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18:51 27.10.2016
Ein Nachbau von Hitlers Wohn- und Arbeitszimmer im einstigen Führerbunker ist seit Donnerstag in einem privaten Berliner Museum zu sehen. Quelle: dpa
Berlin

Auf dem Schreibtisch steht eine kleine Schäferhund-Statue. An der Wand hängt ein Bild von Friedrich II. Ein Teppich bedeckt fast den kompletten Boden. Eine Sitzgruppe bietet Platz für fünf Personen. Gemütlich ist der Raum aber nicht. Allein schon deshalb, weil er keine Fenster hat.

So oder so ähnlich sah das Wohn- und Arbeitszimmer von Adolf Hitler im Führerbunker aus. Private Museumsmacher haben es nachgebaut – in einem heute noch erhaltenen Weltkriegsbunker am Anhalter Bahnhof, knapp zwei Kilometer von dem Ort entfernt, an dem damals der Führerbunker war.

„Wir wollen keine Hitler-Show machen“

„Es war der letzte Unterschlupf des Führers“, erklärt der Berliner Verein Historiale. Dort verbrachte Hitler seine letzten Lebenswochen. Am 30. April 1945 nahm er sich das Leben. In seinem Arbeitszimmer soll er eine Giftkapsel zerbissen und sich in den Kopf geschossen haben.

Ein paar Bücher, eine Schreibtischlampe, ein Telefon, rechts eine Schäferhund-Statue und darüber ein Bild von Friedrich II: So soll Hitlers Schreibtisch ausgesehen haben. Quelle: AFP

Ist der Nachbau pure Effekthascherei oder inszenierte Geschichte zum Anfassen? „Wir wollen keine Hitler-Show machen“, sagt Wieland Giebel vom Verein Historiale, der in einem ehemaligen Luftschutzbunker am Anhalter Bahnhof das Berlin Story Museum betreibt.

Hitlers Führerbunker in 3D

Das Hitler-Zimmer sei nur im Rahmen einer Führung zu sehen, erklärt Giebel. „Die Führung beginnt in dem Bunker, der für 3500 Menschen vorgesehen war und in dem am Ende des Krieges 12.000 Schutzsuchende waren. Die Parallel-Ebene ist das, was im Führerbunker passierte. Das eine wollen wir nicht von dem anderen trennen.“

Die Rekonstruktion des Hitler-Zimmers sei annähernd richtig, erklärt Christoph Neubauer, der für eine animierte 3D-Dokumentation die Geschichte des Führerbunkers aufwendig anhand alter Fotos und Baupläne recherchiert hat. Die Couch-Garnitur zum Beispiel habe in der Realität anders ausgesehen.

Kritiker: „Das ist die Disneyland-Variante“

Trotzdem wird der Nachbau kritisiert. „Wir bezeichnen das hin und wieder auch als Disneyland-Variante mit dem Versuch, Effekte zu erzielen“, sagt Kay-Uwe von Damaros, Sprecher des Dokumentationszentrums Topographie des Terrors.

Der Nachbau von Hitlers Arbeitszimmer ist Teil einer Ausstellung, zu der auch ein Modell des Führerbunkers im Maßstab 1:25 gehört. Quelle: AFP

„Wir erklären Geschichte, dokumentieren und halten uns an die Fakten. Deshalb können wir solche Inszenierungen nicht unterstützen“, sagt von Damaros. „Effekthascherei ist unsere Sache nicht.“ Das Dokumentationszentrum Topographie des Terrors hat die Verbrechen der Nationalsozialisten auf dem Gelände der ehemaligen Hauptquartiere von Gestapo und SS aufgearbeitet.

„Der Krieg endete faktisch in seinem Arbeitszimmer“

Der Verein Historiale hat einen anderen Ansatz, über die Vergangenheit zu informieren – er will Geschichte lebendig werden lassen. “Alles wird plastisch mit raumhohen Fotos, Filmen, Skulpturen und anderen Objekten visualisiert“, erklären die Macher. Oder eben nachgebaut. So wie Hitlers Arbeitszimmer.

Denn: „60 bis 70 Millionen Menschen starben im blutigsten Krieg der Menschheit“, erklärt der Verein. Und dieser Krieg „endete faktisch mit dem Selbstmord Hitlers in seinem Arbeitszimmer.“ Zwischen einem Bild von Friedrich II. und einer Schäferhund-Statue.

Von dpa/RND/wer

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