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20:15 04.12.2017
Listenplatz Nummer eins: Die Französin Jeanne Calment ist zum Zeitpunkt dieser Fotoaufname 122 Jahre alt. Quelle: picture alliance / dpa
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Tel Aviv

Als Jeanne Calment 1875 auf die Welt kam, gab es noch keinen Eiffelturm und die Welt funktionierte noch ohne Strom. Nie hätte sie gedacht, so alt zu werden. Die begeisterte Sportlerin fuhr noch mit über 100 mit dem Fahrrad durch die Gegend. Nur mit dem Rauchen hörte sie im hohen Alter von 117 auf, um mit 118 wieder rückfällig zu werden, heißt es.

Die 1997 gestorbene Französin führt mit ihren 122 Jahren die Liste der 100 ältesten Menschen der Welt an. Seither hat kein weiterer Mensch ein derart hohes Alter erreicht. Doch es geht noch älter. Das zumindest behauptet ein israelischer Forscher. Chaim Cohen von der Universität Bar Ilan, der sich mit der Molekularbiologie des Alterns beschäftigt, geht davon aus, dass Menschen in Zukunft noch deutlich länger leben könnten. „Es ist möglich, dass Menschen die Grenze von 120 überschreiten und sogar bis zu 140 Jahre alt werden“, sagte er.

Jeanne Calment Quelle: dpa

Die durchschnittliche Lebenserwartung des Menschen sei binnen eines Jahrhunderts dank besserer Hygiene, Medikamenten und Impfungen deutlich gestiegen. „Während früher 70 Prozent der Menschen an Infektionen starben, sterben heute 70 Prozent der Menschen an Alterskrankheiten“, sagte Cohen. Die Zahl der extrem langlebigen Menschen sei dagegen nur leicht gestiegen.

Forscher um Jan Vijg vom Albert Einstein College of Medicine in New York waren im vergangenen Jahr in einer Studie zu dem Schluss gelangt, dass die Lebenszeit des Menschen eine natürliche Obergrenze hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch jemals älter als 125 Jahre werde, sei extrem gering, schrieben sie im Fachblatt „Nature“.

Das sieht Cohen anders. „Wenn man den Alterungsprozess selbst manipuliert, kann man auch die maximale Lebenserwartung steigern“, glaubt er. Seine Studie basiert auf der Untersuchung von Daten zur menschlichen Sterblichkeit in den Jahren von 1900 bis 2010 sowie von Versuchen mit Tierarten wie Mäusen, Ratten und Fliegen. Mit Veränderungen der Ernährung, gentechnischen Eingriffen und medikamentöser Behandlung sei es dabei gelungen, die maximale Lebensspanne um bis zu 30 Prozent zu steigern. Die behandelten Tiere hätten außerdem weniger altersbedingte Krankheiten wie etwa Diabetes entwickelt.

Mit höherem Älter kommen mehr Krankheiten

„Die Befunde geben starke Hinweise darauf, dass ähnliche Eingriffe beim Menschen die durchschnittliche und maximale Lebenserwartung deutlich steigern könnten“, heißt es in der Studie. „Wenn wir die Alterungsprozesse direkt angehen, werden wir die Grenze von 120 überschreiten“, meint Cohen.

Ziel sei es, die gesunde Lebenszeit zu verlängern, betont er. „Je älter die Menschen werden, desto mehr Krankheiten tauchen auf.“ Im Vergleich zum 19. Jahrhundert gebe es heute etwa deutlich mehr Fälle von Alzheimer und Parkinson, weil viele Menschen älter als 80 werden. „Das Ziel ist, dass die Menschen länger gesund bleiben und nicht einfach nur länger leben.“

Nach Ansicht von James Vaupel, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock, basiert Cohens Studie auf „vorsichtiger, gründlicher Forschung“. Das Thema der maximalen Lebensspanne sei bereits untersucht worden, aber noch nie so sorgfältig für sowohl Menschen als auch verschiedene Tierarten. „Ich stimme mit Cohens Schlussfolgerungen überein“, sagte Vaupel. Er halte den Schluss der US-Forscher, es gebe bei der Langlebigkeit eine natürliche Obergrenze, ebenfalls für falsch.

Von Sara Lemel / RND

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