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Wissen Ozonschicht der Erde nimmt wieder zu – aber nicht überall
Nachrichten Wissen Ozonschicht der Erde nimmt wieder zu – aber nicht überall
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17:41 05.11.2018
Ist die Ozonschicht defekt, steigt das Risiko von gefährlichen UV-Strahlen. Quelle: Liu Mancang/dpa
Washington

Ähnlich wie heute der Klimawandel bedrohte bereits vor 30 Jahren ein globales Umweltproblem die Erde. Die vor allem in Spraydosen enthaltenen Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW, zerstörten die Ozonschicht der Atmosphäre.

Was das angeht, so gibt es gute Nachrichten, zumindest teilweise: Einem neuen UN-Bericht zufolge ist die Ozonschicht auf dem besten Weg zur Genesung. Die obere Ozonschicht über der Nordhalbkugel dürfte in den 2030er Jahren komplett wiederhergestellt sein, so lautet eine wissenschaftliche Einschätzung, die am Montag bei einer Konferenz in Ecuador öffentlich gemacht wurde. Auf der Südhalbkugel dauere das allerdings länger. Ihre Ozonschicht dürfte bis zur Mitte des Jahrhunderts geheilt sein. „Es sind wirklich gute Nachrichten“, sagte der Co-Vorsitzende des Berichts, Paul Newman, der als Erdwissenschaftler für die Nasa tätig ist.

FCKW-Verbrauch um 90 Prozent gesunken

Die Ozonschicht schützt die Erde vor UV-Strahlen, die Hautkrebs und Ernteschäden verursachen. Die Schicht hatte sich seit Ende der 1970er Jahre abgebaut. Die Verwendung von künstlich hergestellten Chemikalien namens Fluorchlorkohlenwasserstoffe gilt als Ursache dafür. 1987 einigten sich Länder im Montréal-Protokoll, die Chemikalien nach und nach nicht mehr zu verwenden. Ob Haarspray, Kühlschrank oder Matratze – seitdem müssen deutsche Produkte FCKW-frei sein. Unternehmen überlegten sich Ersatz für Sprühdosen. Dank des Abkommens sind Produktion und Verbrauch der schädlichen Chemikalien seither um mehr als 90 Prozent gesunken.

Das Ozonloch über der Antarktis am 24.09.2006 (r) und am 09.06.2013 auf einer Computergrafik. Die blauen und violetten Farben zeigen an, dass die Ozonschicht dünn ist, die gelben, grünen und roten weisen auf mehr Ozon hin. Quelle: NASA

Auf dem Tiefpunkt Ende der 1990er Jahre seien rund zehn Prozent der oberen Ozonschicht abgebaut gewesen, sagte Newman. Seit 2000 habe sie um etwa ein bis drei Prozent pro Jahrzehnt zugenommen, stand in dem Bericht. In diesem Jahr war das Ozonloch über dem Südpol an der größten Stelle knapp 24,8 Millionen Quadratkilometer groß. Das sind etwa 16 Prozent weniger als das bislang größte gemessene Ausmaß des Loches: 29,6 Millionen Quadratkilometer 2006.

Weiter unten schrumpft die Schicht

Es läuft nicht überall so gut: Wie eine internationale Studie unter der Leitung von Wissenschaftlern der ETH Zürich und des Physikalisch-Meteorologischen Observatoriums Davos bereits im Februar dieses Jahres zeigte, wird die Ozonschicht an tieferen Breitengeraden wieder dünner. Das berichteten Forscher im Fachblatt „Atmospheric Chemistry and Physics“. Dort schrumpfe die Ozonkonzentration in der unteren Stratosphäre – zwischen 15 und 24 Kilometern über der Erde – weiter. Betroffen sei auch Deutschland.

In Ostasien steigen die verbotenen FCKW-Emissionen

In dem Bericht steht auch, dass ein Anstieg der Emissionen eines verbotenen Fluorchlorkohlenwasserstoffs in Ostasien festgestellt worden ist. So benutzt Chinas Schaumstoffindustrie im großen Stil verbotene Chemikalien, welche die Ozonschicht schädigen.

Zudem müssten Ersatzstoffe, die zur Abkühlung von Autos und Kühlschränken verwendet würden, ausgewechselt werden durch Chemikalien, die nicht zur globalen Erwärmung beitrügen, erläuterte Newman. „Ich glaube nicht, dass wir vor 2060 eine Siegerrunde drehen können“, sagte Newman. „Das wird unseren Enkeln überlassen sein.“

Von so/RND/AP

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