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Wissen Willkommen im Motivationszirkus
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09:19 04.12.2018
Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor, sein aktuelles Buch: „Noch so ein Arbeitstag, und ich dreh durch – Was Mitarbeiter in den Wahnsinn treibt“. Quelle: Gina Patan/Montage
Hamburg

Das kann einen Mitarbeiter so richtig motivieren? Vielen Firmen fällt als Antwort nur ein: der eigene Chef! Also werden Vorgesetzte alle naselang zu Motivationsseminaren geschickt, in denen ihnen beigebracht wird, ihre Mitarbeiter so richtig auf Trab zu bringen. Viele Chefs halten sich für Motivationskünstler, wenn sie ein paar dieser Seminare durchlaufen und die einschlägigen Tricks gelernt haben.

Motivation: Erst das Lob, dann Mehrarbeit

Ein geübter Motivationsdompteur weiß, was seine Mitarbeiter reizt: Er winkt mit Prämienschecks, lässt Incentivereisen springen, kürt Mitarbeiter des Jahres und entlohnt Verbesserungsvorschläge in bar. Sein Lob träufelt er wie Zuckerwasser auf die Belegschaft, damit bittere Pillen besser schmecken. Zum Beispiel wird eine Mitarbeiterin erst dafür gelobt, dass sie „immer so zuverlässig und effektiv“ arbeitet. Und eine Sekunde später packt ihr der Chef ein neues Sonderprojekt auf den Tisch. Und sie, um ihn nicht zu enttäuschen, lässt es geschehen – selbst wenn sie schon bis zum Hals in Arbeit steckt.

Motivierungsmanöver senden gefährliche Metabotschaft

Doch geht diese manipulierende Motivierung vieler Führungskräfte wirklich auf? Reichen ein paar solcher Kunstgriffe aus, dass Mitarbeiter wahre Leistungsfeuerwerke abbrennen? Niemals! Die meisten Motivierungsmanöver senden eine gefährliche Metabotschaft: Den Mitarbeitern wird unterstellt, sie enthielten der Firma eine stille Leistungsreserve vor. Statt im fünften Gang zu arbeiten, wie sie es könnten, tun sie es womöglich nur im dritten – bis die Prämie oder das Lob sie anschiebt. Dieser Verdacht demotiviert die Mitarbeiter und führt dazu, dass viele ihre Leistung tatsächlich zurückfahren. Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Infos über Martin Wehrle

Martin Wehrle ist Experte in Sachen Karriere. Der gelernte Journalist war stellvertretender Chefredakteur und arbeitet seit dem Jahr 2000 als selbstständiger Karriereberater. Er schrieb bereits zahlreiche Bücher zum Thema Wirtschaft, Gehalt und Beruf. Alle vier Wochen gibt er sein Wissen zu einem bestimmten Thema weiter.

Manipulation statt Motivation

So mancher Mitarbeiter kommt sich vor wie jener Esel, auf dessen Rücken ein Mann sitzt und ihm eine Stange mit einer Möhre vor die Nase hält. Der Esel läuft, um die Möhre zu bekommen. Doch mit jedem seiner Schritte entfernt sich auch die Möhre. Die Mitarbeiter bräuchten Vertrauen und Wertschätzung, aber werden abgespeist mit Misstrauen und Verdacht. Manipulation statt Motivation. Die extrinsische Motivierung gleicht einem Stück Seife: Sie nutzt sich ab. Der erste Prämienscheck mag noch wirken, der zweite nicht mehr. Und wenn in einem 200-Leute-Team einer als Mitarbeiter des Jahres prämiert wird, gehen 199 leer aus und fühlen sich vorgeführt.

Ein guter Vorgesetzter hat Empathie

Viele Mitarbeiter ziehen ein anständiges Grundgehalt dem Prämienscheck vor, ein gelegentliches Lob einer inflationären Heuchelei. Und muss eine Firma, die alle Mitarbeiter wertschätzt, tatsächlich einen als Mitarbeiter des Jahres aufs Podest heben? Ein guter Vorgesetzter versetzt sich in seine Mitarbeiter hinein. Er klärt im Gespräch, welche Aufgaben und Perspektiven einen jeden reizen. Darauf stimmt er die Stelle, die Fortbildungen und die Entwicklungsschritte ab. Außerdem sorgt er für ein faires Gehalt, für ständigen Austausch, für klare Perspektiven. Nur wenn Mitarbeiter Wertschätzung erfahren, wenn sie fair bezahlt und behandelt werden, wenn die Teams noch arbeitsfähig und nicht zu Tode gespart sind, nur dann ist Motivation möglich. Menschliche Arbeitsbedingungen bewirken 1000-mal mehr als leere Gesten.

Eine solche Kultur der Wertschätzung führt automatisch zu hoher Motivation – anders als die Möhre vor der Nase; denn niemand lässt sich gern zum Esel machen.

Von Martin Wehrle/RND

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