Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wissen „Schiaparelli“ ist wahrscheinlich explodiert
Nachrichten Wissen „Schiaparelli“ ist wahrscheinlich explodiert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:15 21.10.2016
Das erste europäisch-russische Mars-Landegerät ist mit zu hoher Geschwindigkeit auf dem Roten Planeten aufgeschlagen. Quelle: NASA
Anzeige
Darmstadt

Das erste europäisch-russische Mars-Landegerät ist beim Aufprall auf der Oberfläche des Roten Planeten wahrscheinlich explodiert. Die Sonde „Schiaparelli“ sei mit einer Geschwindigkeit von mehr als 300 Stundenkilometern auf der Oberfläche aufgeschlagen, teilte das Kontrollzentrum der Europäischen Raumfahrtagentur Esa in Darmstadt am Freitag mit.

„Das ist traurig, aber wir müssen feststellen, dass die Sonde nicht erfolgreich gelandet ist“, sagte Esa-Chef Jan Wörner. Es sei wahrscheinlich, dass das Landegerät beim Aufprall mit vollen Tanks explodierte.

Der Kontakt zu dem 600 Kilo schweren Modul war am Donnerstag etwa 50 Sekunden vor der Landung abgerissen. Später trafen über die Muttersonde umfangreiche Daten von der kritischen Abstiegsphase ein, die aber zunächst keine Klarheit schafften.

Mit dem Milliardenprojekt ExoMars suchen die Esa und ihr russischer Partner Roskosmos nach Spuren von Leben auf dem Wüstenplaneten. Wörner betonte, dass die Muttersonde „Trace Gas Orbiter“ (TGO) wie geplant um den Mars fliege. Sein vorläufiges Fazit: „Ein 100 prozentiger Erfolg ist es nicht, es ist nah dran“, sagte Wörner.

Weitere Erkenntnisse haben die Forscher mit Hilfe der Raumsonde „Mars Reconnaissance Orbiter“ (MRO) der US-Raumfahrtbehörde Nasa gewonnen. Auf Bildern erkannten sie erstmals zwei neue Punkte: einen weißen, der wahrscheinlich vom Bremsfallschirm von „Schiaparelli“ stammt, und einen großen dunklen. Dieser sei etwa 15 Meter lang und 40 Meter breit und dürfte Oberflächenmaterial sein, das bei dem Aufprall in die Luft wirbelte.

Wörner sagte, die Muttersonde TGO sei die eigentliche wissenschaftliche Sonde. Sie fliege planmäßig und solle nun erstens die Marsatmosphäre auf Methan untersuchen. Zweitens diene sie als Relay-Station für die Daten, wenn im nächsten Projekt ein Mars-Rover zum Roten Planet geschickt werde und in die Erde bohre. „Schiaparelli“ sei eine Vorläufer-Testsonde gewesen.

Vieles klappte bei „Schiaparelli“ wie geplant: Der Fallschirm öffnete sich, und bremste zusammen mit dem Hitzeschild und der dünnen Atmosphäre das Landegerät von 21.000 Stundenkilometern auf 300 Stundenkilometern ab. Auch die Triebwerke gingen an – schalteten sich aber viel zu früh ab.

Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Weltraumforscher von der weiteren Auswertung der Abstiegsdaten der Testsonde. 600 Megabite Daten wurden übermittelt. In der kommenden Woche sollen sie auch Bilder von der höchsten auflösenden Kamera an Bord von MRO bekommen. Die jetzigen Bilder haben nur eine Auflösung von sechs Metern pro Pixel. Sie hoffen, dann auch den Hitzeschild finden zu können, der in großer Höhe wie geplant abgeworfen wurde.

Von dpa/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Deutschland hat ein gewichtiges Problem: Hierzulande gibt es mehr fettleibige Menschen als im EU-Durchschnitt. Bis zum Spitzenreiter Malta fehlen aber noch ein paare Pfunde. Zum Glück.

21.10.2016

Ein Besuch im Zoo oder Tierpark hilft bei der Behandlung von Psychiatriepatienten. Davon sind Experten überzeugt. Krankenkassen jedoch bezweifeln den Nutzen und erkennen die tierische Therapie noch nicht an. Eine Studie aus Hannover könnte das nun ändern.

21.10.2016

Die Lebenserwartung steigt in Deutschland weiter, hängt aber auch vom Wohnort ab: In Baden-Württemberg werden die Menschen deutlich älter als in Sachsen-Anhalt.

20.10.2016
Anzeige