Das kann die Anfälligkeit erhöhen – aber nur dann, wenn man die Viren bereits hat. Wer sich abhärtet, ist wahrscheinlich auch weniger anfällig. So können zum Beispiel morgendliche Wechselduschen das Immunsystem fit halten, weil das Gefäßsystem dadurch lernt, schneller auf einen Temperaturwechsel zu reagieren.

Im Winter sind viele Menschen hierzulande mit Vitamin D schlecht versorgt. Sind sie deshalb anfälliger?

Vitamin D unterstützt den Körper bei der Immunabwehr. Es gibt aber keine sauberen Studien dazu, ob die Erkältungsrate infolge einer Unterversorgung wirklich steigt. Dennoch ist es sinnvoll, auf eine ausreichende Vitamin-D-Zufuhr zu achten, da der Stoff ja auch für die Knochendichte sehr wichtig ist. In Deutschland ist der Vitamin-D-Spiegel bei etwa 80 Prozent der Bevölkerung zu niedrig.

Zitronen gelten als sehr reich an Vitamin C. Doch helfen sie allein gegen lästige Erkältungssymptome? Quelle: picture alliance

Zu viel Vitamin C ist sinnlos

Wenn ein Schnupfen droht, greifen manche Zeitgenossen zu Vitamin-C-Tabletten oder verschlingen Berge von Zitrusfrüchten. Das beruht auf einem verbreiteten Missverständnis: In der Tat ist man anfälliger, wenn der Körper mit Vitamin C unterversorgt ist – was in Deutschland aber selten vorkommt. Das heißt aber noch lange nicht, dass der Stoff in hohen Dosen vor Erkältungen schützt. Jedenfalls gibt es laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass eine Versorgung mit dem Vitamin, die über dem täglichen Bedarf liegt, vorbeugend wirkt. Immerhin schadet eine Überdosis Vitamin C nicht: Die Mengen, die über den Bedarf hinausgehen, scheidet der Körper mit dem Urin wieder aus.

Wie steckt man sich häufiger an: durch Tröpfchen- oder Kontaktinfektionen?

Die meisten Menschen glauben ja, dass Infekte durch Anniesen oder Anhusten verbreitet werden. Aber die Bedeutung solcher Tröpfcheninfektionen wird stark überschätzt. Ich gehe davon aus, dass nur etwa 20 Prozent der Infekte so weitergegeben werden. Kontaktinfektionen sind viel häufiger. Zum Beispiel benutzt man eine Computertastatur, auf die vorher jemand geniest hat, und fasst sich danach an Mund oder Nase, so dass die Erreger eindringen können. Meinen Studenten rate ich immer, mal darauf zu achten, wie oft sie sich ins Gesicht fassen. Kommt noch hinzu, dass die Erreger auf Oberflächen oft sehr lange überleben. Auf Banknoten fand man bei einer Studie zum Beispiel Grippe-Viren, die nach drei Tagen noch virulent waren.

Kommt es vor, dass jemand die Viren in sich trägt und verbreitet, ohne selbst krank zu werden?

Eher nicht. Aber die Symptome, die ein Virus auslöst, können unterschiedlich schwer sein. Der eine hat vielleicht nur einen leichten Schnupfen, der andere aber starken Husten und entzündete Stimmbänder. Was viele Leute nicht wissen, ist, dass man schon einen Tag vor Ausbruch einer Erkältung infektiös ist, also andere anstecken kann. Deshalb verbreiten sich die Viren auch so leicht.

Was kann man tun, um sich vor einer Ansteckung zu schützen?

Relativ wenig. Allerdings haben Studien aus England gezeigt, dass häufiges Händewaschen die Erkältungsrate senkt. Deshalb sollte man immer, wenn man nach Hause kommt, die Hände mit Seife waschen. Das hilft gut gegen Viren und ist leicht umsetzbar. Und für Menschen, die über 60 sind, chronische Krankheiten haben oder in Einrichtungen tätig sind, in denen sie viel Kontakt zu anderen Menschen haben, ist eine jährliche Grippeimpfung dringend zu empfehlen. Das gilt dann zum Beispiel für Lehrer und Leute, die im Gesundheitswesen arbeiten.

Händewaschen gilt als einfaches Mittel, sich vor Erkältungsviren zu schützen. Quelle: © epd-bild / Andrea Enderlein

Bringen Desinfektionsmittel etwas?

Nein, solche Mittel sollte man im normalen Haushalt nicht verwenden, weil sie bei Kindern die Gefahr von Allergien steigern. Offenbar brauchen Kinder ein bisschen Dreck. Normales Putzen reicht. Wenn allerdings ein Familienmitglied an Brechdurchfall leidet, raten wir dazu, das Bad mit einem chlorhaltigen Reiniger zu putzen. Es ist aber nicht gesund, Chlor einzuatmen. Deshalb sollte man solche Mittel nicht zur Standardreinigung verwenden.

Was halten Sie von Mittelchen, die das Immunsystem stärken sollen – etwa Zink, Multivitamintabletten oder Echinazin?

Für keines dieser Mittel ist sicher nachgewiesen, dass es etwas bringt. Wer will, kann es aber damit versuchen. Es schadet jedenfalls nicht.

Was tun Sie, um sich zu schützen?

Ich achte darauf, mir oft die Hände zu waschen und sage das auch meiner Familie. Ich lasse mich jährlich gegen Grippe impfen. Außerdem gehe ich regelmäßig bei Wind und Wetter mit meinem Hund spazieren, aber ob das etwas bringt, weiß ich natürlich nicht. Ich bilde es mir ein. Ganz vermeiden kann man Erkältungen nicht, aber möglicherweise ist eine geringe Anzahl solcher harmlosen Infekte sogar sinnvoll, da sie das Immunsystem anregen.

Von Angela Stoll/RND

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