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15:42 29.09.2016
Ganz schön blau: Paletten-Doktorfische sind ein echter Hingucker unter Wasser. Quelle: dpa
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Berlin

Klein, tollpatschig und sehr vergesslich: So präsentiert das Kino die Paletten-Doktorfisch-Dame Dorie. In dem Animationsabenteurer „Findet Dorie“ schwimmt der kleine blaue Fisch nun auch in Deutschland über die Leinwände. Form und Farbe des prächtigen Meeresbewohners stimmen zwar mit dem Original überein, doch leiden Doktorfische im wahren Leben tatsächlich auch unter Amnesie? Und wie sieht das Leben der Dorie-Vorlage eigentlich in Wirklichkeit aus?

Eine echte Kinoheldin: die vergessliche Dorie. Quelle: Disney Pixar

„Es gibt keine Hinweise, dass Paletten-Doktoren besonders vergesslich oder tollpatschig sind“, sagt Timo Moritz vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund. Im Gegenteil sogar: Da die Tiere eher in lockeren Trupps unterwegs sind, sei davon auszugehen, dass die Fische sich sehr gut orientieren können. Zu Schwärmen würden die Doktorfische eigentlich nur zwecks Fortpflanzung zusammenkommen.

Bunte Heimat im Korallendreieck Australien, Indonesien, Thailand

Die bunten Salzwasserfische leben in Korallenriffen im Indopazifik. Genauer: im Bereich von Australien, Indonesien und Thailand bis fast nach Taiwan. „Dieses Korallendreieck ist die Meeresregion mit der größten Artenvielfalt“, berichtet der Meeresfisch-Experte.

Farbenfroh seien aber nicht nur Doktorfisch-Damen, sondern generell alle Korallenfische. „Sie leben in stark lichtdurchfluteten Bereichen und wollen der Umwelt mit ihrer Farbe eine klare Artenzugehörigkeit mitteilen“, sagt Moritz. So ein Doktorfisch könne grundsätzlich bis zu 20 Jahre alt und 30 Zentimeter groß werden.

Scharfe Schuppen sorgen für Sicherheit

Die Fische ernähren sich von Algen oder Zooplankton, also kleinen Krebsen, die im Wasser frei schweben. Seinen Namen habe der Doktorfisch wegen der scharfen Schuppe am Schwanzstiel, mit der er sich verteidigen könne. „Die ist so scharf, dass man gesagt hat, die ist wie ein Skalpell – und das haben auch Doktoren“, erklärt Moritz.

Anmutig und exotisch: ein Paletten-Doktorfisch. Quelle: dpa

Zu den Feinden der blau-gelben Meeresbewohner gehörten unter anderem Haie und Thunfische – aber auch der Mensch. Denn weil die Zucht des Paletten-Doktorfisches kaum möglich ist, werden die Tiere für den Heimtierhandel wild gefangen – und zwar mit Gift.

Menschen fangen die Tiere mit Gift

„Giftfischerei ist eigentlich verboten, sie ist aber die übliche Fangmethode“, sagt Henriette Mackensen vom Deutschen Tierschutzbund. Um sie leichter zwischen den Korallen zu fangen, betäube man die Tiere mit Cyanid. Weil die Dosis häufig aber zu hoch sei, würden zahlreiche Fische beim Fang sterben. „Beim Handel mit Wildfängen sind die Mortalitätsraten grundsätzlich am höchsten“, berichtet die Expertin. Wie viele Paletten-Doktorfische dabei tatsächlich verenden, könne man nur schwer sagen.

Und es könnte noch schlimmer werden: Zahlreiche Experten befürchten, dass der Film „Findet Dorie“ die Nachfrage nach Paletten-Doktorfischen ankurbeln könnte. So war es zumindest bei Clownfischen nach dem Vorläuferfilm „Findet Nemo“.

Die Dorie-Fische gibt es schon ab rund 50 Euro. Der Deutsche Tierschutzbund wie auch der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) raten auf ihren Internetseiten von einem unüberlegten Kauf ab. Zur Haltung von Salzwasserfischen brauche man zudem eine komplexe Technik. „Die Anschaffung würde insgesamt zwischen 3000 und 6000 Euro kosten“, sagt Aquaristik-Experte Bernd Silbermann. Vielleicht zu viel für einige Fans des Unterwasserabenteuers.

Von RND/dpa

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